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Norwegen beendet Walfangsaison

Warum wollen die norwegischen Walfänger im nächsten Jahr 670 Minkewale jagen? Diese Zahl gab Anfang der Woche das zuständige Minsterium in Oslo bekannt. Zuvor waren die Walfänger von ihrer diesjährigen Fangsaison zurückgekehrt. Sie hatten 647 Minkewale erlegt. Norwegen ist das einzige Land der Welt, dass ganz offiziell das Internationale Walfang-Moratorium missachtet und kommerzielle Waljagd betreibt.

Doch viel Kommerz ist mit den getöteten Walen gar nicht möglich. Erst vor einigen Monaten haben staatliche Stellen in dem skandinavischen Land selbst vor dem Verzehr des mit Umweltgiften stark belasteten Walfleisches gewarnt. Ganz meiden sollten es werdende Mütter und Frauen in der Stillzeit.

Auch Norwegens Vorhaben, durch den Walfleisch- und vor allem Walspeckhandel mit Japan Geld zu machen, ist gescheitert, sagt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace. Aus Gesundheitsschutzgründen lehnt Japan die Einfuht der belasteten Walprodukte ab. Sie enthalten Dauergifte wie Polychlorierte Biphenyle und Schwermetalle in hohen Mengen.

Dass die Wale in den Weltmeeren in starkem Ausmaße Umweltgifte aufnehmen, ist schon lange bekannt. Auch welche negativen Folgen das für Menschen hat, die Wal auf ihrem Speiseplan stehen haben. So zeigten bereits Studien aus der Vergangenheit auf den Faröer, eine Inselgruppe im Nordatlantik, dass Kinder deutlich häufiger mit Lernschwächen zu kämpfen hatten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Walprodukte verspeist hatten.

Zum 54. Treffen der Internationalen Walfangkommission im japanischen Shimonoseki 2002 hatten wir noch einmal die Belastung untersuchen lassen, sagt Maack. Schon mit einem gewöhnlichen Wal-Mittagessen lagen die Mengen an verzehrtem PCB deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten.

Doch diesen Tatsachen verschließen sich die Walfang-Befürworter in Norwegen. Stattdessen setzen sie offensichtlich überhöhte Bestandszahlen in die Welt. Laut norwegischen Quellen gäbe es 180.000 Minkewale im Zentral- und Nordatlantik, davon befänden sich 107.000 in norwegischen Fanggründen.

Diese Zahlen seien nach Meinung vieler Meeresforscher nicht überzeugend. So würde gerade der Umstand, dass die Walfänger dieses Jahr mit nur 647 getöteten Walen nach Hause gekommen sind, obwohl sie die offizielle Erlaubnis für den Abschuss von 711 Tieren gehabt haben, ein Hinweis auf einen viel geringeren Walbestand sein.

Walfang hat im 21. Jahrhundert einfach nichts mehr verloren, sagt Maack. Längst gibt es lukrative Alternativen, die auch die letzten Zweifler überzeugen sollten, dass lebendige Wale mehr wert sind als tote. Die Wal-Safari-Industrie erzielte in vergangenen Jahr über eine Milliarde US-Dollar Gewinne weltweit. Und dafür musste nicht ein einziger Wal sein Leben lassen. (mir)

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