Umfrage: Breite Mehrheit würde für pestizidfreie Landwirtschaft mehr zahlen

Genug vom Gift

Verbraucher haben den Hals voll: Sie wollen keine Risiko-Lebensmittel, fordern ein Verbot von Glyphosat und würden dafür auch mehr zahlen. So das Ergebnis einer Umfrage.

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Fünf Cent könnte ein Kilogramm Äpfel mehr kosten, wenn Obstbauern das Pestizid Glyphosat weglassen würden. Das macht ungefähr einen Cent mehr für einen mittelgroßen Apfel. Verbraucher wären bereit, diesen zu zahlen, wenn sie dafür das umstrittene Pflanzengift los wären. Das ergab eine von Greenpeace beauftragte Forsa-Umfrage.

96 Prozent erklärten, mehr Geld für Glyphosat frei produzierte Lebensmittel auszugeben, 83 Prozent sprachen sich gegen eine weitere Zulassung des Pestizids aus. Ein klarer Auftrag für die Bundesregierung, morgen in der EU gegen die weitere Zulassung von Glyphosat zu stimmen. Denn dort entscheidet der EU-Berufungsausschuss – nachdem sich die EU monatelang nicht einigen konnte – womöglich abschließend, ob das Mittel weiter auf dem Markt bleiben darf.

Umweltschutz statt billige Lebensmittel

„Die Zweifel an der Sicherheit des meistverwendeten Pflanzengifts dürfen nicht länger ignoriert werden“, sagt Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Expertin für Landwirtschaft bei Greenpeace. „Die Bundesregierung muss das Vorsorgeprinzip ernst nehmen und gegen eine weitere Zulassung von Glyphosat stimmen.“ Dabei geht es den Bundesbürgern auch um die umweltschädigende und nicht nur um die möglicherweise krebserregende Wirkung des Mittels. 75 Prozent der für ein Verbot votierenden Befragten gaben an, dass Glyphosat zum Beispiel auch aus Gründen des Umweltschutzes verboten gehört - selbst wenn sich der Krebsverdacht nicht erhärten würde. Denn darüber streitet gerade die Wissenschaft.

So steht bei den 1000 von Forsa Befragten also nicht nur der Gesundheitsaspekt bei der Produktion unserer Lebensmittel im Fokus. Nahezu alle finden, dass die Landwirtschaft Ressourcen wie Wasser und Böden für künftige Generationen schützen (96 Prozent), sowie Verantwortung für den Erhalt der biologischen Vielfalt übernehmen sollte (93 Prozent). Drei Viertel (74 Prozent) sind der Meinung, dass in der Landwirtschaft keinerlei Pestizide eingesetzt werden sollten. Nur eine Minderheit der Befragten sieht es als Aufgabe der Landwirtschaft, möglichst billige Lebensmittel zu produzieren (38 Prozent).

„In einer modernen, nachhaltigen Landwirtschaft hat Glyphosat keinen Platz“, sagt Huxdorff. „Pestizide gefährden unsere Gesundheit und die Grundlagen unserer Lebensmittelproduktion. Das politische Tauziehen um eine weitere Zulassung des Totalherbizids muss ein Ende haben.“

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