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Greenpeace-Aktivisten protestieren im niederländischen IJmuiden gegen den Trawler Helen Mary (Dezember 2011)
© (c) Jeroen Staats/Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Serie Ocean Inquirer befasst sich mit dem Versagen der Gemeinsamen Fischereipolitik in Europa. Die beiden bisherigen Berichte zeigten die kriminellen Machenschaften von Vertretern der spanischen Fischereiindustrie und die Subventionen an die Tiefseefischerei. Der neue Bericht deckt auf, wie private und öffentliche Akteure die Überfischung weiter fördern, statt auf nachhaltige Lösungen zu drängen.

Eine einfache Rechnung

Es ist ein simples Zahlenspiel: Die europäische Fischereiflotte ist in vielen Bereichen zwei- bis dreimal größer als für eine nachhaltige Fischerei gut wäre. Laut EU-Kommission sind bereits bis zu 88 Prozent der kommerziell genutzten Bestände überfischt. Eine zu große Flotte macht also Jagd auf stark überfischte Bestände. Diese hochexplosive Mischung könnte durch einen Abbau der Flotte und eine ökologisch nachhaltige Fischerei entschärft werden.

Die Realität sieht leider anders aus. Der Greenpeace-Bericht zeigt auf, wie private und öffentliche Akteure die Überfischung weiter fördern, statt auf nachhaltige Lösungen zu drängen. Mit den EU-Fördergeldern werden Überkapazitäten finanziert und aufrechterhalten. Darüber hinaus wird das europäische Problem in andere Regionen der Welt verschifft. Um rentabel zu bleiben, gehen viele Fangschiffe unter europäischer Flagge mittlerweile in Fangründen außerhalb Europas auf Jagd, insbesondere in den Gewässern Westafrikas.

Ein Beispiel: Die Pelagic Freezer Trawler Association (PFA)

Die Pelagic Freezer Trawler Association (PFA) repräsentiert eine Gruppe von neun europäischen Unternehmen, unter anderem aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Zusammen unterhält sie 34 Fabrikschiffe, deren durchschnittliche jährliche Gesamteinnahmen zwischen 2007 und 2009 etwa 490 Millionen Euro betrugen. Alle diese neun Unternehmen lassen sich dabei auf nur drei niederländische Konzerne zurückführen.

Die PFA repräsentiert dabei alle erdenklichen Superlativen der europäischen Fischerei: Sie unterhält das größte und stärkste Schiff der EU-Flotte, ihre Fabrikschiffe fischen als Einzige sowohl in Gewässern der EU als auch außerhalb und haben das am höchsten direkt subventionierte Schiff Europas, die Helen Mary, in Betrieb.

Direkte Subventionen an die PFA

Die Arten der Fördermittel an die PFA sind sehr unterschiedlich und nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. So werden direkte Subventionen von EU und Mitgliedsstaat gezahlt, um etwa Motoren, Fanggeräte und sonstige Ausstattung an Bord der Schiffe zu modernisieren. Die direkten Fördergelder an die PFA beliefen sich zwischen 1994 und 2006 auf insgesamt 21,2 Millionen Euro.

Indirekte Subventionen an die PFA

Um ganz andere Summen geht es, wenn man den Weg der indirekten Subventionen, beispielsweise steuerbefreiter Kraftstoff und Zugangsrechte zur Fischerei vor Westafrika, an die PFA zurück verfolgt. Der EU war es geschätzte 142,7 Millionen Euro wert, der PFA zwischen 2006 und 2012 Zugang zu Fischereigründen vor Marokko und Mauretanien zu ermöglichen. Die privaten Fischereibetriebe müssen dabei nur einen marginalen Anteil selber finanzieren - zwischen 4,6 und 11,1 Prozent. Legal kommt man billiger nicht an Fisch in anderen Regionen heran.

Weiterhin erhebt die EU auf beinahe jeden Energieverbrauch Steuern - jedoch nicht in der Schifffahrt beziehungsweise der Fischerei. Verglichen mit einer realistischen Versteuerung des Treibstoffverbrauchs in der Schifffahrt entgehen dem Fiskus jährlich bis zu 78,2 Millionen Euro pro Jahr - nur durch die Fischereiaktivitäten der PFA. Unter dem Strich ergeben die unabhängigen Analysen, dass ohne finanzielle Zuwendungen aus öffentlicher Hand den Unternehmen der PFA ein durchschnittlicher finanzieller Schaden von jährlich bis zu 50,3 Millionen Euro entstehen würde.

Große Chance: Die Reform der EU-Fischereipolitik

Die aktuelle Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik bietet die Chance, einen Kurswechsel der gescheiterten Politik vorzunehmen, sagt Sebastian Buschmann, Meeresexperte bei Greenpeace. Die Umsetzung einer nachhaltigen Fischerei gelingt jedoch nur, wenn die Überkapazitäten der europäischen Fischereiflotte abgebaut werden. Greenpeace fordert daher die deutsche Bundesregierung auf, sich für einen rechtlich-verbindlich klar festgelegten Abbau der Flotte einzusetzen.

(Autorin: Iris Menn)

Zum Weiterlesen:Die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik in der EU

  • Greenpeace-Aktivisten befestigen ein Protestbanner. 23 Millionen Euro sind seit 1999 in Ausrüstung und Lizenzen für den Supertrawler Jan Maria geflossen

    Protest an der "Jan Maria"

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