Greenpeace protestiert an Kohlekraftwerk bei Leipzig für mehr Klimaschutz

Hausgemachte Hitzewelle

Deutschland spürt die Auswirkungen der Hitze, Felder und Wälder brennen, Bauern ernten weniger: Auch eine Folge des verschleppten Kohleausstiegs, mahnen Greenpeace-Aktivisten.

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Was für ein Sommer: Die Freibäder sind voll, und der Eisverkäufer an der Ecke macht Rekordumsätze. Doch zu viel des Guten schlägt irgendwann ins Gegenteil um – das lernt Europa gerade auf schmerzhafte Art und Weise. Die Hitze hält sich nun bereits seit Wochen, und mit jedem Tag, an dem das Thermometer auf 30 Grad Celsius und höher klettert, wächst auch in Deutschland die Besorgnis: Felder und Wälder brennen, Bauern ernten weniger als üblich. Heftige Brände wüten auch in Schweden und Griechenland, am Mittelmeer mit bislang rund 80 Todesopfern.

Doch wirklich überraschend sind die Rekordtemperaturen nicht. Die Wetterextreme, die die ganze Welt seit Jahren erlebt, sind Folge der voranschreitenden Erderhitzung. Ein überdurchschnittlich heißer Sommer in Mitteleuropa ist nur eines der Phänomene. Anhaltende Dürren, tropische Stürme und Überschwemmungen in den oftmals ärmsten Ländern der Erde zeichnen ein deutliches Bild von den Veränderungen im globalen Klima.

Dieser Wandel ist menschengemacht; Greenpeace-Aktivisten wiesen heute Morgen auf diese bittere Wahrheit hin. Auf den Kühlturm des Braunkohlekraftwerks Lippendorf bei Leipzig projizierten sie den Schriftzug „Kohle befeuert Hitzewellen“. Adressat ist die deutsche Bundesregierung.

Verpasste Klimaziele durch Kohle

Kohleenergie ist die klimaschädlichste Form der Energieerzeugung überhaupt, weil bei der Verbrennung des Rohstoffs Unmengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangen. Dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 nicht schafft, liegt in erster Linie an den vielen Kohlekraftwerken, die hierzulande immer noch schmutzigen Strom  produzieren – der zum großen Teil überhaupt nicht ins deutsche Versorgungsnetz fließt, sondern günstig in die Nachbarländer verscherbelt wird. Die Fortschritte der Energiewende, der stetige Ausbau von Solar- und Windenergie, werden durch das Festhalten an überholten Technologien fast vollständig geschluckt. Deutschland verpasst es, seinen Beitrag zu leisten, damit die Erderwärmung unter den kritischen 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau bleibt.

Viel mehr als gute Absichten hat die Bundesregierung beim Thema Klimaschutz nämlich nicht vorzuweisen. „Kanzlerin Merkel schaut dieser Fehlentwicklung seit nunmehr drei Koalitionsregierungen tatenlos zu“, sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Experte für Klima. Dabei wäre die Lösung naheliegend und einfach umzusetzen. „Ein rasches Abschalten der ältesten und klimaschädlichsten Braunkohlekraftwerke ist versorgungssicher möglich und vor dem Hintergrund der Klimakrise zwingend notwendig.“ Die sogenannte Kohlekommission, in der auch Greenpeace mitarbeitet, soll den Kohleausstieg nun endlich wirtschaftlich und sozialverträglich planen; bis spätestens 2030 soll Deutschland raus aus der Kohle.

Kohleausstieg geht alle an

Absurd mutet es in diesem Zusammenhang an, dass es weiterhin die Absicht gibt, für Braunkohle das Dorf Pödelwitz, 20 Kilometer südlich von Leipzig, abzubaggern – Kohle, die in Lippendorf verfeuert werden soll. Die Menschen aus der Region wehren sich ab Samstag mit einem Klimacamp, auf dem für den Erhalt des Dorfes protestiert wird. Zeitgleich findet in Leipzig unter dem Motto „Klima schützen, Kohle stoppen“ eine Demonstration für einen raschen Kohleausstieg statt, organisiert von lokalen Gruppen und Umweltorganisationen wie BUND und Greenpeace. Der Kohleausstieg geht dabei alle an, nicht nur die, deren Heimat von Baggern bedroht ist. „Die aktuelle Hitzewelle ist ein Vorgeschmack dessen, was auf uns zukommt, wenn die CO2-Emissionen nicht rasch gesenkt werden“, sagt Jannes Stoppel.

Von Grün zu Braun: farbliche Veränderung von Teilen Europas durch die Hitze innerhalb eines Monats (fotografiert aus dem Weltall vom Copernicus-Sentinel-3-Satelliten)

Farbliche Veränderung in Teilen Europas durch die Hitze innerhalb eines Monats (fotografiert aus dem Weltall).

© Contains modified Copernicus Sentinel data (2018), processed by ESA

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