Aktualisierter Fischratgeber von Greenpeace

Nachhaltig konsumieren

Den Meeren zuliebe: wenn Fisch auf den Tisch, dann selten und bewusst.

Wegweisender Einkaufshelfer

Welcher Hering ist in Ordnung, und welcher kriegt die rote Karte? Der neue Einkaufsratgeber Fisch schafft Orientierung an Kühltruhe und Frischetheke.

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Überfischung und umweltzerstörendende Fangmethoden wecken beim Fischkauf oft das schlechte Gewissen. Der Greenpeace-Einkaufsratgeber Fisch zeigt, welche Fischprodukte im Einkaufskorb landen dürfen – und von welchen man den Meeren zuliebe besser die Finger lässt. Grundsätzlich gilt jedoch: Weniger ist mehr. Den Ratgeber gibt es auch als App zum Download – für iOS und Android.

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Nicht jedes Fischprodukt ist gleichermaßen ökologisch vertretbar. Viele Speisefischbestände sind überfischt oder am Rande der Überfischung, sensible Ökosysteme werden durch zerstörerische Fangmethoden oder Abwässer von Zuchtfarmen geschädigt. Im Grunde bedeutet das: Wer weiterhin Fisch essen will, muss weniger Fisch essen – und bewusster.

Den Überblick zu behalten, welche Fischprodukte man bedenkenlos einkaufen kann, ist allerdings nicht ganz einfach: Karpfen ist grundsätzlich in Ordnung, Aal und Makrele sind es beispielsweise nicht. Über Faustregeln hinaus hilft der Greenpeace-Fischratgeber, der jetzt in einer aktualisierten Fassung erscheint.

Auf Papier im Taschenformat, als App und als praktisches Kühlschrankposter soll der Ratgeber Orientierungshilfe beim Fischeinkauf geben. Denn auch bei grundsätzlich noch vertretbaren Arten wie Hering oder Wels kann es, je nach Herkunft, große Unterschiede in Sachen Nachhaltigkeit geben. „Um eine umweltbewusste Wahl zu treffen, reicht der Blick auf die Fischart allein deshalb nicht aus“,  erklärt Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meere. Hering aus bestimmten Sub-Fanggebieten des Nordost- und Nordwestatlantiks lässt man beispielsweise besser liegen.

Beim Einkauf Meeresschützer werden

Dank des Fischratgebers kann der Verbraucher aktiv zum Schutz der Meere beitragen: Die Nachfrage bestimmt schließlich das Angebot – gelangt weniger Fisch aus überfischten Beständen oder geschwächten Ökosystemen in den Handel, haben diese die Möglichkeit, sich zu erholen. Außerdem gibt der Fischratgeber dem Verbraucher Informationen an die Hand, um an der Fischtheke oder im Restaurant gezielt nachfragen zu können. Gegebenenfalls kann man als Kunde seinen Supermarkt oder sein Lieblingsrestaurant dazu anzuhalten, das Angebot künftig nachhaltiger auszurichten.

Gütesiegel reichen nicht

Gütesiegel, wie sie verschiedene Hersteller auf ihre Produkte kleben, sind für eine Kaufentscheidung mit gutem Gewissen allerdings nicht aussagekräftig genug. Derzeit ist aus Greenpeace-Sicht keine Zertifizierung für Fischprodukte auf dem Markt, auf die der Verbraucher uneingeschränkt vertrauen kann.

Rund 115 Arten hat Greenpeace in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern bewertet. Dabei wurden 550 Wildfischbestände betrachtet sowie 120 Zuchtmethoden, die von Land zu Land jeweils unterschiedlich sind. Die Bewertung berücksichtigt bei Wildfischereien neben dem Zustand des jeweiligen Fischbestands auch, inwieweit sich die Fangmethode auf die Umwelt auswirkt. Bei Aquakulturen wiederum spielen etwa die Herkunft der Eier beziehungsweise der Jungtiere, die Zusammensetzung des Futters sowie die Einhaltung von Menschenrechten der Arbeiter in den Aufzuchtstationen eine Rolle. Damit gehen die Greenpeace-Bewertungen deutlich weiter als viele der im Handel vertretenen Gütesiegel.

Dennoch ist eine Empfehlung des Fischratgebers keine Unbedenklichkeitserklärung für ungebremsten Konsum. Abgesehen von der „grünen“ Bewertung einzelner Wildfischereien und Aquakulturen rät Greenpeace grundsätzlich zu einem bedachteren Umgang mit Fisch als Lebensmittel. „Fisch sollte als Delikatesse betrachtet werden, für die man sich selten und bewusst entscheidet“, so Schöttner. Von Fischindustrie und Einzelhandel fordert Greenpeace eine durchgängig nachhaltige und transparente Vorgehensweise bei Produktion und Einkauf.

