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Warnschild auf einer Ladung Gen-Soja aus dem Hause Monsanto.
© Kent Hardouin/Greenpeace

Greenpeace zum Film "Monsanto: Mit Gift und Genen"

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

In ihren vielschichtigen Recherchen deckt die Filmemacherin auf, wie der Agrar- und Chemiekonzern Monsanto ein umfassendes Netz spannt, um die eigene Macht zu konzentrieren und zu erweitern. Sie findet heraus, dass Monsanto Forschungsergebnisse zurückhält oder manipuliert, um Gefahren zu vertuschen oder Behauptungen zu rechtfertigen. Durch die Besetzung entscheidender politischer Positionen in Behörden und Wissenschaft gelingt es dem Konzern, sich den Weg für die eigenen Machenschaften zu bahnen. Widersacher werden eingeschüchtert oder zum Verstummen gebracht. Skrupellos geht Monsanto über soziale und ökologische Belange hinweg.

Seit 1999 kaufte Monsanto überall auf der Welt Saatgutfirmen wie DeKalb, Seminis oder Delta & Pine und avancierte damit zum größten Saatgutanbieter. Rund 90 Prozent aller weltweit verkauften genmanipulierten Saaten stammen von Monsanto. Ein lohnendes Geschäft, denn auf Gen-Pflanzen lassen sich Patentrechte anmelden, die weiteres Geld einbringen und die Kontrolle über die Verteilung von Lebensmitteln sichern.

Warum kooperiert Greenpeace mit dem Filmfestival?

Greenpeace unterstützt das Filmfestival Ueber Macht und begleitet als überregionaler Partner den Film Monsanto: Mit Gift und Genen. Greenpeace kämpft seit Jahren gegen Gentechnik und Pestizide auf dem Acker und in unserem Essen, deckt Skandale auf und nennt die Verantwortlichen beim Namen. Dass Greenpeace den Film unterstützt, versteht sich von selbst. Monsanto ist für viele der weltweit angebauten Gen-Pflanzen und den Gifteinsatz auf Äckern verantwortlich.

In weltweiten Kampagnen setzt sich Greenpeace für eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Gen-Pflanzen und Pestizide ein. Nur eine naturnahe, vielfältige Landwirtschaft, die traditionelles Wissen respektiert, kann langfristig die Ernährung sichern.

Ein Gefühl von Ohnmacht sollte der Film beim Zuschauer nicht hinterlassen. Jeder kann etwas tun: Greenpeace-Studien, Broschüren und Ratgeber zu Pestiziden und Gentechnik informieren über ökologisch gute und schlechte Produkte. Auch Verbraucher haben Macht und können im Supermarkt bestimmen, wie Lebensmittel in Zukunft produziert werden.

Welche Position vertritt Greenpeace zu Ernährung und Landwirtschaft?

Für Mensch, Tier und Umwelt ist eine ökologisch und sozial verträgliche Landwirtschaft ohne Gentechnik und Pestizide die bessere Alternative zu industrialisierter Landwirtschaft, die auf Monokulturen, Gentechnik und Chemikalien setzt. Die Natur ist die Grundlage unserer Ernährung. Anstatt sie zu zerstören, müssen lebenswichtige Ressourcen wie sauberes Wasser, fruchtbare Böden und eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren erhalten werden. Zahlreiche Studien belegen, dass Bauern weltweit mit ökologischer Bewirtschaftung nicht nur gesündere und vielfältigere Lebensmittel erzeugen, sondern oftmals auch ihre Erträge steigern und langfristig sichern können.

Im Weltagrarbericht der Weltagrarrates IAASTD (International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development) von 2008 kommen 400 Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass eine grundlegende Umorientierung in der globalen Landwirtschaft dringend nötig ist. In dem Bericht fordern sie eine Abkehr von verbreiteten Formen der modernen landwirtschaftlichen Massenproduktion, die auf dem massiven Einsatz von Pestiziden und großflächigen Monokulturen basiert. Auch in der Gentechnik erkennen sie keine Lösung. Hingegen sollen gerade die landwirtschaftlichen Kleinproduzenten gestärkt werden. Dabei müssten die natürlichen Ressourcen der jeweiligen Region auf schonende Weise genutzt werden.

