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Zwenkauer See
Elisabeth Urbitsch / Greenpeace

Deutschland: Zweifelhafte Rekultivierung des Tagebaus

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Der Tagebau verwandelt funktionierende Ökosysteme in Halden von Sand, Abraum und Felsbrocken. Teure Projekte sollen aus den verwüsteten Landschaften dann wieder produktives Land machen. Mit Naturschutz haben allerdings die wenigsten dieser Rekultivierungsprojekte etwas am Hut. Eher geht es um kommerzielle Interessen.

Ein Beispiel dafür bietet der Zwenkauer See südlich von Leipzig. Bis 1999 wurde dort Braunkohle abgebaut, heute schippert ein Ausflugsschiff über den gefluteten Krater. Das Wasser des Sees sieht aus wie klarer, schwarzer Tee. Sein ph-Wert aber liegt bei 2,6 - derselbe wie bei Essig. Die Folge dieses sauren Grubenwassers: Pflanzen und Tiere können nicht überleben, das Trinkwasser ist bedroht und Abwasserrohre können aufgrund der Säure korridieren.

Allein im Osten Deutschlands gibt es 172 rekultivierte Tagebauseen. Die meisten leiden unter saurem Grubenwasser. Um diese Säure zu verdünnen, greift man auf die aktive Flutung zurück. Aus umliegenden Gewässern wie Flüssen werden große Mengen Wasser abgepumpt - mit der Folge, dass die angrenzenden Bereiche austrocknen. Der Grundwasserspiegel fällt.

Das Lausitzer Seenland beispielsweise wurde unter anderem mit dem Wasser der Spree geflutet. Deren Pegel sank dramatisch. 2003 kam so wenig Spreewasser in Berlin an, dass das austretende Abwasser der Hauptstadt den Fluss rückwärts fließen ließ. Als daraufhin die Pumpen abgestellt wurden, stieg der Grundwasserspiegel enorm an. Das Ergebnis dieser Aktion waren Missernten, vollgelaufene Keller und Risse an Gebäuden.

Trotz aller Probleme geht der Abbau von Braunkohle, der schmutzigsten Kohle überhaupt, weiter und wird in Deutschland eifrig subventioniert. Für die Schäden und die teure Rekultivierung zahlen in Ostdeutschland nicht etwa die verursachenden Bergbaukonzerne, sondern ausschließlich die öffentliche Hand - ein Erbe der ehemaligen DDR. Allein in Mitteldeutschland und der Lausitz wurden seit 1990 8,3 Milliarden Euro für die Sanierung ehemaliger Tagebaue ausgegeben.

Doch auch im Westen zahlt der Bürger mit seinen Steuern für Verwüstung und Rekultivierung. Die RWE Power AG in Erftstadt erhielt fast 600.000 Euro Flächenprämien aus dem Säckel der EU: Agrarsubventionen für das Aufkaufen und Bewirtschaften von Ackerflächen. Unter Bewirtschaftung ist der Abbau von Braunkohle zu verstehen. Wird der Tagebau eingestellt, gibt es wieder Geld, diesmal für die Rekultivierung.

Das alles für den schmutzigsten Energieträger überhaupt, der bei der Stromerzeugung dann auch noch das Klima nachhaltig schädigt.

Zum Weiterlesen:

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 1) Polen: Der Raubbau am Grundwasser

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 2) China: Smog zerstört Gesundheit und Kultur

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 3) Südafrika: Verseuchte Gewässer

Die wahren Kosten der Kohle (Folge 5) Philippinen: Der großen Kohle die Stirn bieten

Studie: Die wahren Kosten der Kohle

Studie: Die wahren Kosten der Kohle

92 | DIN A4

1.75 MB

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