Kanadas größter gemäßigter Küstenregenwald endlich geschützt

Zukunft für den Großen Bären

Großer Erfolg in Kanada: Mehr als drei Millionen Hektar des Great-Bear-Regenwaldgebietes sind endlich langfristig vor Abholzung geschützt – ein Gebiet der Größe von Belgien.

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Der größte gemäßigte Küstenregenwald Kanadas ist endlich vor der Säge sicher. „Nach fast 20 Jahren zäher Verhandlungen und weltweiter Aktionen kann im Great-Bear-Regenwald endlich Ruhe einkehren", freut sich Sandra Hieke, Waldexpertin von Greenpeace Deutschland.

Die Zerstörung der Wälder weltweit schreitet dramatisch voran: Laut offiziellen Schätzungen gingen zwischen 2010 und 2015 jährlich rund 9 Millionen Hektar Wald verloren – eine Fläche größer als Österreich. Mit jedem Wald verschwindet wichtiger Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tierarten; riesige Mengen an Kohlenstoff werden freigesetzt. Doch der Kampf um den Erhalt des Great-Bear-Regenwaldes an der Westküste Kanadas ist endlich gewonnen.

Langer Weg zum Waldschutz

Nach fast 20 Jahren hat die Regierung von British Columbia sich endlich mit Vertretern der Umweltschutzorganisationen Greenpeace, Sierra Club British Columbia und ForestEthics sowie mehr als 20 First Nations und Forstfirmen darauf geeinigt, dass auf über drei Millionen Hektar des Great-Bear-Regenwaldes industrielle Holznutzung verboten ist.

Bereits Ende der 1990er Jahre protestierte Greenpeace erstmals gegen die Zerstörung dieses einzigartigen Lebensraumes. Es folgten weltweite Aktionen, jahrelange Verhandlungen, Info- und Recherchereisen in die Region und wissenschaftliche Empfehlungen. 2001 beschloss man einen ersten Einschlagstopp; bereits 2006 und 2009 konnten Teile des Great-Bear-Regenwaldes unter Schutz gestellt werden. Doch erst jetzt konnten sich alle beteiligten Interessengruppen auf ein umfassendes Schutzkonzept einigen, dass 85 Prozent der bewaldeten Fläche des Great-Bear-Regenwaldgebietes vor industriellem Holzeinschlag geschützt werden sollen.

Mehr Schutzgebiete sind nötig

Der Schutz des Great-Bear-Regenwaldes an der Westküste Kanadas ist international beispielhaft. Doch Hieke mahnt: „Wenn wir die in Paris vereinbarten internationalen Klimaziele erreichen wollen, brauchen wir weltweit mehr Schutzgebiete in Wäldern. Zudem benötigen wir eine ökologisch und sozialverträgliche Bewirtschaftung, um den Rohstoff Holz nachhaltig zur Verfügung stellen zu können. Auch andere Regierungen sollten sich dies zu Herzen nehmen.“

Wissenschaftler schätzen, dass Entwaldung und ökologische Verschlechterung von Wäldern Bruttoemissionen von rund vier Milliarden Tonnen CO2 jährlich verursachen. Dies entspricht mehr als einem Drittel der jährlichen weltweiten Treibhausgas-Emissionen aus fossilen Energieträgern – Wälder sind wahre Kohlenstoffvorratskammern: Im Holz der Bäume sowie im Waldboden sind riesige Mengen Kohlenstoff langfristig gespeichert. Durch Abholzen und Umwandlung des Holzes in kurzlebige Produkte wie Papier wird der Kohlenstoff jedoch zeitnah freigesetzt.

Für einen der letzten verbliebenen gemäßigten Küstenregenwälder der Erde hat sich die Hartnäckigkeit der Umweltverbände und Vertreter der First Nations ausgezahlt: Die indigene Bevölkerung Kanadas bekommt mehr Mitbestimmungsrechte in ihren Gebieten, und Tieren wie dem Kermodebär wird nicht länger kostbarer Lebensraum genommen. Diese Tiere, darunter sogenannte Geisterbären mit hellem Fell, sind lediglich in dieser Region anzutreffen.

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