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Das Patentamt betreibt den systematischen Ausverkauf menschlichen Lebens, kritisiert Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace, die Entscheidung aus München. Das erinnert an längst vergangene Zeiten der Leibeigenschaft. Er warnt:Gegen den erklärten Willen der Patientinnen, der Krankenkassen, der Ärzte, des Europarates und des Europäischen Parlamentes reißen sich Gentech-Konzerne das menschliche Erbgut unter den Nagel. Das Europäische Patentamt hat mit der Vergabe dieses Patentes erneut bewiesen, wie egal ihm alle ethischen und wissenschaftlichen Bedenken sind.

Das EPAt beruft sich bei seinen Patenterteilungen auf die EU-Richtlinie (98/44), die jedoch bisher nur wenige EU-Staaten umgesetzt haben. Das Europäische Parlament, das diese Richtlinie ursprünglich verabschiedet hatte, lehnte in einer Resolution im November 2002 erstmals grundsätzlich die Patentierung menschlicher Gene ab. Auch Ärzte, Humangenetiker und Patienten warnen vor den Folgen der Gen-Patente. Das Europäische Patentamt hat dessen ungeachtet bereits über 1000 Patente auf menschliche Gene erteilt.

Besonders kritisch an Gen-Patenten ist, dass sie sich auf alle bekannten und noch unbekannten biologischen Funktionen und alle potenziellen wirtschaftlichen Verwendungen des Gens erstrecken. Im Falle des Brustkrebs-Gens weiß man inzwischen, dass es nicht nur an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt ist, sondern auch an einer ganzen Reihe weiterer Krankheiten, wie beispielsweise Dickdarmkrebs. Sogar in Pflanzen hat man es mittlerweile aufgespürt.

Gen-Patente bringen aber auch die Gefahr mit sich, die wissenschaftliche Forschung und damit auch den medizinischen Fortschritt zu behindern. Leidtragende sind die Patientinnen und Patienten. So müssen in Europa die bisher üblichen Labor-Untersuchungen auf die genetische Veranlagung für Brustkrebs gestoppt werden, weil die Firma Myriad mit Hilfe ihres Monopols auf die Brustkrebsgene bestimmt hat, dass alle Proben in ihrem eigenen Labor in den USA untersucht werden. Die Tests werden dadurch um ein Vielfaches teurer.

Auch die Entwicklung von Arzneimitteln und besseren Testverfahren für Brustkrebs behindert Myriad. Die UNESCO befürchtet zudem, dass sich Myriad durch den Zugriff auf die Blutproben eine weitgehende Monopolstellung in der gesamten Brustkrebsforschung verschaffen kann. Myriad hat bereits im Jahr 2001 zwei Patente auf das Brustkrebsgen 1 (BRCA1) erhalten, gegen die neben Greenpeace auch die Regierungen der Niederlande und Österreichs offiziell Einspruch eingelegt haben.

Greenpeace fordert: Die Patente müssen widerrufen werden. Allein ein generelles Verbot der Patentierung von Genen und Lebewesen kann weiteren Schaden abwenden.

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