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Las Palmas, Binar 4

Interview mit dem deutschen Aktivisten Timo Liebe

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Greenpeace Online: Timo, was ist der Hintergrund der Aktion gegen die Binar 4?

Timo: Wir haben die Binar 4 vor ein paar Tagen vor der westafrikanischen Küste im Hoheitsgebiet von Guinea dabei beobachet, als sie Fisch von verschiedenen Fischtrawlern übernommen hat.

Normalerweise ist es so, dass der Fisch aus den guineischen Gewässern nicht ausgeführt werden darf und im Hafen der Hauptstadt Conakry angelandet werden muss. Alles andere bedeutet, dass der Fisch illegal umgeschlagen wird. Die Binar 4 machte sich auf den Kurs Nord und das war eindeutig falsch.

Es gibt zwar Ausnahmen von dieser Norm, aber diese sind recht klar geregelt. Insbesondere werden die Schiffe, die einer Ausnahmeregelung unterliegen, in entsprechenden Formularen namentlich benannt.

Auf der Binar 4 wurde sich aber sofort merkwürdig verhalten. Und das erregte unsere Aufmerksamkeit. Das Verhalten an Bord deutete darauf hin, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Also hängten wir uns dran und beobachteten was passierte.

Greenpeace Online: Wie ging es dann weiter?

Timo: Das spanische Greenpeace-Büro erhielt plötzlich unaufgefordert ein Fax von der Reederei des Schiffes. Das Fax schien eine Kopie eines Schreibens der guineischen Regierung, das der Binar 4 gestattete, Fisch aus dem Hoheitsgebiet von Guinea zu laden und auszuführen.

Wir stellten trotzdem Nachforschungen an, uns kam das Ganze doch sehr merkwürdig vor.

Greenpeace Online: Was habt ihr gemacht?

Timo: Naja, unter anderem stellten wir den spanischen Behörden sämtliches von uns gesammelte Material zur Verfügung.

Unsere Idee ist es, mit den verantwortlichen Behörden zusammen das Schiff zu kontrollieren. Schließlich hat die Binar 4 nach eigenen Angaben über 11.000 Kisten Fisch geladen. Einen Umschlag des davon illegal gefangenen Fisches wollen wir verhindern.

Außerdem haben wir Kontakt zur Regierung von Guinea aufgenommen, um zu klären ob das Fax der Wahrheit entspricht. Bislang konnte uns das aber noch niemand bestätigen.

Greenpeace Online: Du bist ja an der Aktion beteiligt, was machst du jetzt?

Timo: (Lacht) Ich bin mit einer amerikanischen Aktivistin gerade auf dem Mast der Binar 4. Nachdem der Lotse an Bord gegangen ist, haben wir uns unaufgefordert angeschlossen. Ich befinde mich gerade zehn Meter über dem Deck, zwei spanische Aktivisten sind auf dem Kran des Schiffes.

Wir haben uns vorgenommen so lange zu bleiben, bis hier was passiert. Wir haben genug Lebensmittel dabei, unseren Schlafsack ... also, wir bleiben dran.

Greenpeace Online: Wie ist die Situation an Bord?

Timo: Es arbeiten meist chinesische Fischer an Bord, sie beobachten uns doch recht verhalten. Trotzdem würde ich die Stimmung als freundlich bezeichnen. Zwischen uns und der Mannschaft ist es recht entspannt.

Greenpeace Online: Gibt es schon Reaktionen von offizieller Seite?

Timo: Hier oben bekommen wir nicht so viel mit. Es tauchen nur immer mehr Anzugträger auf und die Hafenpolizei scheint immer wieder nach dem Rechten zu schauen. Ich sehe von hier, dass diverse Gespräche mit unseren Kollegen geführt werden. Aber natürlich bekomme ich davon inhaltlich nichts mit. Wenn etwas Entscheidendes passiert, werden wir das aber sicher rechtzeitig erfahren!

Greenpeace Online: Habt ihr Kontakt zur Esperanza?

Timo: Die Esperanza durfte den Hafen von Las Palmas heute nicht anlaufen. Deswegen haben wir unsere Aktion mit den Schlauchbooten durchgeführt. Doch auch die Schlauchboote mussten den Hafen verlassen. Ihnen wurde die Behinderung des Schiffsverkehrs vorgeworfen.

Das war natürlich völliger Quatsch, die Schlauchboote haben nicht ein einziges Schiff behindert. Aber so ist die Situation ...

Die Esperanza liegt derzeit vor dem Hafen von Las Palmas vor Anker. Mal sehen wann und ob sie die Erlaubnis bekommt einzulaufen. Wir probieren es natürlich weiterhin.

Greenpeace Online: Vielen Dank für das Gespräch und ich wünsch euch noch ganz viel Erfolg für die Aktion!

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