EU-Agrarpolitik muss ökologischen Landbau gezielter fördern

Weggefuttert

Ein Greenpeace-Report zeigt Folgen der falschen Vergabe von Agrargeldern in der EU: Auf mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen wächst Futtermittel für Tierhaltung.

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Mais, Mais und nochmal Mais. Die Fahrt ins sommerliche Grüne kann streckenweise ganz schön eintönig sein. Das, was einem hier den Spaß verdirbt, hat seinen Ursprung in Brüssel. Denn die EU hat jahrzehntelang die höchsten Subventionsgelder an jene Landwirte vergeben, die das meiste Land besitzen. Was darauf wächst spielt keine Rolle. Der mit viel Aufwand naturnah wirtschaftende Bauer erhält ähnlich viel wie jener, der in pestizidverseuchten Monokulturen Mais fürs Vieh anbaut

Zu was das führt, zeigt Greenpeace in dem heute veröffentlichten Report „Feeding the Problem“: Auf mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU wächst Tierfutter. Die Betriebe, die diese insgesamt 125 Millionen Hektar bewirtschaften, erhalten rund 30 Milliarden Euro von der EU. Jeder fünfte Euro des gesamten EU-Budgets fließt also in die Produktion von Futter für Rinder, Geflügel und Schweine.

EU-Politik ruiniert bäuerliche Landwirtschaft

Dabei haben Massentierhaltung und der damit verbundene massive Anbau von Tierfutter schwerwiegende Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Bei der Vergabe der EU-Gelder spielen diese Aspekte bislang allerdings kaum eine Rolle. Entscheidend ist die Fläche, die ein Landwirt bewirtschaftet. Je mehr Hektar, desto mehr Geld bekommt ein Betrieb.

Eine Förderung, die auf Masse statt Klasse setzt, lässt auch zunehmend kleinere Höfe verschwinden. Zwischen 2005 und 2013 haben 3,7 Millionen der 14,4 Millionen Landwirte in der EU den Betrieb aufgegeben. Den Raum nehmen sich die Großen mit mehr als 500.000 Euro Jahresumsatz. In Deutschland etwa hat sich deren Anteil in der Schweinehaltung zwischen 2004 und 2016 fast verdoppelt und liegt jetzt bei 52 Prozent.

Konsum tierischer Produkte um 50 Prozent gestiegen

So kann Fleisch billig auf den Markt kommen. Das schlägt sich auch im Fleischkonsum nieder. Insgesamt lag in Europa der Pro-Kopf-Verbrauch tierischer Produkte inklusive Milch im Jahr 2011 um 50 Prozent höher als in den Sechzigerjahren; seit 2011 ist der Konsum sogar noch weiter gestiegen. Und mit ihm auch der Ausstoß von Treibhausgasen.

Aktuelle Studien zeigen, dass in der EU die klimaschädlichen Emissionen aus der Landwirtschaft bis zu 40 Prozent sinken könnten, wenn die Bürger nur noch halb so viel Fleisch, Milchprodukte und Eier äßen.

Wirtschaften für künftige Generationen

Das käme nicht nur dem Klima zugute. Wenn weniger Tiere gehalten würden, gäbe es mehr Platz in den Ställen; die Äcker wären nicht mit Gülle überdüngt, die Luft- und Wasserqualität wäre besser. Der Anbau von Tierfutter könnte zurückgeschraubt und die Fläche stattdessen im Sinne der Artenvielfalt sich selbst überlassen oder für den Anbau von Lebensmitteln genutzt werden. 

Die Chance, die bisherige Fehlsteuerung zu beenden, besteht jetzt. Die EU diskutiert derzeit die Reform der Agrarpolitik. „Die deutschen EU-Parlamentarier müssen sich in der EU dafür einsetzen, dass umwelt- und klimaschonende Anbaumethoden wie der Ökolandbau wirksam gefördert werden“, fordert Lasse van Aken, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. Schließlich gehe es um den Erhalt der Ressourcen für künftige Generationen.

Publikationen

Feeding the Problem

Greenpeace-Report zur Wirkung der Agrarpolitik in der Europäischen Union

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