Moratorium gegen Abholzung im indonesischen Regenwald verlängert

Zwei Jahre Schonfrist

Das indonesische Einschlag-Moratorium geht in die dritte Runde. Buchstäblich am letzten Tag hat die Regierung die Verlängerung verkündet – ob Schlupflöcher entfallen, ist unklar. 

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Indonesien steckt in einem Zwiespalt: Exportgüter wie Palmöl, Zellstoff und Papier verschaffen dem langgestreckten Inselstaat wichtige Einnahmen. Doch gleichzeitig zerstört die Anlage landwirtschaftlicher Flächen den Regenwald, verursacht unkontrollierte Waldbrände und heizt den Klimawandel an. Auf internationalen Druck hin führte Indonesien 2011 ein Moratorium ein. Das Problem: Dieser Einschlagstopp bezieht sich nur auf sogenannte Primärwälder, also Urwälder. Er gilt zudem nicht für die bereits vergebenen Nutzungslizenzen; auch die Ausbeutung von Bodenschätzen ist erlaubt. 2013 wurde das Moratorium erstmals um zwei Jahre verlängert.

Größe des Schutzgebietes verdoppeln

Am letzten Tag seiner Gültigkeit hat nun ein Sprecher des indonesischen Umweltministeriums eine weitere Schonfrist von zwei Jahren angekündigt. An sich sei das begrüßenswert, so Gesche Jürgens von Greenpeace. Die Expertin für Wälder stellt jedoch klar: "Ohne eine signifikante Erweiterung auf alle verbliebenen Wälder und Torfmoore greift das Moratorium deutlich zu kurz. Immer noch drohen rund 48,5 Millionen Hektar Regenwald in Indonesien zerstört zu werden."

Dazu gehören vor allem sogenannte Sekundärwälder. Das sind Flächen, in denen beispielsweise bereits selektive Abholzung stattgefunden hat, die aber dennoch Zuflucht für heimische Arten bieten und wichtige Kohlenstoffspeicher sind. So finden sich die meisten Orang-Utan-Habitate in Wäldern, die als Sekundärwälder deklariert sind und damit durch das Raster des Schutz-Moratoriums fallen. Greenpeace fordert Präsident Joko Widodo (Jokowi)  auf, dringend das Moratorium nachzubessern und auf eine Gesamtfläche von 93,6 Millionen Hektar auszudehnen.

Internationales Interesse an indonesischer Waldpolitik

Denn nirgends schwinden die Wälder auf unserem Planeten so schnell wie in den Tropen. Greenpeace wertete 2014 Satellitendaten aus. Diese ergaben, dass zwischen 2006 und 2013 die Regenwälder Südostasiens um 15 Prozent schrumpften. Die Zerstörungsrate ist fast doppelt so hoch wie in anderen Waldregionen.

Doch gerade die Torfböden in Indonesien speichern gewaltige Mengen Kohlenstoff, der bei der Umwandlung in Ackerland als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre entweicht. Wenig überraschend, dass Indonesien neben den USA, China und Indien zu den weltweit größten Emittenten von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid zählt. Präsident Jokowis Amtsvorgänger hat sein Land zu einer Reduktion der Emissionen um 41 Prozent bis zum Jahr 2020 verpflichtet. Daran gekoppelt sind Geldzusagen, unter anderem eine Fördersumme von einer Million US-Dollar von Norwegen. "Spätestens auf der nächsten UN-Klimakonferenz Ende des Jahres muss Jokowi die Karten auf den Tisch legen", sagt Gesche Jürgens. "Wir erwarten, dass er in Paris konkrete Schritte benennt." 

Europas Palmöl-Konsum zerstört den Regenwald

Der größte Treiber der Entwaldung in Indonesien ist Palmöl. Nach Analysen von Greenpeace schwanden zwischen 2009 und 2011 jährlich rund 150.000 Hektar Regenwald allein für die Anlage von Ölpalmplantagen. Die größten Palmölverbraucher sind China, Indien – und Europa. Auch Deutschland bezieht den Großteil seines Palmöls aus Indonesien: Nach einer Studie im Auftrag des Forums Nachhaltiges Palmöl lag der Verbrauch in Deutschland 2013 bei über 1,5 Millionen Tonnen Palmöl und Palmkernöl pro Jahr.

Palmöl steckt in zahlreichen Alltagsprodukten wie Seife, Süßigkeiten und auch im Autotank. Im Schnitt kam jeder Deutsche 2013 auf einen durchschnittlichen Konsum von 19 Kilogramm; der  Löwenanteil von 9,32 Kilo war der Palmölanteil im sogenannten Biodiesel.

"Palmöl ist ein Alleskönner, das ist nicht zu bestreiten", sagt Jürgens. "Aber für die Produktion darf kein Regenwald zerstört werden." Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann zumindest bei Lebensmitteln erkennen, ob Palmöl im Produkt steckt: Seit Dezember 2014 muss es als Inhaltsstoff auf der Verpackung deklariert werden. 

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