Greenpeace und weitere Umweltverbände fordern wirksameren Schutz der Nord- und Ostsee

Fürs Meer zu wenig

Dieser Maßnahmenkatalog ist ein Mängelexemplar: Greenpeace und andere deutsche Umweltverbände kritisieren die Vorschläge der Bundesregierung zum Meeresschutz.

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Die deutschen Meere sind in einem schlechten Zustand und müssen besser geschützt werden. Darüber immerhin herrscht Einigkeit zwischen Bundesumweltministerium, Bundeslandwirtschaftsministerium und den Umweltschutzverbänden. Wie das in Zukunft geschehen soll, ist weitaus strittiger: Der Maßnahmenkatalog der Bundesregierung geht in vielen Fällen nicht weit genug, in einigen Abschnitten läuft er in haarsträubender Art und Weise dem Umweltschutzgedanken zuwider.

Es geht in dem Regelwerk um die Natura-2000-Meeresschutzgebiete und strengere Regeln für Fischerei darin – Bereiche, die nach EU-Vorgabe unter besonderem Schutz stehen sollen. Deutschland hat mit der Umsetzung jahrelang gebummelt, sogar so sehr, dass die Europäische Kommission vergangenes Jahr ein formales Vertragsverletzungsverfahren in Gang setzte.

Kinderstube in kritischem Zustand

Umso wichtiger, dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Noch bis zum 22. März läuft das offizielle Beteiligungsverfahren zu den vorgeschlagenen Fischereimaßnahmen der Umwelt- und Landwirtschaftsministerien. In einer gemeinsamen Stellungnahme zeigen sich die deutschen Umweltverbände allerdings wenig überzeugt von der Wirksamkeit einiger Vorschläge. Greenpeace, BUND, Deepwave, DNR, DUH, NABU, Schutzstation Wattenmeer, Whale & Dolphin Conservation und WWF haben den Katalog der Ministerien durchgearbeitet und einige schwere Mängel festgestellt.

Der grundlegende Punkt ist der: „Nur mit der Einrichtung von fischereifreien Zonen können die Schutzgebiete ihrer Funktion als Refugien für bedrohte Arten und als natürliche Lebensräume gerecht werden“, so die Stellungnahme der Verbände. „Mindestens die Hälfte der Schutzgebiete müssen ohne menschlichen Einfluss wie zerstörerische Fischereien sein.“ Dieser Ansicht schließen sich die Ministerien bislang noch nicht an. Striktere Fischereimaßnahmen wie zum Beispiel der Ausschluss von Grundschleppnetzen und Stellnetzen müssen ausgeweitet werden.

Besonders kritisch bewerten die Umweltverbände die Maßnahmen für das Sylter Außenriff, der Kinderstube des Schweinswals. Die Tiere sind hier das ganze Jahre über in großer Anzahl anzutreffen, ein Verbot der Stellnetzfischerei wird allerdings nur von Anfang März bis Ende Oktober in Betracht gezogen. Die Gefahr, dass in den anderen Monaten Schweinswale im Beifang landen, ist hoch.

Krabbenfischerei widerspricht dem Sinn des Schutzgebiets

Geradezu absurd ist der Vorschlag der Bundesministerien, das östliche Sylter Außenriff für die Krabbenfischerei geöffnet zu lassen: Eine Maßnahme, deren geringer wirtschaftlicher Nutzen im krassen Widerspruch steht zum angerichteten Schaden. „Diese Ausnahmeregelung für Krabbenfischerei konterkariert das Wort Schutzgebiet“, so Thilo Maack, Meeresbiologe und Greenpeace-Experte für Ozeane. „Die eingesetzten Fanggeräte schädigen nachweislich den Meeresboden.“ Eine Schließung des Gebiets hätte für die heimischen Krabbenfischer zudem kaum Fangeinbußen zur Folge – mit unter drei Prozent ist ihr Jahresfanganteil dort verschwindend gering.

In der deutschen AWZ, der Ausschließlichen Wirtschaftszone in der Nordsee, fischen auch andere EU-Länder. Ist der Maßnahmenkatalog endlich festgezurrt, müssen Dänemark, die Niederlande, Großbritannien, Belgien und Frankreich ihm erst zustimmen, die endgültige Entscheidung fällt dann die Europäische Kommission. Neun Jahre sind ins Land gezogen, seit zehn Gebiete in Nord- und Ostsee unter den Schutz von Natura 2000 gestellt wurden. Passiert ist seitdem wenig. An der Nordsee sind die Ministerien immerhin dran – jetzt müssen schnell vergleichbare Regelungen für die Ostsee erarbeitet werden. Denn die Zeit für die deutschen Meere wird knapp.

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