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Organic Meals at Kindergarten in Hamburg
© Maria Feck / Greenpeace

Abfrage: Warum Städte künftig mehr Bio-Essen anbieten wollen

Den Anteil an Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Kitas, Schulen und städtischen Kantinen wollen 20 von 27 Städten in Deutschland mit konkreten Zielen erhöhen. Das ergab eine Abfrage von Greenpeace.

Am Montag gibt es vegetarische Lasagne mit Senfgurken und Paprika und zum Nachtisch Mangoquark, am Mittwoch Hühnersuppe mit Erbsen, Fingermöhrchen und Gabelspaghetti und zum Nachtisch Milchreis mit Kirschen, am Freitag Lachsfilet in Kräutersoße mit Pellkartoffeln und Karotten-Apfel-Rohkost. Das ist ein Auszug des Speiseplans einer städtischen Kita in Hamburg. Das Wort Bio taucht in dieser Woche genau einmal auf – am Dienstag im Bio-Rührei.

Privat greifen immer mehr Menschen zu Bio-Lebensmitteln, für 2021 meldet der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) einen Bio-Jahresumsatz von fast 16 Milliarden Euro, das sind knapp sechs Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2020. Doch in der Außer-Haus-Verpflegung sind Bio-Lebensmittel bisher eher eine Seltenheit, nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) von 2019 machen Bio-Lebensmittel nur einen Anteil von rund 1,3 Prozent vom gesamten Netto-Einkaufsvolumen der Außer-Haus-Verpflegung aus.

Dabei sehnen sich viele Menschen in Kitas, Schulen und anderen öffentlichen Kantinen nach gesundem und klimafreundlichem Essen. Eine repräsentative Umfrage von Kantar im Auftrag von Greenpeace im Dezember 2021 hat ergeben, dass sich 66 Prozent der Befragten von der neuen Bundesregierung eine Umstellung der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung auf klimafreundliches und ökologisches Essen innerhalb der nächsten zehn Jahre wünschen.

Riesiges Potenzial für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit

Und zumindest in einigen Städten und Kommunen scheint sich schon etwas zu bewegen. 20 von 27 Städten in Deutschland haben konkrete Ziele, den Anteil an Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen. Das ergab eine stichprobenartige Abfrage, die Greenpeace unter allen Landeshauptstädten und 21 Bio-Städten durchgeführt hat. „Jeden Tag werden allein über sechs Millionen Kinder und Jugendliche von öffentlichen Küchen versorgt, das birgt riesiges Potenzial“, sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. „Eine flächendeckend ökologische öffentliche Verpflegung mit mehr Obst, Gemüse und Getreide und weniger tierischen Produkten trägt wesentlich zum Klimaschutz bei. Und sie bietet vielen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu mindestens einer gesunden Mahlzeit am Tag.“

Sieben Städte stechen in der Untersuchung heraus: Berlin, Bremen, Heidelberg, München, Nürnberg, Stuttgart und Tübingen. Sie verfügen alle über verbindliche Beschlüsse und ambitionierte Ziele: In maximal fünf Jahren wollen sie in mindestens einem Bereich mit täglichem Essensangebot (zum Beispiel Kitas, Schulen, städtische Kantinen) einen Bio-Anteil von mindestens 50 Prozent erreicht haben. Sie sind auf einem guten Weg – weg von Billigfleisch und industrieller Massenware, hin zu regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln, die Klima, Tiere und Arten schützen.

Politische Beschlüsse mit konkreten Zielen erleichtern die Umsetzung

Doch auch in vielen anderen Städten tut sich etwas. Dabei fällt auf: Städte, die über politische Beschlüsse mit konkreten Zielen und Vorgaben verfügen, sind klar im Vorteil. Die Regeln schaffen die nötigen Strukturen für eine Veränderungen, indem sie dafür sorgen, dass alle wissen, was sie bis wann zu ändern haben. Diese Transparenz macht es für alle Beteiligten einfacher. Die ersten Beschlüsse zu verbindlichen Bio-Anteilen in der Gemeinschaftsverpflegung wurden schon Anfang der 2000er Jahre gefasst, doch der überwiegende Teil der Beschlüsse stammt aus den letzten sechs Jahren. In den älteren Beschlüssen waren die Ziele noch wenig ambitioniert, meist wurden geringe prozentuale Anteile von zehn, 20 und nur selten von 30 Prozent an Bio-Lebensmitteln gefordert. Und das meist auch nur für einen oder maximal zwei Bereiche. Erst seit den Beschlüssen ab 2018 geht der Trend deutlich nach oben.

Viele Städte setzen sich inzwischen für einen höheren Anteil an Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Verpflegung ein. Es ist allerdings noch viel Raum für Verbesserungen. Und besonders bei der Verringerung und Umstellung auf Bio von Fleisch und Milchprodukten sind Städte noch viel zu zögerlich. Acht der 20 Städte, die sich konkrete Ziele gesetzt haben, beziehen tierische Produkte überhaupt nicht in ihre Bio-Pläne ein. „Viele Städte zeigen schon, was möglich ist“, sagt Huxdorff, „doch wir brauchen noch viel mehr, die ihr Essen auf ein klimafreundliches Angebot umstellen – und dabei sollte sie der Bund unterstützen.“

Investitionen für Umbau, Beratung und Ausbildung sind notwendig

Für eine flächendeckende Umstellung sollten Städte Ziele für einen verbindlichen Anteil an bio-regionalen Lebensmitteln beschließen. Greenpeace fordert mindestens 60 Prozent Anteil in maximal fünf Jahren, 100 Prozent in maximal zehn Jahren und 100 Prozent bei tierischen Lebensmitteln von Beginn an. Das geht nur mit mehr Investitionen von Bund, Ländern und Kommunen für Umbau, Beratung und Ausbildung. Zudem sollte der Anteil von Bio-Lebensmitteln in der öffentlichen Verpflegung regelmäßig überprüft und veröffentlicht werden.

Es ist nicht so, dass die neue Bundesregierung das Thema noch nicht entdeckt hätte. In der geplanten Ernährungsstrategie soll öffentliche Verpflegung eine zentrale Rolle spielen, da sie großen Einfluss darauf hat, was Menschen auch in ihrem Privatleben essen und kaufen. Ob der Bund als Vorbild taugt, ist allerdings fraglich: In den Bundeskantinen soll künftig auch mehr Bio-Essen angeboten werden – 20 Prozent bis 2025. Gemessen an den Zielen, die sich die Städte vornehmen, ist das nicht besonders ambitioniert.

Report: Mehr Bio in Kantinen

Report: Mehr Bio in Kantinen

Städte und Kommunen auf dem Weg zu einer gesunden und klimafreundlichen Ernährung

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