Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Fangquoten 2013: Schrittchen statt Sprünge

UPDATE vom 20.12.2012: Die europäischen Fischereiminister haben die Fischfangquoten für das kommende Jahr beschlossen. Dabei setzten sie die Fangmengen in vielen Fällen wieder zu hoch an. So wird auch 2013 mehr Fisch gefangen als nachwachsen kann.

  • /

Ähnlich wie das EU-Parlament am Dienstag erkennt zwar auch der Ministerrat die Notwendigkeit für eine Kursänderung in der europäischen Fischereipolitik an. Während allerdings das Parlament große Schritte macht, trippelt der Rat vor sich hin. Denn er ist zu zaghaft und wieder wurden höhere Fangquoten beschlossen, als es die Wissenschaft empfiehlt.

So wurde zum Beispiel für die Bestände, für die zu wenig Daten zur Verfügung stehen, der Kommissionsvorschlag drastisch aufgeweicht. Während die Kommission die Quote gegenüber dem Vorjahr aus Vorsorgegründen um 20 Prozent senken wollte, konnte sich der Ministerrat lediglich auf eine Quotenreduktion von 5 Prozent verständigen.

Anders als Nachrichtenagenturen und das Bundeslandwirtschaftministerium berichten, wurden die Quoten für Nordseehering, -schollen und -seelachs nicht um 15 Prozent angehoben. Hierbei handelt es sich lediglich um eine theoretische Möglichkeit. Beschlossen hat der Ministerrat diese Quotenanhebung aber nicht.

EU-Rat entscheidet über Fischfangquoten

(18.12.2012) Greenpeace Aktivisten demonstrieren zusammen mit Kleinfischern vor dem europäischen Rat für eine nachhaltige Küstenfischerei. Die EU verhandelt am 17. und 18. Dezember in Brüssel über die Fischfangquoten für das Jahr 2013. Der Fischbestand muss geschont werden, bisher sind die Quoten eindeutig zu hoch.

"Die Quoten dürfen nicht höher sein als es die Wissenschaft empfiehlt", sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. "Ministerin Ilse Aigner muss sich jetzt für eine Senkung und Umverteilung der Quoten einsetzen."

Die Umweltschützer halten gemeinsam mit den Kleinfischern aus Frankreich, Spanien, Deutschland, Griechenland, den Niederlangen und Großbritannien Handbanner. Zu lesen ist: Quoten: den Großen nehmen, den Kleinen geben. Der Großteil der Fangquoten geht bislang an Industriefangflotten mit zerstörerischen Fangmethoden. Wissenschaftler kritisieren die Quoten der EU seit Jahren als deutlich zu hoch.

Lokale Fischerei muss unterstützt werden

"Wir müssen jetzt gemeinsam Handeln, damit wir nicht die letzte Generation Fischer in Deutschland sind. Die Zukunft liegt nicht in der industriellen Überfischung und der Zerstörung der Meere, sondern in der nachhaltigen Küstenfischerei", sagt Wolfgang Albrecht, Fischer aus dem schleswig-holsteinischen Großenbrode.

Die EU-Minister wollen bis Mittwoch die nationalen Fangquoten für die Nordseefischer und weitere Regionen des Atlantiks festlegen. Dabei wird entschieden, ob weiter mehr Fisch gefangen wird als nachwachsen kann. Die lokale Fischerei könnte so gestärkt werden.

Die vom Fischereirat beschlossenen Quoten werden von den Regierungen national verteilt. Die Kleinfischerei steht zwar für fast 80 Prozent des europäischen Fangsektors, bekommt aber nur einen Bruchteil der Fangquoten.

In der anstehenden Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik fordert Greenpeace gemeinsam mit den handwerklichen EU-Fischern eine Neuregelung der Quotenvergabe nach Nachhaltigkeit.

UPDATE vom 19.12.2012: Die EU-Verhandlungen in Brüssel über die Fischfangquoten für das Jahr 2013 haben ein positives Ende gefunden. Die Mitglieder des Fischereiausschusses des EU-Parlaments entschieden sich für eine drastische Reform der Fischereipolitik. Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace, war in Brüssel vor Ort und berichtet über die Ergebnisse im Blog.

Zum Weiterlesen:

EU-Fischereiflotte muss verkleinert werden
EU-Komission: Europäische Fischereiflotte ist zu groß
Bojen am Netz unterbrechen Trawler-Beutezug

Publikationen

Kurzinfo: Überfischung

Lange Zeit galten die Fischbestände in den unendlichen Weiten der Meere als unerschöpfliche Reichtümer. Doch seit industrielle, hochmodern ausgestattete Fangflotten die Ozeane plündern, schrumpfen die Bestände dramatisch.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?

Ins Gewissen geredet

Sie müssen nicht, aber sie wollen: Internationale Krillfangunternehmen lassen künftig empfindliche Gebiete der Antarktis in Ruhe. Ein wichtiger Schritt Richtung Schutzgebiet.

Wo geht’s zum Weddellmeer?

Am Südpol soll das größte Meeresschutzgebiet der Welt entstehen. Greenpeace-Aktivisten zeigen heute in ganz Deutschland den Weg in die Antarktis – und warum sie Schutz benötigt.