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AKW-Baulinie 69 - nicht nur ein Restrisiko

Was haben Brunsbüttel, Krümmel, Philippsburg 1 und Isar 1 gemeinsam? Alle vier sind Siedewasserreaktoren der Baulinie 69. Das heißt, sie weisen schwere Konstruktionsmängel auf. Um einen norddeutschen Reaktor dieser Linie geht es auch in dem Sat1-Spielfilm Restrisiko. Der Film ist Fiktion, doch das Problem dahinter ist real.

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Diese alten Atomreaktoren sind eine gefährliche Fehlkonstruktion und ein Weiterbetrieb ist unverantwortlich. Es gibt klare Parallelen zum Film Restrisiko, sagt auch der Greenpeace-Kernphysiker Heinz Smital.

Zur Baulinie 69 erschien im Oktober 2010 eine Studie des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität Wien. Unter den zehn Fachleuten, die die Studie durchführten, befindet sich ein ehemaliger langjähriger Siemens-Ingenieur. Siemens gehört zu den weltweit führenden Exporteuren von Atomtechnologie.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die vier deutschen AKW schwerwiegende[n] Konstruktionsmängel aufweisen, die durch Nachrüstungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden können.

Unter anderem heißt es: Die Druckbehälter dieser Bauserie entsprechen demzufolge nicht den Basissicherheitskriterien, wie sie für spätere Reaktor Generationen durchgesetzt wurden. Eine Lebensdauerverlängerung für diesen Reaktortyp beinhaltet nicht akzeptable Risiken. Und weiter: Es besteht bei schweren Unfällen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine frühe Radionuklidfreisetzung in die Umgebung.

Die Autoren bemängeln außerdem, dass problematische Bereiche, besonders eine stark unter Spannung stehende Schweißnaht im Unterbau des Druckbehälters, nicht zugänglich und damit nicht überprüfbar sind. Risse, die sich dort bilden, bleiben somit unbemerkt.

Der brisante Report erschien kurz bevor der Deutsche Bundestag über die von Angela Merkel durchgesetzten Laufzeitverlängerungen diskutierte. Am Ergebnis hat er bekanntlich nichts geändert: Wirtschaft kommt vor Sicherheit.

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