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Golden Rice: Propaganda der Gen-Industrie

Kennen Sie Golden Rice? Das scheint der neueste Hoffnungsträger der Gentechnik-Industrie zu werden. Der erste Schritt dazu erfolgte am Freitag: Ingo Potrykus, der Erfinder des Gen-Reises, erklärte auf einer Konferenz in Zürich, dass eine neue Generation der Gen-Pflanze bis zu zehnmal mehr Pro-Vitamin A enthalten solle als die vor fünf Jahren präsentierte erste Generation. Greenpeace sieht darin den Versuch des Gentechnik-Konzerns Syngenta, der den Goldenen Reis finanziert, durch geschickte Desinformation die Aktzeptanz für Gen-Pflanzen in der Öffentlichkeit zu erreichen.

Diese Alibifunktion wurde am Freitag deutlich, als Potrykus die Golden Rice-Veranstaltung nutzte, um die derzeitige rechtliche Regulierung für Gen-Saaten anzugreifen. Er forderte, dass Gen-Pflanzen wie herkömmliche Pflanzen behandelt werden müssten. Eine Risikoeinschätzung für die Umwelt oder die Gesundheit sei überflüssig.

Syngenta gibt vor, Menschen mit Vitamin-A-Mangel helfen zu wollen, kritisierte Christoph Then, Gentechnikexperte bei Greenpeace, nach der Konferenz in Zürich. Aber Potrykus' Attacke zeigt, dass die Gentechnik-Industrie den Gen-Reis dazu benutzt, um ihre Gen-Saaten leichter vermarkten zu können. Allem Anschein nach schreckt die Industrie nicht davor zurück, kranke Menschen vorzuschieben, um ihre Gentechnik loszuwerden.

Wie wenig der Nutzen für Not leidende Menschen die Forscher und die Gentechnik-Industrie interessiert, kann man an Folgendem ersehen: Auch nach fünf Jahren intensiver Forschung an dem Reis konnte niemand sagen, wie viel Pro-Vitamin A nach dem Kochen des Gen-Reises noch übrig bleibt. Geschweige denn, wie viel des Pro-Vitamins vom menschlichen Körper überhaupt aufgenommen wird. Und - ganz im Sinne Potrykus' - es fehlt jegliche Risikoabschätzung.

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