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Greenpeace fordert G8 zu Taten statt Worten auf

Klimakiller abschalten!

Aus Protest gegen die geplante Erweiterung des Braunkohlekraftwerks Neurath bei Köln hat Greenpeace in der Nacht zum Mittwoch vor Ort eine Mahnwache errichtet. Aktueller Anlass ist der G8-Gipfel im schottischen Gleneagles vom 6. bis 8. Juli. Die Staatschefs der acht großen Industrienationen wollen auf dem Treffen unter anderem über die Folgen des Klimawandels beraten. Doch während die Bundesregierung in Schottland so tut, als wolle sie das Klima retten, lässt sie zu, dass zu Hause der größte Klimakiller Europas entsteht.

Das Braunkohlekraftwerk der RWE in Neurath stößt schon heute riesige Mengen an Kohlendioxid aus. Mit den zwei neuen Blöcken zusammen würde an diesem einen Ort so viel Treibhausgas produziert werden, wie in ganz Neuseeland zusammen. Wie kann sich Schröder da noch hinstellen und den Klimaretter spielen?, fragt Jonas Mey, Energieexperte bei Greenpeace.

Die Verbrennung von Braunkohle ist nach Ansicht von Greenpeace eine der schlimmsten Gefahren für das Weltklima. 22 Prozent der gesamten deutschen Kohlendioxidemissionen im Jahr 2003 gingen auf das Konto der Braunkohleverbrennung: 184,1 Millionen Tonnen. Greenpeace fordert den Energiekonzern RWE deshalb auf, die Planungen für Neurath zu überdenken.

Derzeit verbrennen die fünf Kraftwerksblöcke in Neurath unter Volllast täglich 53.700 Tonnen Braunkohle. Dabei entstehen 50.000 Tonnen Kohlendioxid. Mit den zwei neuen Blöcken zusammen würde Neurath die deutsche Klimabilanz derart verschlechtern, dass teure Emissionszertifikate im Ausland eingekauft werden müssten. Deutschland wäre außerstande, seine langfristigen Klimaschutzverpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll noch aus eigener Kraft zu erreichen.

Einmal gebaut, belasten Braunkohlekraftwerke bis zu 40 Jahre lang das Klima. Auch neuere Technik kann solche Klimakiller nicht entschärfen. Schon im Moment seiner Inbetriebnahme würde das Kraftwerk Neurath nicht mehr den aktuellen Effizienz-Standards entsprechen. Denn trotz neuester Technik würde das Braunkohlekraftwerk mehr als doppelt so viel Kohlendioxid ausstoßen wie moderne Gas- und Dampfkraftwerke der gleichen Größe.

Ob in Neurath oder Gleneagles - wer den Klimaschutz missachtet, spielt mit Menschenleben. In den Entwicklungsländern nehmen Unterernährung und Krankheiten zu: Überschwemmungen und Dürreperioden führen zu Ernteausfällen, übermäßiger Vermehrung der Malariamücke und Durchfallerkrankungen. Besonders gefährdet sind Kinder. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Londoner Tropeninstituts, veröffentlicht 2003, geht von derzeit rund 160.000 Todesopfern im Jahr aus. Die Wissenschaftler sagen eine Verdoppelung dieser Zahl bis 2020 voraus.

Deutschland als eines der fortschrittlichsten Länder der Welt muss auch bei den G8-Beratungen in Schottland mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn nicht einmal wir Klimaschutz im eigenen Land schaffen, wer dann?, so Jonas Mey. Wie will sich Deutschland dann noch hinstellen und von Ländern wie China oder Indien Klimaschutz fordern?

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