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Greenpeace-Antrag auf gerechte Fischerei in Großbritannien erfolgreich

Guter Fang für britische Fischer

Die Vergabekriterien für Großbritanniens Fischfangquoten sind unrechtmäßig. Das urteilte das höchste Gericht des Landes vergangene Woche. Es folgt damit einem Greenpeace-Antrag. 

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Greenpeace hatte im Vorfeld argumentiert, die Fangquoten für die Fischerei in Großbritannien erfüllen nicht die europäischen Vorgaben. Hintergrund ist die sogenannte „Gemeinsame Europäische Fischereipolitik“ (GFP), die erst Ende 2013 reformiert wurde. Sie regelt für die nächsten zehn Jahre, wer wann wo und wie viel fischen darf.

Und gefischt wird  viel, nicht nur in den heimischen Meeren. Riesige Industrieschiffe unter europäischer Flagge plündern weltweit, auch in den Gewässern vor Entwicklungsländern. Handwerkliche Fischer hatten bisher kaum eine Chance gegen die Fabrikschiffe, die nicht nur höhere Fangquoten, sondern auch großzügige Subventionen einstrichen. Besagte Fischereireform verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten nun dazu, umwelt-, sozial- und wirtschaftliche Kriterien bei der Vergabe von Fangquoten zu berücksichtigen. Damit bestimmt die GFP nicht nur den Weg der Fischerei, sondern auch maßgeblich die Zukunft der europäischen Meere und ihrer Bewohner.

„Höhere Quoten für die Handwerksfischer“

Das Problem in Großbritannien: Trotz besagter Fischereireform soll die handwerkliche, umweltschonendere Fischerei nur einen Bruchteil der nationalen Fangquoten erhalten. Dafür profitieren die britische Industriefischerei und ausländische Investoren von fast der gesamten Quote. Das Urteil aus der vergangenen Woche könnte das ändern: Die britischen Vergabekriterien müssen nun vollständig überprüft werden.

Thilo Maack, Meeresbiologe und Greenpeace-Experte für Ozeane, pocht darauf, dass die EU-Reform konsequent umgesetzt wird: „Die europäische Fischerei ist eine der größten der Welt. Jahrelang wurde mehr gefischt, als nachhaltig gewesen wäre. Das Ergebnis: Fast 90 Prozent der Speisefischbestände in den EU-Gewässern sind überfischt oder kurz davor.“ Maack fordert:  „Wenn die EU-Mitgliedsländer die GFP ernst nehmen, müssen höhere Quoten an die Handwerksfischer gehen. Diese Fischer wirtschaften ökologisch nachhaltiger, verursachen weniger CO2 und schaffen viel mehr regionale Arbeitsplätze als die Industriefischerei."

Keine konsequente Umsetzung der Europäischen Fischereipolitik in Deutschland

Das Urteil in dem von Greenpeace erwirkten Rechtsstreit hat weitreichende Konsequenzen für die Quotenverteilung in anderen EU-Ländern; auch in Deutschland fehlt eine konsequente Umsetzung der GFP. Auf dem Papier sollten die am nachhaltigsten wirtschaftenden Fischer am meisten begünstigt werden. Doch aktuell bekommt die handwerkliche Fischerei in Deutschland nur einen kleinen Teil der Fangquote. „Bis heute fließen keine ökologischen Kriterien in die deutsche Vergabepraxis ein“, so Maack. „Dies wird sich nach dem britischen Gerichtsurteil hoffentlich ändern.“

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