Klimaschutz

Eine Lobby für das Klima

Das Kyoto-Protokoll war das bislang einzige Abkommen mit rechtlich bindenden Klimaschutzzielen. Es lief Ende 2012 aus, der mühsam erzielte Folgevertrag enthält etliche Schlupflöcher.

Ökonomie gegen Ökologie

Rio de Janeiro, Juni 1992:  Auf der UN-Konferenz zum Thema „Umwelt und Entwicklung“ unterzeichnen 158 Staaten die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC).

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Die Konvention bildet die völkerrechtliche Grundlage für den internationalen Klimaschutz und tritt 1994 in Kraft. Ziel ist, „die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren, das eine gefährliche Störung des Klimasystems durch den Menschen verhindert“.  Konkrete Maßnahmen werden nicht beschlossen.

UN-Klimagipfel und Kyoto-Protokoll

Seit die Konvention in Kraft ist, treffen sich die Vertragsstaaten jährlich im Dezember zu UN-Klimakonferenzen, um konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz zu erarbeiten. Der bekannteste dieser „Weltklimagipfel“ fand 1997 im japanischen Kyoto statt, aus ihm ging das Kyoto-Protokoll hervor. Es trat 2005 in Kraft. Das Kyoto-Protokoll verpflichtet 37 Industrieländer und die Europäische Gemeinschaft, ihre Treibhausgasemissionen von 2008 bis 2012 um jährlich 5,2 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Die Rolle der Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels wird damit ausdrücklich anerkannt.

Nach dem Motto, egal wo die Treibhausgase eingespart werden – Hauptsache sie verschwinden vom Planeten, gibt das Kyoto-Protokoll den Industriestaaten drei Instrumente an die Hand: den weltweiten Emissionshandel (Emissions Trading), die gemeinsame Umsetzung mit einem anderen Industrieland (Joint Implementation) und zusätzliche Einsparungen durch Klimaprojekte in einem Entwicklungsland (Clean Development Mechanism). Speziell für die EU wird die Lastenteilung zugelassen (Burden Sharing): eine Gruppe von Ländern setzt sich ein gemeinsames Ziel. Innerhalb der Gruppe heißt das: Wer mehr kann, muss mehr, wer weniger kann, darf weniger reduzieren.

Ab 2008 arbeiten die Länder an einem Nachfolgeprotokoll für die Jahre ab 2013. Darin sollen auch die Schwellenländer in die Pflicht genommen werden. In Doha/Katar 2012 finden sich nach harten Verhandlungen die 27 EU-Staaten und zehn weitere Länder bereit, das Protokoll weiterzuführen - zwar endlich ein Schritt nach vorn, doch wieder nur ein halber. Der Klimawandel ist schneller als die Politik. Der Gipfel in Paris 2015 bringt schließlich einen kleinen Durchbruch: An seinem Ende steht zum ersten Mal ein verbindlicher internationaler Klimavertrag. 

Greenpeace: Lobbyist für das Klima

Die eigentliche Lobby des Klimas sind neben den Klimaforschern Umweltorganisationen wie Greenpeace.  Begonnen hat die Greenpeace-Klimakampagne bereits in den 1990er Jahren: Die Solarkampagne zielte darauf, der Photovoltaik zum Durchbruch zu verhelfen, Greenpeace-Studien zeigen die Potenziale von Windparks und Offshore-Anlagen auf. 1999 gründete Greenpeace eine eigene Genossenschaft: Greenpeace Energy e. G. liefert deutschlandweit saubere Energie – ohne Atom- und Kohlekraft – und versorgt heute fast 100.000 Haushalte und  Gewerbekunden.

Seit einigen Jahren engagiert Greenpeace sich vor allem gegen die Kohle, das Lieblingskind der großen Energiekonzerne. Greenpeace nimmt aber auch als Beobachter und Klima-Lobbyist an internationalen Klimakonferenzen teil und bringt Fachexpertise direkt ein, zum Beispiel in Arbeitsgruppen des IPCC, des globalen Rats für Klimafragen.

