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Der geschlossene Widerstand von Verbrauchern, Umweltschützern, Landwirten und Lebensmittelherstellern hat den Gen-Konzern einknicken lassen, erklärt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. Ausgerechnet in Kanada und den USA, dem Eldorado der Gentechnik-Industrie, ist Monsanto mit seinem Gen-Weizen gescheitert.

Widerstand gegen Gen-Pflanzen gibt es auch in anderen Teilen der Erde: Gegenwärtig protestieren Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten aus elf Ländern in Italien gegen Gentechnik in der Nahrung. Auf dem unter panamaischer Flagge fahrenden Frachter Keoyang Majesty protestiert auch ein Aktivist aus Deutschland gegen die Einfuhr von Gen-Soja nach Europa. Er hat einen der Kräne des Schiffes erklettert, das 40.000 Tonnen genmanipulierter Soja im Hafen der Adriastadt Chioggia löschen soll.

Mit der Entscheidung von Monsanto bleibt uns hoffentlich eine weitere Fehlentwicklung erspart: Der Anbau von Gen-Raps in Kanada macht deutlich, dass sich genmanipulierte Pflanzen unkontrolliert ausbreiten, warnt Then. Der Gen-Raps hat sich durch Pollenflug und verunreinigtes Saatgut so verbreitet, dass ökologisch und konventionell arbeitende Landwirte vielerorts keinen gentechnikfreien Raps mehr produzieren können.

Auch beim Anbau von Gen-Soja in den USA und Argentinien wachsen die Probleme für Mensch und Umwelt, sagt Then. Dort werden immer mehr giftige Spritzmittel eingesetzt. Mittlerweile kämpfen die Landwirte mit so genannten Superunkräutern. Die Superunkräuter sind durch den Anbau von Spritzmittel resistenten Gen-Pflanzen entstanden. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die Nachteile der Gentechnik die angeblichen Vorteile bei weitem überwiegen.

Then sieht in der Entscheidung des US-Agrokonzerns ein Zeichen für Deutschland: Auch die Landesregierung von Sachsen-Anhalt und die deutschen Politiker müssen jetzt erkennen, dass sie mit Gen-Pflanzen auf das falsche Pferd setzen. Wer Geld in Versuche mit genmanipulierten Pflanzen steckt, investiert Millionen Euro in eine Technik ohne Zukunft. Genmanipulierte Pflanzen haben ihre Zukunft schon hinter sich.

Das zeigen auch andere gescheiterte Versuche Monsantos, Gen-Pflanzen an den Mann zu bringen. So gab der Agro-Riese im vergangenen Jahr bekannt, dass er auf Pläne für genmanipulierte Pflanzen zur Herstellung von pharmazeutischen Wirkstoffen verzichtet. Schon Jahre zuvor hatte Monsanto seine Gen-Kartoffeln aufgegeben, weil gerade Fastfood-Anbieter sie nicht haben wollten.

So ganz überzeugt scheint Monsanto aber noch nicht zu sein: Der Agro-Gigant geht davon aus, dass die Entwicklung von Gen-Weizen nur aufgeschoben sei. Wenn es gelingt weitere Eigenschaften auf die Pflanzen durch Genmanipulation zu übertragen, käme eine Vermarktung wieder in Betracht. Der Konzern rechnet dafür mit vier bis acht weiteren Jahren.

Es bleibt also noch einiges zu tun!

Ein kurzer Film zu den Gefahren des Gen-Weizens (mpg-Format, 4,1 MB)

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