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Porträt Jule Ronstedt
Jan Scheutzow

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Online-Redaktion: Bei der der Lesung im Ozeaneum geht es um bedrohte Arten im Meer. Warum ist das Thema Meeresschutz für Sie so wichtig?

Jule Ronstedt: Wenn man ein Umweltbewusstsein hat, dann gehört der Blick aufs Meer auf jeden Fall dazu. Von dort stammt das Leben auf unserer Erde. Der Mensch hat es geschafft, dass so viel Lebensraum zerstört und so viele Fischarten vom Aussterben bedroht sind. Das finde ich wahnsinnig erschreckend. Dabei sind die Meere so riesig. Das ist eine Wassermenge, die man mit dem Auge fast gar nicht begreifen kann.

Online-Redaktion: Welche Konsequenzen hat für Sie dieses Wissen?

Jule Ronstedt: Viele Menschen mögen Fisch, ich bin auch eine Fischesserin. Wichtig ist ja ein Bewusstsein für die Problematik zu entwickeln und bewusster einzukaufen. Greenpeace hat ja diese tollen kleinen Fischratgeber rausgegeben. Da kann ich nachschauen, wo der Fisch eigentlich herkommt, den ich da kaufe, und bei welchen Arten es vertretbar ist sie zu essen. Die Ratgeber verteile ich dann in meinem Umfeld und sage: Kuck dir das mal an oder geh mal auf die Website!

Ich finde es erstaunlich, wie wenig die Menschen überhaupt darüber nachdenken. Wenn ich meinen kleinen Fischführer verteilt habe, dann sagen sie: Echt, dass soll man nicht mehr kaufen? Da denke ich dann: Lest ihr keine Zeitung? Man kann doch nicht die ganze Zeit Sushi essen gehen und irgendwie nicht darüber nachdenken. Man merkt also sofort wie sinnvoll es ist zu dem Thema auch etwas zu sagen, und die Leute darauf hinzuweisen.

Online-Redaktion: Umweltschutz fängt also beim Einzelnen an?

Jule Ronstedt: Ich glaube, das Schwierigste überhaupt beim Umweltschutz ist, dass er generell auch von allen ein bisschen Selbstlosigkeit abverlangt - man muss zurückstecken können. Da darf man nicht immer kucken, wo es das billigste Schnäppchen am schnellsten gibt. Ich beobachte immer wieder, wie irrwitzig kurzfristig da gedacht wird. Man muss den Leuten mal klar machen, dass das in einer Sackgasse endet. Da finde ich sind die Menschen zum Großteil ziemlich blind.

Man muss auch Kompromiss machen. Es ist dann zwar mal teurer, dauert länger und ist nur halb so bunt, aber ich weiß, damit habe ich jetzt niemandem geschadet. Wenn da jeder ein wenig bei sich kuckt, und beim Mainstream nicht so mitmacht - das ist ja auch schon ein Statement. Das ist vielleicht nicht genug, aber das ist erstmal ein Weg, eine Richtung. Bei mir läuft das dann eher über Dinge die ich ablehne, wo ich nicht hingehe, was ich nicht mitmache. Wenn ich für irgendwelche Werbeveranstaltungen eingeladen werde, lehn ich das ab, da mach ich nicht mit.

Online-Redaktion: Es war also ein logischer Weg vom Fischführer verteilen zur Lesung in der Waleausstellung?

Jule Ronstedt: Ja, ich finde es toll, dass ich jetzt mal im Rahmen so einer Lesung auch auf ein bestimmtes Themengebiet aufmerksam machen kann. Whalerider ist so ein berührenden Buch, das hat so viel mit der Schönheit der Welt und der Meere zu tun und mit der Schönheit dieser Tiere. Wir brauchen nicht nur die Luft zum Atmen und das Wasser zum Trinken. Die sind sicher existenziell notwendig. Natur hat auch ganz viel mit Glückserlebnissen zu tun. Ich glaube, wenn man wirklich einen echten Wal sehen darf, ist das ein großes Glücksgefühl.

