Proschim / Lausitz: Greenpeace-Ausstellung informiert über Schäden durch Braunkohle

Kunst am Baum

Braunkohle zerstört das Klima, Tagebaue zerfressen Landschaften, Dörfer müssen weichen. Darüber informiert eine Greenpeace-Ausstellung in Proschim in der Lausitz – an Obstbäumen.

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Es ist ein Ackergrundstück, das Greenpeace in Proschim geschenkt bekam, und Ackerland darf nicht bebaut werden. Um trotzdem dem Wunsch des Spenders nachzukommen, dort vor Ort ein Mahnmal gegen Braunkohle, neue Tagebaue und die Abbaggerung des Lausitzer Dorfes Proschim aufzustellen, hat sich Greenpeace ein Kunstkonzept ausgedacht: Eine Ausstellung an Obstbäumen. Die Fototafeln prangen an den Pflanzpfählen von Apfelbäumen der alten Sorte Lausitzer Nelkenapfel, die Greenpeace eigens für diesen Zweck gepflanzt hat. So wird das Grundstück weiterhin landwirtschaftlich genutzt, und Greenpeace informiert die Bürger gleichzeitig über die schädlichen Folgen der Kohleverstromung. Und das mitten im von der Abbaggerung bedrohten Dorf Proschim.

Große Bildtafeln zeigen Fotos von qualmenden Kraftwerken und öden Braunkohletagebaulandschaften in der Region sowie den rostroten Eisenoxid-Schlamm, mit dem Flüsse und Seen durch den Braunkohleabbau belastet sind. Andere Tafeln informieren über den Klimawandel, die Steuerlast durch Braunkohlestrom und die Luftverschmutzung durch die Abgase der Kraftwerke, etwa mit dem besonders schädlichen Quecksilber.

Proschim: nicht abbaggern!

„Es kann nicht sein, dass die Braunkohleindustrie weiter Dörfer abgebaggert und das Klima zerstört, während mit den Erneuerbaren Energien längst saubere Alternativen vorliegen“, sagt Anike Peters, Greenpeace-Expertin für Energie. „Die nächste Bundesregierung muss endlich den überfälligen Ausstieg aus der Braukohle beschließen.“ Doch das bevorstehende Ende des Kohlezeitalters interessiert in der Lausitz weder Regierung noch den Kohlekonzern LEAG, der die Braunkohlesparte von Vattenfall übernommen hat und diverse Tagebaue und Braunkohlekraftwerke in der Region betreibt.

Proschim – der Name des Dorfes ist sorbisch und heißt „bitte schön“. Eigentlich ist Proschim auch ein schönes Dorf, mit seinen alten Vierseitenhöfen, umgeben von fruchtbarem Ackerland. Doch die Idylle trügt, denn Vattenfall-Nachfolger EPH mit seiner deutschen Tochter LEAG will das Dorf komplett abbaggern. 2020 steht die endgültige Entscheidung über die Erweiterung des bestehenden Tagebaus Welzow Süd um das Teilfeld II an. Ab 2027 könnten hier weitere etwa 200 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut werden. 

Braunkohle zerstört das Klima

Doch weder die Menschen in Proschim noch Greenpeace wollen das hinnehmen. Immer wieder gab es Protestaktionen, viele der mehr als 300 Einwohner kämpfen mit allen Mitteln dagegen, ihre Heimat zu verlieren. So reichte ein Proschimer Bürger 2015 gemeinsam mit Umweltverbänden Klage gegen den Braunkohlenplan Welzow-Süd II ein. Auch am diesjährigen Reformationstag gab es eine gemeinsame Aktion: Die Teilnehmer zogen eine rote Linie an der Grenzen zwischen dem bereits genehmigten Tagebau und dem Dorf Proschim. „Bis hierhin und nicht weiter“ symbolisierte diese Protestaktion, mit der sich Betroffene und Umweltaktivisten gemeinsam den Braunkohlebaggern entgegenstellten.

Braunkohlestrom ist der klimaschädlichste Strom überhaupt. Kein anderer Energieträger setzt ähnlich viel Kohlendioxid frei. Dass der Ausstoß dieses Treibhausgases in Deutschland seit 2009 nicht weiter sinkt, obwohl er das sowohl müsste als auch durch den starken Ausbau Erneuerbarer Energieträger sollte, liegt hauptsächlich daran, dass die Kohlekraftwerke immer noch auf Hochtouren laufen. Zwar braucht Deutschland den dreckigen Strom gar nicht mehr selbst. Aber statt die Kraftwerke abzuschalten, exportiert die Bundesrepublik ihn ins Ausland. Zwischen 2011 und 2016 haben sich die deutschen Stromexporte laut Zahlen des Statistischen Bundesamts nahezu verzehnfacht. 

Ein X aus Osterglocken

Deshalb geht der Protest in Proschim weiter. Zur Einweihung der Greenpeace-Ausstellung pflanzten Bewohner und Aktivisten neben den Apfelbäumen auch Osterglocken-Zwiebeln. „Unsere Idee ist, dass dann im Frühling hier ein gelbes X erblüht – als Zeichen des Widerstandes“, so Anike Peters. Widerstand gegen die klimapolitisch fahrlässige Idee, weitere Braunkohletagebaue zu erschließen. Und dagegen, das schöne Dorf Proschim abzubaggern. 

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