Deutschland ist erneuerbar

Energiewende - jetzt!

Deutschland kann sich bis 2050 fast komplett aus Erneuerbaren Energien versorgen. Doch die Energiewende ist nur zu schaffen, wenn die Politik sie durchsetzt

Das Zeitalter der Erneuerbaren beginnt

Atom- und Kohlekraftwerke sind Vergangenheit. Für den Strom sorgen Wind, Wasser, Sonne, Biomasse – zu einem deutlich günstigeren Preis als heute. Technische Geräte verbrauchen 20 Prozent weniger Strom und unsere Autos zwei Drittel weniger Sprit. Wir sparen Milliarden Euro an Brennstoffimporten und die Kommunen erzeugen ihre Energie selber - das schafft Einkommen und Arbeitsplätze.

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Noch ist dies eine Vision. Doch für Greenpeace hat die Energiewende oberste Priorität.

Energie-(R)Evolution mit Plan

Eine vollständige Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien bis 2050 ist machbar. In der Studie „Plan B 2050“ zeigt Greenpeace, wie dieses Ziel schrittweise erreicht werden kann: Demnach gehen bis 2015 alle Atomreaktoren vom Netz, bis 2040 würde jegliche Form der  Kohleverstromung beendet, und bis 2050 gäbe es auch die Brückentechnologie Gas im Stromsektor maximal als Reserve. So wird die Energiewende gleichzeitig zum Motor beim Klimaschutz: Bis 2050 kann der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in Haushalten und Industrie um rund 90 Prozent gesenkt werden.

Atomausstieg bis 2015

Nach Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke und des AKW Krümmel im Frühjahr 2011 sind in Deutschland noch neun AKW in Betrieb. Diese können laut Greenpeace-Konzept bis 2015 vom Netz gehen – zur Sicherheit der Menschen und Vorsorge vor Katastrophen, wie sie sich zuletzt im japanischen Fukushima ereignet hat. Der Strom wird aus heimischen Erneuerbaren Energien und bestehenden Stein- und Braunkohlekraftwerken sowie Erdgas und Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen.

Raus aus der Kohle bis 2040

Neue Kohlekraftwerke müssen nicht mehr gebaut werden. Denn bis 2030 verabschiedet sich Deutschland von allen Braunkohle- und den großen Steinkohlekraftwerken, ab 2040 sollte der Strommix komplett kohlefrei  sein. Die Erneuerbaren Energien liefern bis 2030 rund 60 und bis 2040 rund 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Zugleich wird Energie zunehmend effizienter genutzt: minus 16 Prozent Stromverbrauch bis 2030, minus 30 Prozent Verbrauch im Wärmesektor, z. B. durch Wärmedämmung in Haushalten.

Das Zeitalter der Erneuerbaren beginnt

Endspurt zur kompletten Energieversorgung durch Erneuerbare Energien: Gaskraftwerke werden kaum noch gebraucht, sondern dienen maximal als Reserve. Strom wird effizienter erzeugt, auch die Landwirtschaft arbeitet bis 2050 ökologisch, Autos verbrauchen 1,5 Liter auf hundert Kilometer, die Hälfte der Flotte fährt mit sparsamen Elektroautos und Ökostrom. Deutschland braucht 95 Prozent weniger Energieressourcen aus dem Ausland und kann seine  Emissionen um rund 90 Prozent reduzieren. Um bis 2050 auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzusteigen, kommt es in den nächsten Jahren vor allem darauf an, ein dezentrales Netz flexibler Kraftwerke aufzubauen. Das genaue Gegenteil also von Atomreaktoren und riesigen Braunkohlekraftwerken, die sich nicht schnell und gefahrlos regulieren lassen!

