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Public Transport 9 Euro Ticket Starts in Berlin

Anschluss nicht verpassen

Für das vermutlich größte Experiment im deutschen Verkehr seit Erfindung der Postkutsche läuft die Sache mit dem 9-Euro-Ticket ziemlich gut. Deutlich mehr Menschen fahren mit der Bahn und gleichzeitig sind weniger Autos auf den Straßen, zeigt die Auswertung des ersten Monats. Verkehrsminister Volker Wissing nennt das Ticket einen „fulminanten Erfolg“, und selbst in einem Land, in dem das Meckern über die Bahn populärer ist als der Wetter-Plausch zeigen sich die allermeisten Nutzer:innen zufrieden mit dem Angebot. Längst wird nicht mehr darüber gesprochen, ob es eine Nachfolge gibt, sondern eigentlich nur noch darüber, wie sie aussehen soll.  

Auch ohne die laufenden Auswertungen des 9-Euro-Experiments abzuwarten, sind drei Dinge offensichtlich:

  • Um mehr Menschen für den ÖPNV zu begeistern, ist der Preis ein entscheidender Faktor.
  • Wird der dichte Wald regionaler Tarifzonen und kommunaler Ticketvarianten gelichtet, steigen mehr Menschen in Bus und Bahn.
  • Damit mehr Menschen in den Genuss eines einfachen und günstigen Klimatickets kommen, muss das Angebot weiter ausgebaut werden.

Weniger offensichtlich aber gleichfalls entscheidend für die Zukunft des Klimatickets ist aus Sicht von Greenpeace: In welcher Form kann ein ÖPNV-Ticket Haushalte entlasten, die derzeit unter hohen Teurungsraten ächzen? Welchen Beitrag zum Klimaschutz kann ein solches Ticket liefern? Und nicht zuletzt: Wie könnte es in einem angespannten Bundeshaushalt finanziert werden? Die Beantwortung versucht eine gerade vorgestellte Greenpeace-Kalkulation.

Das Ergebnis: Ein Klimaticket für maximal einen Euro pro Tag kann Haushalte um mehrere Hundert Euro pro Monat entlasten. Gleichzeitig ließen sich damit bis zu 6 Millionen Tonnen CO2 im Jahr einsparen. „Ein dauerhaftes Klimaticket bietet Antworten auf gleich zwei drängende Probleme: Es entlastet die von der Energiekrise getroffenen Haushalte spürbar und es bringt den Klimaschutz im Verkehr endlich voran“, sagt Greenpeace-Verkehrsexpertin Marissa Reiserer.

Greenpeace hat die Gesamtkosten sieben unterschiedlicher Arten von Mobilität verglichen. Werden alle Wege mit einem Klimaticket zurückgelegt, ist dies für alle vier untersuchten Haushaltstypen die günstigste Form, mobil zu sein. Pro Monat können Haushalte so zwischen 224 und 474 Euro sparen. Selbst wenn jede zweite längere Strecke mit dem Fernverkehr und einer Bahncard 50 zurückgelegt wird, sparen die Haushalte jeden Monat Geld, verglichen damit, alle Wege mit dem eigenen Auto zurückzulegen.

Haushalte mit einem Klimaticket zu entlasten, kann zudem die seit Jahrzehnten stagnierenden Verkehrsemissionen mindern. Die Verkehrsverlagerung durch ein solches Ticket würde den CO2-Ausstoß um jährlich 2 bis 6 Millionen Tonnen senken.

Nicht einmal den Bundeshaushalt müsste das CO2-sparende Entlastungspaket namens Klimaticket belasten. Die geschätzten Kosten eines 365-Euro-Tickets von etwa 4 Milliarden Euro pro Jahr entsprechen einem Bruchteil der von der Bundesregierung gewährten klimaschädlichen Subventionen. Allein die Steuervorteile für Dienstwagen zu streichen, - einem Privileg, von dem ganz überwiegend besser gestellte Haushalte profitieren - würde die Kosten eines solchen Tickets wettmachen. Zusätzlich die Entfernungspauschale zu reformieren, könnte den Staatshaushalt insgesamt um gut 10 Milliarden Euro entlasten – etwa so viel, wie ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket kosten würde. „Das Geld für ein Klimaticket ist da, aber die Bundesregierung gibt es bislang für klimaschädliche Subventionen aus“, so Reiserer. „Das Dienstwagenprivileg gehört abgeschafft, die Entfernungspauschale reformiert – dann ist ein nachhaltiges und sozial gerechtes Klimaticket schnell finanziert.“

Damit die derzeitige ÖPNV-Dynamik nicht mit dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets Ende August ausläuft, braucht es einen lückenlosen Anschluss. Angesichts vermutlich dauerhaft hoher Energiekosten denken genau jetzt viele Menschen darüber nach, das eigene Auto abzuschaffen und ihre Mobilität auf Dauer günstiger und klimafreundlicher zu gestalten. Verkehrsminister Wissing sollte diese Menschen nicht verunsichern und sich für eine lückenlose Fortführung des 9-Euro-Tickets bis Ende des Jahres einsetzen. Ab 2023 sollte dann ein Klimaticket für maximal 1 Euro pro Tag greifen.

220718_Klimaticket_Kostenvergleich.pdf

220718_Klimaticket_Kostenvergleich.pdf

Ein dauerhaft günstiges ÖPNV-Angebot im Anschluss an das 9-Euro-Ticket entlastet Haushalte und spart CO2

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