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 © photothek.de

Im grünen T-Shirt beim Klimadialog

Wenige Stunden, nachdem Vertreter:innen aus der ganzen Welt beim Petersberger Klimadialog die COP 27 im Herbst in Ägypten vorbereiteten, saß ich mit knapp 40 Jugenddelegierte in genau demselben Raum für eine Paneldiskussion mit Annalena Baerbock und Jennifer Morgan. Im Vorfeld hatte ich mich schon ein bisschen vorbereitet und eine Frage eingereicht, in der ich eine konkrete Antwort darauf wollte, was genau Baerbock in den nächsten Jahren umsetzten wird, wo sie doch die Dringlichkeit des Problems augenscheinlich verstanden hat, aber natürlich trotzdem Politikerin in einem starren und vor allem wirtschaftsgetriebenen System ist. Im JaggieOnline am Tag davor stimmte ich diese Frage auch nochmal mit den Jaggies ab und bekam noch ein paar weitere Impulse dazu, was wir Baerbock gerne mal fragen würden. Konsens war eigentlich: Warum ist noch nicht so viel passiert wie vor der Wahl angekündigt und dringend benötigt? 

Die Veranstaltung selbst beeindruckte mich dann doch ganz schön. Wir waren im Weltsaal des Auswärtigen Amts. Neben Baerbock und Morgan waren auch noch Luis Steinmetz (FFF), Igor Levit und Domitila Barros als Impulsgebende Personen vor Ort. Moderiert wurde alles von Eva Schulz.  

Und dann saß ich da, als Einzige in einem T-Shirt (natürlich ein Greenpeace Jugend T-Shirt), kurzer Hose und Birkenstock, während alle andern sich eher chic gemacht haben, mit Kleid, Bluse oder Hemd und am besten hohen Schuhen. So stach ich mit meinem hellgrünen T-Shirt und Aktivisti-Look doch etwas raus und Menschen sprachen mich tatsächlich auch deswegen an, weil ich so “normal gekleidet” war und sie es etwas bereuten, nicht selber ihre Organisations Shirts angezogen zu haben. Auf meinem Tisch ein Mikrophon, dass ich lieber gar nicht berühren wollte, aus Angst, falsche Knöpfe zu drücken und ein Namensschild. Alles also sehr offiziell. 

Anfangs kam Baerbock und die bereits erwähnten Personen zu Wort, da war dann fast schon die Hälfte der Zeit verstrichen. Danach rief Eva Schulz vom Auswärtigen Amt vorher ausgewählte Personen auf, die dann ihre eingereichte Frage stellen durften. Es ging viel darum, wie wir den Globalen Süden mit einbeziehen und vor allem die Länder, die mit Klimaschäden zu kämpfen haben, finanziell unterstützen können. Dabei sprach Baerbock die 100 Milliarden Dollar an, die sie Länder bereits 2009 in Kopenhagen versprachen, was natürlich nicht eingehalten wurde und das Deutschland 6 Milliarden investieren wolle. Das ist aber noch lange nicht ausreichend und kommt unserer Verantwortung als globaler Norden und Hauptversacher der Klimakrise gegenüber dem globalen Süden nicht gerecht! Auch über die Themen „feministische Außenpolitik“ und größere Integration der Jugend wurde gesprochen. Letztendlich war die eine Stunde dann aber ziemlich schnell vorbei und gerade mal sechs Fragensteller:innen kamen zu Wort. Ich war nicht darunter.  

Zum Abschluss noch schnell ein Foto mit der Außenministerin und dann war die Veranstaltung auch schon vorbei. Ich ging noch mit einigen anderen etwas trinken und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile über Jugendbewegungen, strukturelle Probleme und natürlich auch darüber, wie wir das Treffen fanden. Schnell war klar, alle waren sich einig: Eine Stunde war einfach viel zu kurz, um alle Themen ausführlich zu besprechen und alle Teilnehmenden zu Wort kommen zu lassen. Es ist schön, dass es Baerbock wichtig ist, die Stimmen der jungen Gesellschaft zu hören und es waren auch wirklich sehr viele unterschiedliche Menschen aus Verbänden oder Botschaften da, aber dann muss sich auch die Zeit genommen werden. So war das jetzt eher eine Pressekonferenz als ein Dialog. Auch, dass nur Fragen gestellt wurden, die 

vorher eingereicht und vom Auswärtigen Amt vorsortiert wurden ist für mich nicht die Definition von Dialog. Letztendlich saß ich dort einfach eine Stunde, hab mir angehört, was größtenteils so monologisiert wurde (was zugegebenermaßen auch alles ganz gut klang, Baerbock hat das Problem schon verstanden und gute Ansätze, letztendlich kennen wir das ja aber auch schon aus der Politik: Es muss jetzt endlich umgesetzt werden, was die ganze Zeit versprochen wird!) und mein Beitrag war am Ende nur meine Präsenz. Der produktivste Austausch war am Ende im privaten Kreis, tatsächlich immer noch ein wenig moderiert von Eva Schulz mit den anderen Delegierten. Und genau deswegen bin ich auch froh, dort gewesen zu sein. Ich konnte zeigen, dass die Greenpeace Jugend präsent ist und mich mit anderen Menschen connecten, was immer wichtig ist. Gemeinsam wird mensch schließlich noch besser gehört. Außerdem habe ich Fotos von mir im Auswärtigen Amt! (Auf denen ich zugegebenermaßen meistens recht skeptisch gucke) 

Vielleicht war dieser Termin auch erst der Anfang für weitere Gespräche zwischen dem Außenministerium und der Jugend, zumindest klang es so, und vielleicht werden die nächsten Gespräche ausführlicher und dialog-artiger. Geben wir den Veranstalter:innen die Möglichkeit, daraus zu lernen und ich bin gespannt auf ein nächstes Mal. 

 

PS: Meine Frage war übrigens: Sie wissen um die Klimakrise und ihre Folgen heute und in Zukunft und auch wie dringend wir handeln müssen, um das 1,5 Grad Ziel noch einhalten zu können. Sie sind jedoch Politikerin in einem starren, wirtschaftsgetriebenen System und in einer Koalition mit Partner:innen, die die Dringlichkeit anscheinend noch nicht verstanden haben. Was genau werden Sie tun um dem entgegen zu wirken und unser Klima und die Zukunft und Gegenwart noch zu retten? Ich hoffe sehr, dass es darauf noch eine schriftliche Antwort gibt oder wir bei einem Folgetermin damit zu Wort kommen können.