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Zweiter Piratenfischer in Barentssee gestoppt

Das in internationaler Seemannssprache Loophole genannte Seegebiet in der Barentssee nördlich von Norwegen entpuppt sich als echtes Schlupfloch für Piratenfischer. Das Greenpeace-Schiff Esperanza hat mit seiner Crew dort bereits das zweite IUU-Schiff in nur zwei Tagen aufgebracht. IUU ist das offizielle Kürzel für Piratenfischer: Illegal, Unregistriert und Undokumentiert.

Diesmal war es die Kerguelen, die Besuch von den Greenpeace-Aktivisten erhielt. Zuvor hatte der Kapitän noch redselig zugegeben, dass er wohl wissend seine zerstörerische Grundschleppnetzfischerei betreibe. Und auch, dass es für ihn keine rechtsverbindliche Fangquote gebe, er also illegal, unregistriert und undokumentiert fische.

Grund genug für die Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten an Bord der Esperanza die Schlauchboote klar zu machen, um dem illegalen Treiben einen Riegel vorzuschieben. In den folgenden Stunden war für die Kerguelen an Netze auswerfen nicht zu denken. Mit einem Banner an der Schiffswand kennzeichneten die Greenpeacer das Schiff zusätzlich als Piratenfischer.

Die illegale Piratenfischerei verschärft die schon durch legale industrielle Fischerei hervorgerufene Überfischung der Meere. Gerade letztgenannte ist die größte Bedrohung für die Nachhaltigkeit und die biologische Artenvielfalt in den Weltmeeren. Deshalb fordert Greenpeace, dass man auf höchster internationaler Ebener Lösungen für beide Probleme findet.

Kerguelen ist keine Unbekannte

Die Kerguelen steht bereits auf der Schwarzen Liste der Europäischen Kommission für auffällig gewordene Piratenfischtrawler, sagt Brad Smith, Meeresexperte von Greenpeace, an Bord der Esperanza. Dass wir sie hier wieder beim illegalen Fischen erwischen, zeigt, dass in internationalen Gewässern jede Kontrolle des Fischfangs fehlt. Natürlich werden wir die Kommission informieren. Wir werden auch verlangen, dass Schiff und Crew dingfest gemacht werden, sobald sie einen europäischen Hafen anlaufen, um ihren Fang zu verkaufen.

Bislang haben europäische Behörden keine gesetzliche Verpflichtung den illegalen Fang zu beschlagnahmen oder IUU-Schiffe festzuhalten, wenn diese einen europäischen Hafen anlaufen. Noch nicht einmal, wenn andere Staaten Beweise für den illegalen Fischfang auf den Tisch legen können.

Die 86 Meter lange Kerguelen steht im Verdacht, in den vergangenen Monaten immer wieder unter verschiedenen Billigflaggen gefahren zu sein. Das Schiff hat einen französischen Besitzer und fährt gegenwärtig unter der Flagge von Togo. Neben der EU führt auch die North-East Atlantic Fisheries Commission, NEAFC, - zuständig für die internationalen Gewässer der Barentssee - den Trawler auf einer Liste für nachgewiesene Piratenfischer.

Die internationale Gemeinschaft muss die hohe See schützen

Greenpeace fordert ein sofortiges UN-Moratorium für die zerstörerische Grundschleppnetzfischerei. Nur so kann die Tiefsee vor der Zerstörung gerettet werden. Außerdem müssen dringend auf internationaler Ebene rechtlich bindende Abkommen getroffen werden, mit deren Hilfe die IUU-Schiffe gestoppt werden können.

Wesentlich sind dabei Kontrollen in den Häfen, wo der Fang angelandet werden soll. Dadurch wären die lokalen Behörden in der Lage, Schiffe und Ware festzuhalten, wenn es sich um bewiesene Piratenfischerei handelt. Die tatsächlichen Besitzer solcher Schiffe gehörten dann ebenfalls vor Gericht.

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