Greenpeace engagiert sich für eine naturnahe Landwirtschaft. Das bedeutet: artgerechte Tierhaltung, kein Anbau genmanipulierter Pflanzen und Verzicht auf Pestizide. Böden und Gewässer müssen vor Überdüngung geschützt werden. Die ökologische Landwirtschaft bietet dem Verbraucher gesunde, sichere und umweltschonend hergestellte Lebensmittel.

Zu welchen Aspekten des Films arbeitet Greenpeace?

  • Genmanipulierte Pflanzen:

Greenpeace setzt sich seit Mitte der 90er Jahre gegen den Anbau von Gen-Pflanzen ein. Ginge es nach dem Willen der Gentechnik-Industrie, wären Gen-Pflanzen auf dem Acker und im Essen längst die Regel. Dabei häufen sich Beispiele dafür, dass diese Risikotechnologie Gefahren für unsere Gesundheit und Umwelt mit sich bringt: Fremde Gene in Lebensmitteln können neue Giftstoffe und Allergien verursachen.

Der Anbau von Gen-Pflanzen gefährdet die biologische Vielfalt und führt zu einem vermehrten Pestizideinsatz. Dabei kann niemand abschätzen, welche Folgen die Eingriffe ins Erbgut für Gesundheit und Umwelt haben. Die Wissenschaftler können weder den genauen Ort, wo das Gen in die Pflanze eingebaut wird, noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen und Proteinen gezielt steuern. Kein Wunder, dass es beim Anbau von Gen-Pflanzen immer wieder zu überraschenden Nebenwirkungen kommt: Die Stängel von Gen-Soja platzen bei Dürre und Hitze auf oder Gen-Pappeln blühten zum falschen Zeitpunkt.

Einmal in die Umwelt freigesetzt, sind Gen-Pflanzen nicht mehr rückholbar. Sie stellen eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht und die menschliche Gesundheit dar. Der großflächige Anbau von Gen-Pflanzen in Nordamerika und Argentinien macht dies drastisch deutlich: höherer Pestizidverbrauch, Entstehung von Superunkräutern, Schädigung von Nützlingen, Verdrängung traditioneller Pflanzenarten und damit die Gefährdung unserer Artenvielfalt.

Anhand konkreter Beispiele zeigt Greenpeace auf, welche Lücken das europäische Zulassungsverfahren für genmanipulierte Pflanzen hat. Greenpeace hat Monsantos Fütterungstudien an Ratten mit dem Gen-Mais MON863 von unabhängigen Forschern überprüfen lassen. Das Ergebnis: Die Ratten zeigten Schäden am Blutbild und den Organen, doch Monsanto stufte diese als biologisch nicht relevant ein. Der Mais wurde als sicher bewertet und von der EU für Lebensmittel und Tierfutter zugelassen. Risiken von Gen-Pflanzen werden trotz ernstzunehmender Hinweise ignoriert. So auch eine aktuellen Studie aus Österreich. Sie stellte fest, dass Mäuse weniger Nachkommen hatten, nachdem sie über 30 Tage mit dem Gen-Mais MON810xNK603, der ebenfalls von Monsanto stammt, gefüttert worden waren.

Verbraucher haben Macht: Gentechnik im Essen sieht man leider nicht. Doch genau hinschauen lohnt sich. Genmanipulierte Zutaten müssen auf dem Etikett von Lebensmitteln oder in der Speisekarte im Restaurant gekennzeichnet werden.

Dank breiter Ablehnung durch die Verbraucher sind in den Supermarktregalen keine gekennzeichneten Gen-Produkte zu finden. Doch 80 Prozent der weltweit angebauten Gen-Pflanzen landen für die Produktion von tierischen Produkten immer noch im Futtertrog von Kühen, Hühnern und Schweinen und somit indirekt in der Milch, dem Steak oder dem Frühstücksei. Diese Produkte müssen bisher nicht gekennzeichnet werden - eine gravierende Lücke in der EU-Kennzeichnungsregelung. Verbraucher können jedoch seit Mai 2008 am neuen Aufdruck ohne Gentechnik erkennen, welches Unternehmen auf Gentechnik im Futter verzichtet. So hat Landliebe als erste große Milchmarke ihre Frischmilchprodkte umgestellt und bietet sie ohne Gentechnik an - ein Erfolg der Greenpeace-Kampagne gegen Gen-Food.

