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Der ehemalige rumänische Monsanto-Geschäftsführer, Dragos Dima, hat auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Greenpeace in Bukarest erklärt, dass die US-Konzernleitung bereits 1998 über die drohende unkontrollierte Ausbreitung der Gen-Soja in Rumänien informiert wurde.

Im Jahr 1998, ein Jahr bevor die erste Gen-Soja in Rumänien angepflanzt wurde, habe ich die Geschäftsleitung von Monsanto gewarnt: Weder das Land Rumänien noch Monsanto wären in der Lage, den Gentechnik-Anbau zu beobachten und zu kontrollieren, sagt Monsanto-Aussteiger Dima. Leider ohne Erfolg. Wegen der Ignoranz Monsantos habe ich die Firma im selben Jahr verlassen.

Sind bereits 90 Prozent der rumänischen Soja genmanipuliert?

Sieben Jahre hat sich Dima wegen der Auflage einer Schweigepflicht nicht zur Ausbreitung der Gen-Saaten äußern können. Ich gehe heute davon aus, dass bereits 90 Prozent der angebauten rumänischen Soja genmanipuliert sind.

Im Jahr 2005 wurde in Rumänien Soja auf einer Fläche von etwa 140.000 Hektar angepflanzt. Davon war knapp die Hälfte als Standort für Gen-Pflanzen registriert. Die von Greenpeace genommenen und untersuchten Sojaproben belegen jedoch, dass die Gen-Soja auf mindestens 100.000 Hektar wächst - das sind weit mehr als zwei Drittel der Anbaufläche.

Der illegale Anbau führt zur Verunreinigung von gentechnikfreien Sojafeldern mit Gen-Soja: Hierfür sorgen einerseits der illegale Verkauf des Saatgutes und andererseits die nicht zu stoppende Auskreuzung. Die Gen-Pflanzen bestäuben herkömmliche Soja, so dass das daraus entstehende Saatgut nicht mehr gentechnikfrei ist.

Greenpeace fordert die rumänischen Behörden auf, weiteren Schaden für die rumänische Landwirtschaft abzuwenden. Der Anbau von Gen-Pflanzen bedroht die konventionelle und ökologische Landwirtschaft.

Monsanto will Märkte erobern

Monsanto hat die gentechnikfreie Sojaproduktion Rumäniens wissentlich aufs Spiel gesetzt, sagt Greenpeace-Gentechnikexperte Henning Strodthoff. Der Konzern will weder Koexistenz noch Wahlfreiheit. Monsanto will Märkte erobern und beherrschen.

Zahlreiche Beispiele belegen, dass Monsantos Markt- und Machtstrategien den illegalen Absatz seiner Gen-Produkte befördern. In Argentinien duldete Monsanto über Jahre, dass sich Bauern illegal mit patentgeschütztem Saatgut eindeckten. Mit der für Monsanto nicht unliebsamen Folge, dass andere Soja-Sorten verdrängt wurden. Auf 99 Prozent der argentinischen Flächen wächst inzwischen Monsantos Roundup-Ready-Soja. Nun zieht der Gentechnikgigant die Daumenschrauben an und will die Landwirte zur Zahlung von Gebühren zwingen.

Ähnliches droht den rumänischen Bauern. Zudem wird die rumänische Landwirtschaft Probleme bekommen, wenn das Land 2007 der Europäischen Union beitritt. Die Mehrheit der europäischen Verbraucher lehnt Gen-Food ab, sagt Strodthoff.

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