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Clusterballon-Pilot fliegt über Vattenfall-Kraftwerk in Jänschwalde

600 Ballons gegen Klimazerstörung

Ein beeindruckendes Bild: Es ist früh am Morgen. Vor einem wolkenlosen Himmel steigt der Clusterballon-Pilot Mike Howard mit seinen 600 gebündelten schwarzen und weißen Ballons auf, um gemeinsam mit Greenpeace gegen Klimazerstörung zu protestieren. Ziel: Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde des Energiekonzerns Vattenfall, die zweitschlimmste CO2-Schleuder Deutschlands. Die schwarzen Ballons mit dem Aufdruck CO2 stehen für die nicht sichtbaren Abgase des Kraftwerkes.

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Der Brite Mike Howard (41) ist einer von nur drei Piloten weltweit, die mit sogenannten Clusterballons fahren. Ich unterstütze die Greenpeace-Kampagne für den Klimaschutz, sagt er. Der massive Ausstoß von Treibhausgasen muss endlich beendet werden. Ich möchte meiner vierjährigen Tochter einen intakten Planeten hinterlassen.

Die einzigen Wolken, die an diesem strahlenden Samstagmorgen zu sehen sind, quellen aus den Schloten des Kraftwerks – eine Mischung aus Wasserdampf und dem unsichtbaren Kohlendioxid. Der gefährlichste Müll ist der, den wir nicht sehen, sagt Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne in Jänschwalde. Mit knapp 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid belastet dieses Kraftwerk jedes Jahr die Atmosphäre. Wer heute den Bau neuer Braunkohlekraftwerke zulässt, hat nicht begriffen, dass Klimaschutz keinen Aufschub mehr duldet.

Jänschwalde zählt zu den fünf klimaschädlichsten Braunkohlekraftwerken Europas. Das Kraftwerk ist die uneffizienteste Anlage von Vattenfall. Trotz einer Modernisierung kommt es nicht über einen Wirkungsgrad von 35,5 Prozent hinaus. Trotzdem wurde der Energiekonzern für die Modernisierung von der Bundesregierung belohnt - mit einer großzügigen Zuteilung von Verschmutzungsrechten im Rahmen des Emissionshandels. Mit seinem CO2-Ausstoß trägt Jänschwalde zu knapp 40 Prozent der gesamten Klimagas-Emissionen Brandenburgs bei. Jänschwalde zeigt beispielhaft, wo uns eine kohlefokussierte Energiepolitik hinführt - direkt in eine Sackgasse, so von Goerne.

Greenpeace fordert von der Bundesregierung, keine Neubauten von Braunkohlekraftwerken zu genehmigen. Stattdessen müssen Erneuerbare Energien und die Kraft-Wärme-Koppelung ausgebaut werden. Mit unserer Studie Globale Energierevolution - Ein Weg zur nachhaltigen Energiezukunft für die Welt haben wir aufgezeigt, wie sich durch intelligenten Energie-Einsatz die Hälfte der globalen CO2-Emissionen bis zum Jahre 2050 einsparen lassen.

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