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Die Umweltschützer überreichten der deutschen Verbraucherministerin Renate Künast ein Paket mit Genmais aus illegalem Anbau in Hessen und eine aktuelle Pannenliste, die weltweit Verunreinigungen von konventionellen mit genmanipulierten Pflanzen dokumentiert.

Künast muss hier eindeutig die Interessen der Verbraucher vertreten und sie vor den Gen-Konzernen schützen, forderte Greenpeace-Gentechnikexperte Henning Strodthoff. 70 Prozent aller Europäer wollen keine Gentechnik im Essen, 94 Prozent wollen eine Kennzeichnung. Dem Votum von Ministerin Künast kommt in vielen Fällen große Bedeutung zu.

Fälle von Verunreinigungen gibt es mittlerweile viele. In England zum Beispiel, wo seit Jahren Freilandversuche durchgeführt werden, hat der Bayer-Konzern zugeben müssen, dass seine Gen-Saaten außer Kontrolle geraten sind. In den USA mussten Lebensmittel in großem Umfang aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie möglicherweise Allergien auslösende Stoffe enthielten. Der genmanipulierte StarLink-Mais - ausschließlich für Tierfutter zugelassen - wurde trotz spezieller Sicherheitsauflagen in Nahrungsmitteln gefunden.

EU-Kommission und EU-Parlament haben unterschiedliche Empfehlungen zur Kennzeichnungspflicht abgegeben. Während die EU-Kommission den Schwellenwert für die Kennzeichnungspflicht bei einem Prozent belassen will, hat sich das EU-Parlament im Juli 2002 für einen Grenzwert von 0,5 Prozent ausgesprochen, ab dem Lebensmittel mit genmanipulierten Bestandteilen gekennzeichnet werden sollen. Greenpeace unterstützt diesen Vorschlag des Europäischen Parlaments.

Auf der gestrigen Tagung ging es neben dem Schwellenwert für die Kennzeichnung auch um eine generelle Ausweitung der Kennzeichnungspflicht. Ferner berieten die Minister über den Vorschlag, erstmals auch Futtermittel zu kennzeichnen, damit Landwirte erkennen können, was sie an ihr Vieh verfüttern. Ebenfalls wurde die Kennzeichnung von Produkten diskutiert, in denen Gentechnik nicht mehr direkt nachweisbar ist, die aber aus genmanipulierten Pflanzen hergestellt wurden. Ein Beispiel hierfür ist Öl aus genmanipulierten Sojabohnen.

Nur mit strengeren Vorgaben können sich die Verbraucher vor Gentechnik schützen, sagte Greenpeace-Experte Strodthoff. Die bestehenden Grenzwerte müssen verschärft, die Lücken in der Kennzeichnung geschlossen werden. Es ist ein Skandal, dass seit Jahren tonnenweise Gen-Soja ohne jede Kennzeichnung ins Tierfutter gelangt.

Wie die Entscheidung ausgefallen ist, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Ist der Ministerrat den Vorschlägen des Europäischen Parlaments gefolgt, so stünde nur noch die endgültige Abstimmung im verbraucherfreundlicheren EU-Parlament an.(sit) -

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