  • Pestizide:

Seit ihrer Gründung in Deutschland ist Greenpeace gegen die Verschmutzung der Umwelt durch giftige Chemikalien aktiv. So haben z. B. Proteste gegen die Hamburger Pestizidfabrik Boehringer wegen weit überhöhter Dioxin-Emissionen 1984 zur Schließung der Fabrik geführt. Dioxin ist eines der gefährlichsten Gifte und wird zusammen mit elf weiteren Dauergiften mittlerweile von der UNO geächtet.

Heute steht der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft im Fokus der Greenpeace-Arbeit. In Obst und Gemüse findet Greenpeace Jahr für Jahr Spritzmittelrückstände. In der Greenpeace-Studie Die Schwarze Liste der Pestizide hat Greenpeace alle weltweit eingesetzten Wirkstoffe nach ihren umwelt- und gesundheitsschädigenden Wirkungen bewertet und zusammengefasst: Über 300 Wirkstoffe wurden als besonders schädigend eingestuft und auf die Schwarze Liste gesetzt. Sie haben oft krebserregende, hormonelle oder das Erbgut und das Immunsystem schädigende Wirkungen oder sind für Bienen besonders gefährlich.

60 Prozent aller von Monsanto produzierten Pestizide finden sich auf der Schwarzen Liste. Im Vergleich zu den Konkurrenten Bayer, BASF, Dow Chemical oder Syngenta hat Monsanto damit die giftigsten Pestizide im Angebot. Monsantos Totalherbizid Roundup zählt zu den meist verkauften Pestiziden weltweit. Darauf angemeldete Patente bescherten dem Konzern Millardengewinne. Kein Wunder, dass Monsanto seine Gen-Pflanzen so veränderte, dass sie gegen das Gift resistent sind. So lassen sich Gen-Pflanzen und Pestizide gleich im Doppelpack verkaufen.

Monsanto behauptet, der Einsatz von Roundup verringere den Verbrauch des Herbizids. Der US-Agrarwissenschaftler Charles Benbrook konnte jedoch nachweisen, dass im Anbaujahr 2003/04 der Gesamtverbrauch von Roundup auf argentinischen Gen-Sojafeldern um das 56-Fache gestiegen ist. Die Gesamtmenge an Pestiziden, die für gentechnisch veränderten Mais, Soja und Baumwolle verwendet wurden, stieg in den USA zwischen 1996 und 2004 um 122,4 Millionen Pfund.

Monsanto behauptet auch, Roundup sei harmlos. Der Konzern warb damit, dass Roundup biologisch abbaubar sei und die Böden sauber hinterlasse. Doch der in Roundup enthaltene Wirkstoff Glyphosat ist sehr schädlich für Wasserorganismen und gefährdet das Immunsystem von Lebewesen. Im Januar 2007 wurde Monsanto von einem französischen Gericht wegen Falschwerbung verurteilt.

  • Patente auf Leben:

Monsanto und seine zugehörigen Firmen besitzen mehr als tausend Patente, viele davon auf Saatgut. Monsanto kauft sich sich aber auch aggressiv in andere Bereiche mit Patenten ein. So zum Beispiel in die Schweinezuchtbranche: Hier besitzt Monsanto exklusive Lizenzen auf große Teile des Schweinegenoms bei der Gen-Firma Meta-Morphix. Erst im Juli 2007 hat das Europäische Patentamt (EPA) ein Patent auf Schweinezucht erteilt, das ursprünglich von Monsanto angemeldet wurde. Greenpeace wird Einspruch gegen das Patent einlegen.

Greenpeace hat zusammen mit der Organisation Kein Patent auf Leben ein besonderes Augenmerk auf Patentanmeldungen am (EPA) in München. Dort werden häufig Patente auf Gene von Menschen, Tieren und auf Pflanzen erteilt. Auch wenn im Vordergrund die Verfahren wie Züchtungsmethoden bei der Patentierung stehen, können die Patente für die gesamten Pflanzen oder Tiere sowie ihre Nachkommen gelten. Landwirte geraten durch Lizenzgebühren und Zuchtverbote in Abhängigkeit zu großen Konzernen. Greenpeace deckt Patentanmeldungen auf und hat mit zahlreichen Einsprüchen erreicht, dass Patente auf Leben widerrufen wurden.

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