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© Jorge A. García Razo/Greenpeace

Ratgeber „Essen ohne Gentechnik“

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Greenpeace fragte bei 13 großen deutschen Supermarktketten nach, ob sie bei der Herstellung ihrer Eigenmarken – etwa Edekas Gut&Günstig oder Lidls Milbona – gentechnisch veränderte Futtermittel einsetzen. Das erfreuliche Ergebnis: Es tut sich was; immer mehr Händler verzichten – bei welchen Produkten, das zeigt der Ratgeber. Darin sind die entsprechenden gentechnikfreien Lebensmittel in einer Grünen Liste aufgeführt. So finden Verbraucher in der Rubrik Hähnchenfleisch zum Beispiel die Produkte der Rewe-Marke Ja!. Außerdem ist Milch von Edekas Unsere Heimat gelistet sowie Schweinefleisch der Tegut-Marke Land-Primus.

Rewe und Edeka gehen sogar noch einen Schritt weiter und nehmen die gentechnikfreie Produktion als Qualitätsstandard für alle Eigenmarken in ihren Richtlinien auf. Dies gilt auch für Rewes Tochterunternehmen Penny. Bislang hat der Handel - wie der Greenpeace-Ratgeber zeigt - nur einzelne Eigenprodukte im Sortiment, die diese Anforderung erfüllen. Eine Ausnahme ist die Supermarktkette Tegut: Sie garantiert Gentechnikfreiheit für alle selbst hergestellten Lebensmittel.

„Edeka und Rewe haben noch kein konkretes Datum für die Umstellung ihres gesamten Eigenmarken-Sortiments genannt“, erklärt Stephanie Töwe, Greenpeace-Expertin für Gentechnik. „Deshalb gehören sie im Ratgeber noch nicht zu den Besten. Aber sie sind auf einem guten Weg, was die gentechnikfreie Fütterung angeht.“

Für Real, Aldi und Lidl hingegen stellt der Verzicht auf Gentechnik kein generelles Qualitätskriterium dar. So garantieren sie zwar für einige Produkte und ab Mitte 2015 für ihre Hähnchenerzeugnisse auf Gen-Futter zu verzichten – doch das reicht nicht, um im Greenpeace-Ratgeber in der Gesamtbewertung aus dem roten Bereich herauszukommen

„Die Supermärkte können bei ihren Eigenmarken selbst festlegen, wie diese produziert werden und welche ökologischen Standards eingehalten werden müssen“, so Töwe. „Diese Macht müssen sie nutzen. Die Händler argumentieren, dass die Umstellung auf gentechnikfreie Fütterung schwierig sei. Doch die Handelskette Tegut macht seit Jahren vor, wie es geht.“ Dass es eine Frage des Willens ist, zeigen auch die Zahlen von Abrange, dem Verband der gentechnikfreien Soja-Anbauer in Brasilien: Dessen Ernte erhöhte sich im Jahr 2014 um 10 Prozent. Soja wird zu großen Teilen zu Tierfutter verarbeitet.

Pluspunkte für Kennzeichnung

Setzen Handelsketten freiwillig das Siegel „Ohne Gentechnik“ ein, wird das im Einkaufsratgeber anerkannt. Denn für Verbraucher ist ohne Markierung kaum zu erkennen, ob Schnitzel, Joghurt oder Ei mit Hilfe von Gen-Futter produziert wurden. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es für diese Produkte bisher nicht. Wer den Anbau riskanter Gen-Pflanzen also beim Einkauf nicht unterstützen will, sollte auf das Siegel achten. Oder Bio-Produkte wählen: Bei deren Erzeugung kommt Gentechnik nicht ins Futter. Edeka und Rewe zum Beispiel setzen das Siegel ein. „Das zeigt, dass die Unternehmen die Umstellung ernst nehmen und dauerhaft eine Lösung anstreben“, so Töwe.

Bei Lidl, Aldi und Real hingegen tappt der Verbraucher in Sachen Gentechnik weitgehend im Dunkeln. „Diese Supermärkte nutzen das Siegel bisher nicht. Sie brauchen noch Nachhilfe beim Thema Transparenz. Solange es keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht gibt, muss der Einzelhandel freiwillig aufklären, ob Gen-Pflanzen verwendet wurden“, fordert Töwe.

Die mächtigen Supermarktketten bestimmen: Gentechnik – oder nicht?

Denn die Handelsketten beherrschen mit ihren Eigenmarken den Markt. Das Aldi-Sortiment besteht fast ausschließlich aus Eigenmarken; Handelsketten wie Rewe haben mit Ja! und den Rewe-Produkten gleich mehrere Eigenmarken in den Regalen. Fast 70 Prozent der in Deutschland produzierten Milch fließen in die Hausmarken des Handels. „Die Supermärkte haben es mit ihrer Marktmacht in der Hand, ob gentechnikfreie Fütterung dauerhaft als Standard in Deutschland etabliert wird“, sagt Töwe.

Sie macht aber auch klar, dass andere Hersteller nicht denken sollen, der Kelch sei an ihnen vorübergezogen: „Die Umfrage unter Eier-Produzenten oder auch unsere derzeitige McDonald’s-Kampagne zeigen, dass Greenpeace an mehreren Stellen ansetzt.“

Verbraucherproteste wirken

„Es ist noch viel zu tun, aber wir kommen Schritt für Schritt voran“, erklärt Töwe. Dazu trügen vor allem auch die Proteste der Verbraucher bei. Die hatten sich gewehrt, als die Geflügelbranche kürzlich ankündigte, nach 14 Jahren gentechnikfreier Fütterung wieder auf Gen-Futter umzusteigen – im September vergangenen Jahres ruderten die Geflügelproduzenten zurück. „Vielleicht war es ein Test, um zu sehen, ob die Gentechnik salonfähig geworden ist“, vermutet Töwe. „Doch sie ist es nicht – der Protest der Verbraucher war eindeutig. Und er ist offenbar  auch bei den Handelsketten angekommen.“

Hier können Sie den aktuellen Greenpeace-Ratgeber „Essen ohne Gentechnik“ bestellen.

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