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Von den 41 Mitgliedstaaten der IWC nahmen 35 an der Tagung in Adelaide teil. Verschiedene Komitees und Arbeitsgruppen der IWC tagten vorbereitend bereits ab dem 12. Juni. Das Walfang-Moratorium bleibt bestehen, ein Walschutzgebiet wurde abgelehnt und Japan startet neues Walfang-Programm auf Pott- und Brydewale.

Zur Abstimmung stand erstmals das von Australien und Neuseeland beantragte Walschutzgebiet im Südpazifik mit einem Umfang von zwölf Millionen Quadratkilometern.

Es sollte das seit 1994 bestehende Walschutzgebiet in der Antarktis ergänzen und bedurfte zu seiner Annahme einer Dreiviertelmehrheit. Es fand sich jedoch nur eine einfache Mehrheit: 18 Länder stimmten für das Schutzgebiet, elf dagegen, vier Länder enthielten sich.

Die Fürstimmen kamen aus Australien, Brasilien, Chile, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Mexiko, Monaco, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz, Spanien, Südafrika und den USA.

Dagegen stimmten: Antigua und Barbuda, China, Dänemark, Dominica, Grenada, Guinea, Japan, Norwegen, St. Kitts und Nevis, St. Lucia und schließlich St. Vincent und die Grenadinen. Die vier Enthaltungen kamen aus Irland, Oman, Russland und Südkorea.

Japans Stimmenkauf

Nach der Abstimmung trat Atherton Martin, Dominicas Minister für Umwelt, Planung, Landwirtschaft und Fischerei aus Protest gegen das Nein-Votum seines Landes zurück: Die Regierung hatte im Vorfeld per Kabinettsbeschluss entschieden, sich bei der IWC der Stimme zu enthalten. Daraufhin war laut Martin eine japanische Delegation bei Premierministerin Rosie Douglas erschienen und hatte mit der Streichung von Entwicklungshilfe gedroht, wenn Dominica nicht im Sinne Japans abstimme und das Walschutzgebiet nicht ablehne.

Dieser Vorfall beleuchtet so deutlich wie nie zuvor Japans Praxis, Stimmen kleiner und armer Staaten zu kaufen, um seine Walfanginteressen auf internationalen Foren durchsetzen zu können.

Unter dem Deckmantel der Wissenschaft

Wie jedes Jahr, verurteilte die IWC den angeblich wissenschaftlichen Walfang Japans im Schutzgebiet der Antarktis, bei dem pro Saison 440 Minkewale erlegt werden. Das Wissenschaftliche Komitee der IWC stellte fest, dass keine verlässliche Bestandsschätzung für diese Wale existiert, dass der Bestand nach den vorliegenden Daten aber erheblich kleiner ist als die 760.000 Tiere, die Japan seit zehn Jahren behauptet. Ungeachtet der IWC-Resolution ist Japans Fangflotte erneut in die Antarktis aufgebrochen.

Im Sommer 2000 startete Japan auch ein neues Programm angeblich wissenschaftlichen Walfangs im Nordpazifik, bei dem für die Jahre 2000 und 2001 jeweils der Abschuss von 100 Minkewalen, 50 Brydewalen und zehn Pottwalen angesetzt wurde. Insbesondere für die Pottwale gibt es keinerlei Bestandsschätzung. Tatsächlich erlegte Japan im Sommer 2000 genau 40 Minkewale, 43 Brydewale und fünf Pottwale. Damit widersetzte Japan sich der IWC-Resolution aus Adelaide, die dieses neue Fangprogramm scharf verurteilte und mit 19 zu zwölf Stimmen angenommen wurde.

Als Reaktion auf das Verhalten Japans kamen die Vertreter von 15 Staaten (darunter Deutschland) in das japanische Außenministerium und überreichten eine gemeinsame Protestnote. Die Regierung der USA hat verfügt, dass Japan keine Fischereirechte in US-amerikanischen Gewässern erhält. In Japan selbst haben 64 Organisationen (darunter Greenpeace Japan) einen gemeinsamen Brief an Premierminister Yoshiro Mori geschrieben, in dem sie den Stopp des Walfangs fordern. Die nächste Saison des Nordpazifik-Walfangs ist für April bis Juli 2001 vorgesehen.