Online-Redaktion: Sind Sie Meeressäugern schon einmal in der Natur begegnet?

Jule Ronstedt: Nein, noch gar nicht.

Online-Redaktion: Wie kam es denn zur Auswahl der Bücher für die Lesung?

Jule Ronstedt: Die beiden Bücher haben ein gemeinsames Thema: Da geht es jeweils darum, einen Wal zu retten. Das Kinderbuch - Die Schnecke und der Buckelwal- ist eine sehr kleine lustige und wunderschöne Geschichte, die ich kannte, weil ich sie auch meiner Tochter vorgelesen habe. Es geht um Freundschaft und darum, die Welt und ihre Schönheit einfach mal mit anderen Augen zu sehen. Da das Buch wirklich nur eine kurze Geschichte ist, haben wir die Idee, an die Lesung noch eine kleine Malaktion für die Kinder dranzuhängen. Whalerider dagegen ist sehr dramatisch. Diese fiktive Geschichte spielt in Neuseeland. Es geht um Traditionen und eine alte Sage über den Whalerider. Ich habe das Buch jetzt schon so oft gelesen und mir kommen jedes Mal die Tränen. Am Schluss ist es so wahnsinnig berührend und dramatisch, dass einem wirklich ganz heiß und kalt wird. Das Buch ist auf jeden Fall ein Tipp und auch der Film ist sehr empfehlenswert. Aber ich verrate jetzt überhaupt nicht mehr, dass soll man sich ja bei der Lesung anhören.

Online-Redaktion: Sind Sie denn auch über das Thema Meere zur Greenpeace-Fördererin geworden?

Jule Ronstedt: Nee, überhaupt nicht. Bei Greenpeace bin ich einfach schon lange. Bei mir fing das Interesse dafür mit ungefähr vierzehn an. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, am Ammersee. Es gab damals große Spaziergänge durch den Wald mit einem Professor, der uns anhand der Bäume gezeigt hat, wie weit das Waldsterben ist. Das war ziemlich prägend, weil ich gedacht hab: Oh Gott, wie soll das weitergehen, wenn es jetzt schon so schlimm ist? Wenn ich mal Kinder in die Welt setzen will, muss es irgendwie weitergehen. Und man muss dafür was tun, dass die Umwelt eine lebenswerte bleibt und man sie nicht nur ausschlachtet, sondern sie eben auch erhält und dafür was tut. Und dann kam noch die Atomkatastrophe in Tschernobyl dazu. Das war wahnsinnig bedrohlich. Da fing mein umweltpolitisches Interesse an. Dass man dann schnell auf Greenpeace stößt, ist irgendwie auch naheliegend.

Online-Redaktion: Was ist für Sie das Besondere an Greenpeace?

Jule Ronstedt: Ich finde die Aktionen, die Greenpeace macht, schon immer beeindruckend und toll, weil sie unabhängig sind, weil es wahnsinnig mutig ist, weil es nicht verbunden ist mit irgendwelchen Interessen oder irgendwelchen parteipolitischen Förderungen. Es geht immer um die Sache, um unsere Umwelt , die Welt in der wir alle leben. Das fand ich immer unterstützenswert.

Online-Redaktion: Sie haben ja auch schon in mehreren Komödien mitgespielt. Sollte man an das Umweltthema auch mal lustig rangehen?

Jule Ronstedt: Das ist eine gute Frage. Ja vielleicht. Ich finde sowieso, dass uns allen in unserem Leben eine gute Portion Humor ganz gut tut. Das Thema an sich ist zwar nicht lustig. Wenn man aber Leute animieren will, etwas zu begreifen oder bei einer Sache mitzumachen, dann kann man sie mit Humor grundsätzlich ganz gut erreichen. Der Überlebensanzug im neuen Greenpeacemagazin ist doch schon ganz gut! Die Umweltkomödie, die müsste man aber noch erfinden. Die sollte natürlich trotzdem fundiert, klug und kompetent recherchiert sein. Wenn es so etwas gäbe, dann würde ich da auch sofort mitmachen, ganz klar.

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