Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Richtig gelesen! - Schweden will seinen Kabeljaufang einstellen, weil es die Kassandrarufe der Wissenschaftler beherzigt. Und die Eurokraten in Brüssel wollen genau das verhindern.

Am Dienstag besuchte deshalb der Generaldirektor für Fischerei der EU, Jörgen Holmquist, die schwedische Hauptstadt. Vor dem Tagungsort, einem Nobelrestaurant in der Innenstadt, bezogen Greenpeace-Aktivisten Stellung, um gegen die absurden Forderungen der EU zu protestieren. Auf ihren Bannern erklärten sie die EU zur Extinction Union (Union der Auslöschung).

Es ist doch ein Armutszeugnis, wenn die Kommission ein Mitgliedsland unter Druck setzt, das lediglich die jüngsten Erkenntnisse der Wissenschaft berücksichtigt und den Fisch vor dem Aussterben bewahren will, kommentiert Andrea Cederquist, Fischerei-Expertin von Greenpeace. Schweden sollte doch als vorbildlich betrachtet werden für seine umweltbewusste Haltung.

Schon im letzten Jahr ließ Schweden durchblicken, dass es sich zu einem einseitigen Fangverbot für Kabeljau durchringen könne. Ein Vorhaben das damals noch die öffentliche Unterstützung der Europäischen Kommission fand. Damit wollte Schweden seiner internationalen Verantwortung gerecht werden und ging sogar weiter als die von der EU nur halbherzig beschlossenen neuen Maßnahmen zum Schutz des Kabeljaus. Die waren notwendig geworden, nachdem die Bestände im letzten Jahr aufgrund der Überfischung zusammengebrochen waren und von wissenschaftlichen Gremien unisono ein Fangverbot empfohlen wurde.

Doch die nun von der Kommission angeführten rechtlichen Argumente gegen die Pläne Schwedens sind fragwürdig. In der Allgemeinen Fischerei Politik (CFP) hat die EU Minimalstandards für den Erhalt der Fischbestände festgelegt und zugleich bestimmt, dass kein Mitgliedsland diese unterschreiten darf. Greenpeace hält es hingegen für geboten, jedes EU-Land zu ermutigen, striktere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, wie es in anderen Fällen durchaus schon geschehen ist. Es macht keinen Sinn, gezwungen zu sein, Fangquoten zu erfüllen, die offenkundig für eine umweltverträgliche und nachhaltige Fischerei ungeeignet sind.

Im Endeffekt hat die EU eklatant versagt, die Fischbestände zu erhalten, warnt Cederquist. Trotz der wohlklingenden Modeworte vom vorbeugenden Ansatz des Fischerei-Managements und der nachhaltigen Fischerei in der neuen CFP werden alle konkreten Schritte diese lobenswerten Ziele zu erreichen im Keime erstickt. Damit fällt die EU sogar hinter internationale Standards für Fischerei-Verwaltung und Meeresumweltschutz zurück. (mir)

Mehr zum Thema

fishery sea bass

Überfischung

  • 19.10.2021

Unser Verlangen nach Fisch übersteigt die Belastungsgrenzen des marinen Ökosystems bei weitem. Die Überfischung der Meere stellt damit eine große Bedrohung für die Meeresumwelt dar.

mehr erfahren
Dorsch im Stellnetz

Ostsee-Dorsch kollabiert

  • 12.10.2021

EU beschließt, die Fischerei auf Dorsch in der Ostsee einzustellen. Die Bestände sind durch jahrzehntelange Überfischung zusammengebrochen.

mehr erfahren
Rote Tiefseekoralle (Calcigorgia spiculifera) als Beifang

Beifang

  • 06.10.2021

In vielen Fischereien gibt es Beifang. Das heißt, dass außer den Zielarten andere Arten ungewollt mitgefangen werden. In den meisten Fällen werden diese dann tot oder sterbend ins Meer zurückgeworfen.

mehr erfahren
Die Saya de Malha Bank ist Teil des Maskarenen-Plateaus und liegt zwischen Mauritius und den Seychellen im Indischen Ozean. Sie ist die größte Seegraswiese der Welt und eine der größten Kohlenstoffsenken der Hohen See.

Fischerei heizt Klimakrise an

  • 18.09.2021

Die Grundschleppnetzfischerei in den Ozeanen löscht marine Lebensräume aus und setzt mehr CO2 frei als die Luftfahrt. Das belegt eine aktuelle US-Studie.

mehr erfahren

Lebensgrundlagen in Gefahr

  • 18.09.2021

Die Fischerei im Indischen Ozean wird nicht ausreichend kontrolliert: Rund ein Drittel der untersuchten Fischpopulationen gelten bereits als überfischt.

mehr erfahren

Siegel nicht sauber

  • 09.09.2021

Das MSC Siegel soll eigentlich nachhaltigen Fischfang garantieren. Doch es hält oft nicht, was es verspricht. Bio-Produkte oder vegetarisch ist daher Ostern die bessere Wahl.

mehr erfahren