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Pflanzenproben

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Monsanto will kritische und unabhängige Forschung mit allen Mitteln verhindern. Der Gentechnik-Konzern hat Angst, dass die wirklichen Risiken des Gen-Mais bekannt werden, sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace mit Blick auf die überzogene Reaktion des Konzerns. Die von Monsanto alarmierte Polizei entdeckte jedoch nicht alle Proben, die Greenpeace-Aktivisten am Vormittag auf dem Acker genommen hatten.

Dafür hatten sich die Aktivisten gewappnet: In weißen Schutzanzügen mit der Aufschrift Gen-Kontrolle standen sie auf dem Acker. Es ist ein Versuchsfeld, auf dem Monsanto unter anderem Ertragsleistung und Stärkegehalt der Gen-Maispflanzen untersuchen will. Die ökologischen Risiken werden dabei allerdings nicht erforscht. Bereits bei der Zulassung des MON810 hatte Monsanto nur ungenügende Angaben über den Gehalt des Giftes im Gen-Mais gemacht.

Im Visier hat Greenpeace vor allem die Blätter und Blüten des so genannten Bt-Maises. Bt - die Abkürzung steht für Bacillus thuringiensis - ist ein Bodenbakterium und gleichzeitig der Pate eines Genkonstruktes, das dem Mais im Labor eingesetzt wurde. Es bewirkt, dass die Pflanze ein Gift bildet. Dadurch wird verhindert, dass der Maiszünsler seine Eier auf Maisblättern ablegt und seine Raupen sich durch den Mais bohren, bis der Stängel einfach abbricht.

Die Angst vor diesem Schaden für die Landwirte rechnete sich bislang vor allem für den Agrarkonzern Monsanto. Das Kaufversprechen für sein Produkt MON810: Der Maiszünsler wird unschädlich gemacht, ohne Pestizideinsatz. Doch die Sache hat einen Haken, der Gen-Mais tötet nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen, gefährdete Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge oder den Schwalbenschwanz, Spinnen und Regenwürmer.

Im Gegensatz zum natürlichen Bt-Gift, dessen Wirkung sich erst im Darm bestimmter Insekten entfaltet, ist der pflanzeneigene Stoff ein aktives Gift. Die völlig anderen Eigenschaften des veränderten Bt-Giftes schädigen so erheblich mehr Lebewesen, nicht zuletzt, weil das Gift durch die Mais-Pollen auch auf umliegende Felder, Wälder und Wiesen getragen wird.

Weltweit gibt es kaum unabhängige Forschung zu den Gefahren des Gen-Maises,, sagt Brendel. Gentechnik-Firmen verweigern häufig sogar das für die Forschung notwendige Probenmaterial. Deshalb bedient sich Greenpeace heute selbst auf dem Gen-Acker und nimmt so viele Proben, wie für die Analysen notwendig sind.

Die Greenpeace-Untersuchungen sollen Aufschluss über den Kreislauf des Bt-Giftes in der Umwelt und der Nahrungskette geben. Bisherige Untersuchungen weisen bereits unterschiedlich hohe Giftkonzentrationen im Gen-Mais auf. Sie können je nach Pflanzenteil, Anbauregion und Klima schwanken. Die Konzentration der Gift-Produktion ist rein zufällig und nicht kontrollierbar, stellt Brendel fest.

Die 72 Proben von Blättern und Blüten sowie die 6 Bodenproben, die nicht von der Polizei beschlagnahmt wurden, werden jetzt in ein Schweizer Labor geschickt, um den Gift-Gehalt in den Pflanzen messen zu lassen.

(Autorin: Cindy Roitsch)

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