Japan verlangte zudem eine Genehmigung zum Abschuss von 50 Minkewalen im Rahmen eines Küstenwalfangs. Die IWC hat diese Forderung wie jedes Jahr abgelehnt.

Die Hoffnungen der Walfänger

Die IWC beschleunigt ihre Arbeit an einem Überarbeiteten Bewirtschaftungssystem (RMS). Dessen Verabschiedung und Einsetzung ist die Voraussetzung, um das Moratorium für den kommerziellen Walfang aufzuheben, das seit 1985/86 weltweit gültig ist. Eine Resolution fordert das Sekretariat der IWC auf, einen Entwurf bereitzustellen, den ein Zwischentreffen der IWC im Februar 2001 in Japan weiter bearbeiten soll. Diese Resolution wurde von Schweden eingebracht und auch von Chile, Dänemark, Finnland, Irland, Mexiko, Oman, der Schweiz, Spanien und Südafrika unterstützt. Japan begrüßte die Resolution und macht sich Hoffnungen auf eine baldige Wiederzulassung des kommerziellen Walfangs. Greenpeace dagegen erstrebt ein globales Schutzgebiet, den "Weltpark für Wale".

Gescheitert ist ein Resolutionsantrag zur genetischen Überwachung des Walfleischhandels. Per DNA-Analyse sollte der Weg des Fleisches über alle Stufen der Verbreitung kontrolliert werden. Es gab nur elf Stimmen für die Resolution, dreizehn dagegen und fatalerweise acht Enthaltungen. Sie kamen von Chile, Irland, Mexiko, Oman, Schweden, der Schweiz, Spanien und Südafrika.

Japan wollte zum wiederholten Male Greenpeace als Beobachter bei der IWC aussperren lassen. Zu dem Zweck verdrehte Japan die Tatsache, dass am 21. Dezember 1999 das japanische Walfangschiff Nisshin Maru das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise in der Antarktis gerammt hat. Unterstützung fand Japan bei Norwegen und karibischen Inselstaaten. Doch die überwältigende Mehrheit wies das Ansinnen Japans zurück und bestätigte den Beobachterstatus von Greenpeace.

Kanada und Irland

Die IWC hat das Nichtmitglied Kanada aufgefordert, keinen Grönlandwal der bedrohten Population des Gebietes Hudson-Bay und Foxe-Becken zur Jagd durch die Inuit (Bevölkerung der Arktis) freizugeben. Die Population umfasst nur noch ca. 345 Tiere. Diese Resolution wurde mit 17 zu acht Stimmen angenommen, bei sechs Enthaltungen.

Eine Resolution im Konsens fordert Kanada und die USA auf, ihre Bemühungen zum Schutz der Nordkaper im westlichen Nordatlantik zu verstärken. Hier sind Kollisionen mit Schiffen und das Verfangen in den Fischernetzen besondere Gefahren für die kleine Population von rund 300 Tieren.

Eine Resolution zur Verringerung der Emission chemischer Schadstoffe erging ebenfalls im Konsens, doch auch hier meldeten einige Staaten Vorbehalte an. Eine weitere Resolution spricht Veränderungen der Umwelt wie Klimawechsel, Ozonloch und Lärmbelästigung im Meer an.

Weiter verhandelt wird auch über den 1997 unterbreiteten Vorschlag Irlands, der auf eine Zulassung kommerziellen Küstenwalfangs hinausläuft, auch wenn das Moratorium offiziell noch in Kraft ist. Der deutsche IWC-Delegationsleiter Norbert Kleeschulte erklärte aber, er wolle keine Diskussionen über Kompromisse mit den Walfangländern mehr führen. Damit stellte er sich auf die Seite eines konsequenten Walschutzes. Das ist aus deutscher Sicht ein erfreuliches Ergebnis. Doch sind weitere Anstrengungen auch von Bundeskanzler Gerhard Schröder nötig, um den Schutz der Wale wirklich durchzusetzen. Dazu gehört eventuell auch eine deutsche Initiative für europaweite Maßnahmen gegenüber Japan.

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