Fremdfischen vor Afrika

Wenn die heimischen Gewässer nicht mehr genug Beute hergeben, müssen Fischer entweder das Handtuch werfen – oder in der Fremde fischen. Viele Fangflotten der EU haben den ausgebeuteten heimischen Gewässern den Rücken gekehrt und fischen jetzt zum Beispiel vor der Küste Westafrikas. Damit wandert das Problem der Überfischung allmählich von Nord nach Süd – mit dem Unterschied, dass die Menschen Westafrikas Fisch als Grundnahrung benötigen.
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Westafrika – reich an Fisch

An der Westküste Nordafrikas (Marokko, Mauretanien, Senegal) und Südafrikas (Namibia, Südafrika) befinden sich einige der bedeutendsten sogenannten Auftriebsgebiete (engl. upwelling areas). Der Auftrieb an diesen Meeresküsten wird überwiegend durch den Wind verursacht. Das Oberflächenwasser wird weggeschoben und das nährstoffreiche Tiefenwasser steigt hoch.

Die upwelling areas sind durch das Aufsteigen von Wasser aus tiefer liegenden Schichten in oberflächennahe, lichtdurchflutete Bereiche der Wassersäule geprägt. Da das Wasser aus den tieferen Zonen meist kälter und nährstoffreicher ist als das in der Oberflächenschicht, führt der Auftrieb oft zu einer Abkühlung und Nährstoffanreicherung des Oberflächenwassers. Bei den Nährstoffen handelt es sich um Salze wie Nitrate und Phosphate. Sie entstehen, wenn sich organisches Material zersetzt, das ehemals aus den Oberflächenschichten abgesunken ist. Die Nährstoffe bewirken, dass sich winzige Algen im Wasser, das sogenannte Phytoplankton, stark vermehren. Es bildet die Nahrungsgrundlage für das gesamte Nahrungsnetz: Zooplankton (kleine Krebse), Fische, Schildkröten, Haie, Wale etc.

So erklärt sich der Artenreichtum, aber auch die oft sehr hohe Anzahl von Tieren in den Auftriebsgebieten. Und deshalb finden wir vor der Küste Westafrikas Meeresschildkröten, Seekühe, Rochen, Walhaie, Schwärme von Makrelen, Heringen oder Sardinen und vieles mehr.

Afrika „ernährt“ Europa

Das Fischen außerhalb Europas ist für die EU-Flotten legal, soweit Fischereiabkommen bestehen. Derzeit bestehen 16 Abkommen zwischen der EU und außereuropäischen Staaten, sieben davon mit westafrikanischen Staaten. Diese sind weder ökologisch nachhaltig noch fair. Die großen Trawler plündern die Fischgründe oft mit zerstörerischen Methoden. Und beim Verkauf einer Fischereilizenz erhalten die afrikanischen Staaten keinen angemessenen Gegenwert für ihren Fisch. Meist wird der Fang nicht mal in Afrika weiterverarbeitet, was immerhin ein paar Arbeitsplätze schaffen und dem Land durch den Export der Ware einen höheren Gewinn bescheren würde. Auch in den Abkommen vereinbarte „Entwicklungsmaßnahmen“ wie die Instandsetzung von Häfen in den kleinen Fischerdörfern werden offenbar nicht umgesetzt. Die afrikanische Küstenbevölkerung hat also fast nichts vom Ausverkauf ihrer Speisekammer.

Ein Problem sind auch direkte Abkommen zwischen privaten afrikanischen und europäischen Fischereiunternehmen. Dadurch fahren zum Beispiel spanische Trawler unter afrikanischer Flagge. So sind offiziell weniger EU-Trawler unterwegs und verfälschen die Statistiken. 2010 hat Greenpeace ein Büro im Senegal eröffnet. Zentrale Arbeitsziele sind der Meeresschutz und eine nachhaltige, sozial gerechte Fischerei für Westafrika, da die Nahrungssicherheit der Bevölkerung auf dem Spiel steht.

Ähnliche Missstände gibt es in anderen Teilen der Welt, so im Pazifik: Hier fangen Supertrawler aus Korea und Taiwan den Einwohnern der pazifischen Inselstaaten die Nahrung weg, zum Beispiel Thunfisch.

Erfolg nach Greenpeace-Dokumentation: Senegal zieht erste Konsequenzen

Im Februar 2012 lief das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise im Hafen von Dakar ein, begeistert empfangen von rund 50 Fischern in ihren traditionellen Fischerbooten. Damit begann eine wochenlange Erkundungsfahrt in den senegalesischen Gewässern, die seit Jahrzehnten von Flotten aus Russland, Asien und Europa heimgesucht werden. Schon auf dem Weg nach Dakar begegnete die Greenpeace-Crew dem ersten Fremdfischer: der "Vasili Lozovski", ein mehr als 100 Meter langes industrielles Fangschiff aus Russland.

Drei Monate später, im April 2012, zog der senegalesische Fischereiminister erste Konsequenzen aus der Greenpeace-Dokumentation, er zog etliche bereits erteilte Lizenzen zurück. Im August dann eine großartige Erfolgsmeldung: Nach dem Platzverweis für die fremden Supertrawler hatten die einheimischen Fischer wieder deutlich mehr Fisch in ihren Netzen.

Nachhaltiges Fischereimanagement gefragt

Die Lizenzen zu entziehen, war ein wichtiger erster Schritt. Jetzt muss der zweite folgen: Die afrikanischen Staaten müssen für eine ökologisch nachhaltige Fischerei in ihren Gewässern sorgen, von der die eigenen Fischer und die Bevölkerung profitieren.

Ebenso muss aber die EU ihre eigenen Fischbestände in Ordnung bringen, bevor ihre Flotten in fremden Meeren plündern. Und wenn, müssen die entsprechenden Fischereiabkommen nachhaltig und fair sein.

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