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Protest auf der Arctic Sunrise gegen japanischen Walfang, Juni 2006
Kate Davison / Greenpeace

Der Walfang heute im Südpolarmeer

Bereits während der IWC-Versammlung im Juni 2005 verkündete die japanische Regierung Pläne, der immer länger werdenden Liste von Großwalarten auch die vom Aussterben bedrohten Finn- und Buckelwale hinzuzufügen. Die Zahl der gefangenen Minkewale wurde verdoppelt. Die selbst verordnete Quote für die diesjährige Saison beläuft sich auf über 900 Minkewale und jeweils 50 Finn- und Buckelwale.

Seltsame Wissenschaft

Was stimmt nicht am wissenschaftlichen Walfang? Antwort auf diese Frage gab im Jahr 2005 Professor Toshio Kasuya, Tierforscher und Walexperte der Teikyo-Hochschule für Naturwissenschaften und Technologie. Seiner Analyse zufolge belaufen sich die jährlichen Kosten des japanischen Forschungsprogramms auf rund sechs Milliarden Yen, das sind über 50 Millionen US-Dollar. Fünf Milliarden Yen kommen durch den Verkauf von Walfleisch aus dem wissenschaftlichen Walfang herein. Die andere Milliarde stammt aus Subventionen der Regierung oder einfacher: der japanische Steuerzahler zahlt dafür. Ohne die Einnahmen aus dem Fleischverkauf könnte das Forschungsprogramm im Auftrag der Regierung nicht fortgesetzt werden.

Fazit: Es handelt sich um nichts anderes als eine wirtschaftliche Aktivität. Wissenschaftliche Fragestellungen sind dem Gewinn-Prinzip untergeordnet und die vermeintliche Forschung erfüllt ganz gewiss nicht den wissenschaftlichen Zweck, dem die Konvention zugestimmt hat.

Der schwindende Appetit der Japaner auf Walfleisch stellt ein zunehmendes Problem für die Industrie dar. Mit einer PR-Offensive versucht sie die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass Walfang kulturell und wirtschaftlich von großer Bedeutung für Japan sei. Darin heißt es auch, dass Wale zu viel Fisch fräßen und für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich seien - eine Behauptung, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Kasuya: Laut dem Institut für Walforschung ist die Untersuchung toter Tiere die einzige geeignete Methode, um die erforderlichen Daten zu sammeln. Dabei könnten Biopsieproben von lebenden Tieren Aufschluss über die Menge an Walspeck oder die Fortpflanzungsrate geben. Auch die Analyse der Ausscheidungen liefert Informationen darüber, was Wale fressen.

Was Umfragen sagen

Tatsache ist, dass Walfleisch in Japan ein Luxuslebensmittel ist - und das schon seit einigen Jahrzehnten. Eine Meinungsumfrage von 1999 ergab, dass nur elf Prozent der japanischen Erwachsenen für den Walfang sind, während 14 Prozent sich dagegen aussprechen. Einer Untersuchung der japanischen Statistikbehörde zufolge steigt der Konsum von Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch bereits seit Mitte der 1960er Jahre, während der Verzehr von Walfleisch im gleichen Zeitraum sank.

Walfang in Norwegen und Island

Japan ist nicht das einzige Land, das Walfang betreibt, ob wissenschaftlich oder auf andere Art. Norwegen hat die kommerzielle Waljagd 1993 wieder aufgenommen. Island begann 2003 - nach 14-jähriger Unterbrechung - wieder mit dem angeblich wissenschaftlichen Walfang. Das Land hatte seine illegale kommerzielle Jagd 1989 nach weltweiten Boykotten und wirtschaftlichem Druck aufgegeben.

2006 verkündete Island den Wiedereinstieg in den offen kommerziellen Walfang. Doch schon im Herbst 2007 vergab das isländische Fischereiministerium keine Quote mehr. Die Begründung lautete, für das anfallende Fleisch gäbe es derzeit keinen Markt. Sowohl Norwegen als auch Island suchen nach Möglichkeiten, Walfleisch nach Japan zu exportieren.

Die Wiederaufnahme des internationalen Handels mit Walprodukten hätte weitreichende Folgen. Walfänger hätten einen noch größeren Anreiz, auch illegal Wale zu jagen, weil es für sie leichter würde, Walfleisch auch ohne Papiere nach Japan zu schmuggeln. Ungeachtet des derzeit bestehenden Handelsverbots wird regelmäßig Fleisch von bedrohten und nicht bedrohten Walarten in japanischen Läden entdeckt.

Lösungen: Walschutzgebiete und Walbeobachtung

Walschutzgebiete sind Zufluchtsorte, die für Walfänger verboten sind. Hier können Walpopulationen sich fortpflanzen, ernähren und nach Jahren der Ausbeutung langsam erholen. Schutzzonen bieten entscheidende Möglichkeiten, den Erhalt der Walpopulatonen und wirkliche wissenschaftliche Forschung an lebenden Tieren zu fördern.

Schutzgebiete können auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Sie helfen bei der Entwicklung der Walbeobachtung (whale watching), der einzigen wirklich nachhaltigen Form wirtschaftlicher Aktivität, die mit Walen zu tun hat.

Der Walfang jedoch hat negative Auswirkungen auf die Walsafaris. Als Island den Walfang wieder aufnahm, gingen die Buchungen für entsprechende Touren um 90 Prozent zurück. Die isländische Vereinigung für Walbeobachtung gab der Walfangindustrie die Schuld und forderte ein Ende der Jagd.

Viele Küstenstaaten haben von der Entwicklung des whale watching profitiert. So verbucht die Dominikanische Republik einen Nettogewinn von 5,2 Millionen US-Dollar aus dem Ökotourismus. Die Einrichtung des Silver Bank-Schutzgebiets für Buckelwale hat diesem Industriezweig Auftrieb gegeben. Im australischen Albany wurde der letzte Wal 1978 gefangen. Seither hat die Stadt die frühere Walfangstation Cheynes Beach in ein bekanntes Wal-Beobachtungsgebiet umgewandelt, das über 1,3 Millionen Besucher pro Jahr anzieht.

Stand: April 2009V.i.S.d.P. Thilo Maack

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