Umweltschonende Fangmethoden für nachhaltigen Fischkonsum

Ein verändertes Verbraucherverhalten ist ein wichtiger Schritt, den Lebensraum Meer zu schützen. Für dieses Ziel muss auch die Politik aktiv werden. Nur mit großflächigen Schutzgebieten, weniger Fischfang und alternativen Fangmethoden gibt es die Chance, die Artenvielfalt in den Meeren zu erhalten und uns Menschen langfristig mit Fisch zu versorgen.

Dies kann zum Beispiel mit einer umweltschonenden Küstenfischerei gelingen. Sie hat eine jahrhundertelange Tradition und ist, anders als die industrielle Fischerei, nicht im großen Maßstab für die Überfischung verantwortlich. Eher ist sie eines ihrer Opfer. Eine Förderung der Küstenfischerei – sofern sie nachhaltig betrieben wird – würde maßgeblich helfen, die Fischereikrise mittelfristig zu bewältigen und unsere Meere zu schonen.

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Häufig gestellte Fragen

  • Wie und was wurde (für den Fischratgeber) bewertet?

    Greenpeace hat mit Wissenschaftlern eine Methode entwickelt, mit der Wildfischereien und Aquakulturen auf ihre Nachhaltigkeit bewertet werden können. Dabei werden Schlüsselfragen zu Fang- bzw. Zuchtpraktiken gestellt. Insgesamt wurden für den Fischratgeber 2016 rund 115 Arten bewertet, unterteilt in 550 Wildfischbestände und 120 Herkunftsländer von Aquakulturen. Die Auswahl orientiert sich an den gängigen Fischprodukten im deutschen Handel.

  • Was bedeuten die Ausnahmen?

    Fischarten haben unterschiedliche Bestände, die in verschiedenen Gesundheitszuständen sind und mit unterschiedlichen Fangmethoden befischt werden. Auch bei Aquakulturen gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Zuchtmethoden. Wird die Mehrheit der Wildfischereien bzw. Aquakulturen einer Art als „nicht nachhaltig“ bewertet, erhalten diese im Greenpeace-Fischratgeber eine rote Markierung. Nachhaltige Alternativen werden als grün markierte Ausnahmen angegeben, und umgekehrt ebenso.

  • Wozu (Sub-)Fanggebiete?

    Die Welternährungsorganisation FAO teilt die Ozeane in Fanggebiete, denen sie Nummern zugeordnet hat. Diese Fanggebiete sind riesig: Der Nordostatlantik (FAO 27) etwa reicht von der Arktis bis Gibraltar und vereint mehrere Fischbestände einer Art. So hat der Kabeljau (Gadus morhua) 13 Bestände allein im Fanggebiet FAO 27. Die Fanggebiete der FAO werden durch wissenschaftliche Institutionen oder Fischereimanagementorganisationen in Sub-Fanggebiete unterteilt, um Bestandsschätzungen und Fischereimanagement zu ermöglichen.

  • Was sagen Gütesiegel aus?

    Oft handelt es sich bei Gütesiegel lediglich um selbst entwickelte Labels der Produzenten. Es gibt aber auch Siegel, die anhand speziell entwickelter Zertifizierungsstandards von unabhängigen Institutionen verliehen werden. Jedes Gütesiegel ist deshalb nur so gut wie die Standards, die ihm zugrunde liegen. Leider ist derzeit kein Gütesiegel für Fischprodukte auf dem Markt, das aus Greenpeace-Sicht uneingeschränkt empfohlen werden kann. Denn keines kann garantieren, dass alle zertifizierten Produkte aus wirklich nachhaltigen, umweltschonenden Wildfischereien beziehungsweise Aquakulturen stammen. Um auf Nummer sicher zu gehen, gilt es deshalb trotz Gütesiegel die Produktangaben mit dem Greenpeace Fischratgeber zu vergleichen.

  • Forderungen

    • Eine transparente und nachhaltige Einkaufspolitik für Fisch und Meeresfrüchte in Industrie und Handel
    • Ein nachhaltiges Fischereimanagement
    • Großflächige Meeresschutzgebiete

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Einkaufsratgeber Fisch

    Die Meere und ihre Fischbestände müssen geschützt werden – und jeder Verbraucher kann dazu beitragen: mit der sorgfältigen Auswahl beim Fischeinkauf. Stammt der Fisch aus nachhaltigem Fang? Ist die Art bedroht? Oder gar schon überfischt?