Zukunftsfähig: Energie dezentral

Dezentrale Energieversorgung bedeutet, die Energie nahe am Verbrauchsort zu erzeugen. Idealerweise werden Strom und Wärme gemeinsam produziert und über ein lokales Netz an Privathaushalte, Bürogebäude und Gewerbeeinrichtungen verteilt – die sogenannte Kraft-Wärme- Kopplung (KWK). Dabei können über 80 Prozent der Eingangsenergie genutzt werden. Bei  herkömmlichen zentralen Kraftwerken, die mit fossilen oder nuklearen Energieträgern laufen, ist dies nur ein Bruchteil: 35 bis 45 Prozent.

Zum Weiterlesen:

Antworten auf zehn häufige Fragen zur Energiewende

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Häufig gestellte Fragen

  • Gehen bei uns in Folge des Atomausstiegs die Lichter aus?

    Nein. Deutschland hat noch immer Überkapazitäten im Strombereich. "Der Plan" von Greenpeace zeigt: Alle Atommeiler - derzeit noch acht - hätten bis 2015 ersetzt werden können. Derzeit sind 51 Kraftwerke in Bau, darunter knapp 20 Gaskraftwerke und zehn Offshore-Windparks (Gesamtkapazität rund 30.000 Megawatt). Hinzu kommen bis 2020 über 50.000 Megawatt Kapazität an Erneuerbaren Energien. Zudem hat Deutschland große Potentiale, Strom zu sparen und effizienter zu nutzen. 

  • Müssen wir jetzt Atomstrom aus Frankreich oder Osteuropa importieren?

    Deutschland exportiert und importiert Strom seit Jahren. Das Problem: Stromhändler versorgen sich auf dem europäischen Strommarkt immer mit dem günstigsten Strom – und der kann zeitweise auch aus französischen Atomkraftwerken kommen. Obwohl die Kapazitäten in Deutschland ausreichen würden, den eigenen Strombedarf zu decken. Zu anderen Zeiten exportiert Deutschland wiederum Windstrom nach Frankreich. 

  • Sind Wirtschaft und Arbeitsplätze in Gefahr?

    Bei den Erneuerbaren Energien sind bisher über 380.000 Jobs in Deutschland entstanden - rund sechsmal so viel wie in der Atom- und Kohleindustrie zusammen. Die Investitionen in saubere Energien kommen uns allen zu Gute: Sie bleiben im Land als Windparks oder Solaranlagen, die keine Brennstoffkosten mehr verursachen. Der Boom der EE schont die Umwelt und sichert Deutschland einen weltweiten Spitzenplatz beim Export grüner Technologie.   

  • Ist die Energiewende zu teuer?

    Den Ausstieg aus der Atomkraft gibt es nicht zum Nulltarif. Die Energiewende erfordert große Investitionen in neue Stromtrassen und Anlagen. Die Bundesregierung verschont die Industrie bisher jedoch weitgehend von den Kosten und bürdet sie vor allem dem privaten Stromkunden auf. Atom- und Kohlestrom können allerdings nur deshalb billiger sein, weil ihre realen Kosten und Risiken auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. 

  • Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf den Strompreis?

    Wie sich der Strompreis entwickelt, kann niemand mit Sicherheit voraussagen. Für Haushalte steigen die Kosten seit zehn Jahren kräftig. Obwohl alle Atomkraftwerke am Netz waren, haben sich die Preise um knapp 50 Prozent erhöht. Die Energiekonzerne machten in dieser Zeit Rekordgewinne von über 100 Milliarden Euro. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für den Großhandelsstrompreis nur geringe Auswirkungen als Folge der Energiewende.

  • Forderungen

    • Beschleunigter Atomausstieg
    • Braunkohleausstieg bis 2030, Steinkohleausstieg bis 2040
    • 60 Prozent Erneuerbare bis 2030, 80 Prozent bis 2040, 100 Prozent bis 2050

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Energy [R]evolution

    Die englischsprachige Greenpeace-Studie sagt: Erneuerbare können die Welt ab 2050 zu 100 Prozent mit Energie versorgen.