Forschungsfahrten in die Arktis

Wissenschaftlich unumstritten ist, dass sich das Klima durch menschliche Aktivitäten erwärmt. Es gibt aber noch zahlreiche Lücken im komplexen Bereich der Klimaforschung. Greenpeace hilft gezielt, einige dieser Lücken zu schließen. Nirgendwo schreitet die Erwärmung schneller voran als am Nordpol. Die Durchschnittstemperaturen sind dort in den letzten 100 Jahren fast doppelt so schnell gestiegen wie im globalen Mittel. In den Jahren 2009 und 2010 unternahm Greenpeace, zusammen mit Klimaforschern der Universität von Maine, der Woods Hole Oceanographic Institution (beide USA)und der Universität Cambridge in England, Expeditionen in die Arktis. Auf beiden Fahrten wurden auch die Einflüsse des Klimawandels untersucht, zum Beispiel die Versauerung der Ozeane und das Abschmelzen der Eismassen Grönlands und des Meereises. Die Daten stehen öffentlich zur Verfügung.

Jeder kann Klimaschützer sein

Jeder Einzelne von uns kann zum Klimaschutz beitragen. Dies gilt vor allem für die Menschen in den Industriestaaten.  Durchschnittlich etwa  zehn Tonnen CO2 verursacht ein Bundesbürger im Jahr. Davon entfallen mehrere Tonnen auf den privaten Konsum, unter  anderem durch den Kauf und Verbrauch von Möbeln, Textilien oder Elektroartikeln. Ein Großteil der CO2-Emissionen fällt dabei schon bei der zumeist energieintensiven Produktion an. Flugreisen, aber auch Autos, die immer noch zu viel Benzin verbrauchen, heizen das Klima auf. Hinzu kommt übermäßiger Fleischkonsum: Für die Produktion des Fleisches wird viel Energie eingesetzt. Wer weniger oder gar kein Fleisch isst, tut darum gleichzeitig etwas für den Klimaschutz.

Zum Weiterlesen:
Konzerne gegen Klimaschutz (dt. Zusammenfassung)

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Häufig gestellte Fragen

  • Was macht der Weltklimarat?

    Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change-IPCC) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Berichte, die die wissenschaftliche Grundlage für die internationale Klimapolitik bilden. Der 2007 veröffentliche Bericht über die globalen Klimaveränderungen alarmierte die Weltöffentlichkeit; der nächste Bericht soll 2013/2014 publiziert werden.

  • Bringen internationale Klimaverhandlungen etwas?

    Erfolgreiche internationale Klimaverhandlungen sind unverzichtbar auf dem Weg zur Rettung unseres Planeten, denn ohne globale Zusammenarbeit und völkerrechtlich bindende Verträge wie das Kyoto-Protokoll kann der Klimawandel nicht aufgehalten werden. 

  • Was ist besser: Ökosteuer oder Emissionshandel?

    Wichtig ist, dass CO2 einen Preis bekommt. Die Instrumente Ökosteuer und Emissionshandel können sich ergänzen. So kann zunächst die Ökosteuer, die die Verbrennung von fossilen Energieträgern verteuert, einen staatlichen Impuls hin zu Erneuerbaren Energien geben. Emissionszertifikate können den CO2-Ausstoß quantitativ begrenzen und stufenweise verringern, wenn nicht zu viele davon auf dem Markt sind. Doch zur Zeit ist die europäische Klimapolitik zu lasch, in der Folge sind zuviel Zertifikate auf dem Markt und der Preis für CO2 im Keller. 

  • Ist der Klimawandel noch aufzuhalten?

    Nein, aufhalten können wir den Klimawandel nicht mehr. Doch die schlimmsten Folgen des Klimawandels können wir noch verhindern - wenn wir jetzt die Notbremse ziehen. Die weltweiten Treibhausgas-Emissionen müssen wir bis 2050 auf mindestens 80% im Vergleich zu 1990 radikal reduzieren, dann kommen wir mit einem blauen Auge davon. 

  • Was ist das 2 Grad-Ziel?

    Sollten die Temperaturen um mehr als zwei Grad Celsius ansteigen, befürchten Experten dramatische Schäden für die Ökosysteme und unumkehrbare Beeinträchtigungen des Klimasystems. Nur wenn wir es schaffen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen können wir die Folgen des Klimawandels umgehen. 

  • Forderungen

    • Die globale Erwärmung muss auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden
    • Mindestens 40 Prozent weniger CO2 in Deutschland bis 2020 (gegenüber 1990)
    • Mindestens 55 Prozent weniger CO2-Ausstoß in Europa bis 2030 (gegenüber 1990)
    • Klimagerechtigkeit und finanzielle Hilfe für die ärmsten Länder der Welt

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    G20-Länderprofile

    Klimaprofile für die Gruppe der 20, nach Ländern aufgeschlüsselt