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Grösster britischer Fischereiverband unterwandert

Ein kleiner Kreis ausländischer Fischereibarone und einschlägiger Firmen bestimmt den Kurs von Englands mächtigster Fischereilobby. Unter ihnen sind auch Unternehmen, die längst für ihre illegalen und zerstörerischen Fischereimethoden bekannt sind. Kurz vor der entscheidenden Wahl zur Reform der europäischen Fischereipolitik deckt ein neuer Greenpeace-Report die Verflechtungen auf.

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In Großbritannien hat die Nationale Vereinigung der Fischereiorganisationen NFFO (englisch: National Federation of Fishermen`s Organisations) erheblichen Einfluss - sie zählt zu den Topberatern der Regierung. Laut NFFO-Webseite finden regelmäßig Treffen mit Englands Fischereiminister Richard Benyon statt, insbesondere im Umfeld wichtiger EU-Entscheidungen.

Greenpeace-Recherchen belegen, dass über die Hälfte (57 Prozent) der vom Verband vertretenen Fangkapazität von spanischen, belgischen und isländischen Interessen gelenkt wird. Die Verbindungen sind komplex, ein Geflecht von Unterfirmen erschwert den Überblick. Der Gewinn dieser ausländisch kontrollierten Trawler landet meist nicht bei den britischen Fischern sondern im Ausland.

Die Strippenzieher sind längst keine unbeschriebenen Blätter. Unter anderem laufen die Fäden aus Großbritannien beim umstrittenen Familienunternehmen Vidal zusammen. Diese spanische Firma wurde erst im vergangenen Jahr wegen illegaler Fischerei in England überführt. Auch die niederländische Firma Parlevliet & Van Der Plas hat ihre Finger im Spiel. Diese besitzt eine Flotte von Fabrikschiffen mit über 100 Meter Länge, darunter der weltgrößte Trawler Abel Tasman, den die australische Regierung erst kürzlich wegen Verdacht auf Überfischung aus ihren Gewässern verbannt hat und der Supertrawler "Jan Maria", der in der Vergangenheit Ziel von Greenpeace-Protesten war.

Keine Chance für kleine, nachhaltige Fischer

Sich selbst bezeichnet der Lobbyverband als "repräsentative Vertretung der Fischer in England, Wales und Nordirland". Die NFFO vermittelt damit jedoch ein falsches Bild ihrer Größe - und ihres Einflusses. Greenpeace hat recherchiert, dass elf von den zwanzig im Internet auf der Mitgliederliste genannten Organisationen längst nicht mehr dem Netzwerk angehören.

Mit gezielter Lobbyarbeit schwächt der Verband die ohnehin schon geringe Macht kleinerer, nachhaltiger Fischereibetriebe. 2012 tauchte ein Brief der NFFO an die EU-Kommission auf, in dem die Verbandsspitze sich gegen einen Vorschlag aussprach, kleineren Fischereiverbänden eine stärkere Stimme bei der Entwicklung der EU-Fischereipolitik zu geben.

"Der britische Fischereiminister hat sich von seinen Topberatern an der Nase herumführen lassen. Er ist einer Lobbygruppe aufgesessen, die nur für einen Teil der britischen Flotte arbeitet, und die hauptsächlich von mächtigen Fischereibaronen aus dem Ausland gelenkt wird", sagt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace. "So fließen Fischereiquoten und Fördermittel an die Großen, die kleinen Handwerksfischereibetriebe schauen in die Röhre." Greenpeace fordert den britischen Fischereiminister auf, sich für nachhaltige Fischerei einzusetzen, um die Überfischung der Meere zu stoppen.

Publikationen

Ocean Inquirer 5: The Wolf in Shrimp's Clothing (engl.)

In Großbritannien hat die Nationale Vereinigung der Fischereiorganisationen NFFO erheblichen Einfluss - sie zählt zu den Topberatern der Regierung. Laut NFFO-Webseite finden regelmäßig Treffen mit Englands Fischereiminister statt, insbesondere im Umfeld wichtiger EU-Entscheidungen.

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