Appell an Welterbe-Komitte: Great Barrier Reef bewahren!

Riffschutz per Handschlag

Das UNESCO-Welterbe-Komitee tagt in Bonn. Auch junge Greenpeace-Aktivisten waren vor Ort – für den Schutz des Great Barrier Reefs.

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Eine persönliche Begrüßung für beinahe jeden: Knapp 30 Greenpeace-Jugendliche waren bei der 39. Tagung des UNESCO-Welterbe-Komitees in Bonn vor Ort und hießen zahlreiche der fast 3000 Teilnehmer auf ihre Art Willkommen – „High-five“ fürs Great Barrier Reef. Denn die Teenager waren mit einem klaren Anliegen nach Bonn gekommen: Schützt das Riff! Ein Thema, das auch auf der Agenda der UNESCO-Delegierten stand.

Bei ihnen wollten die Greenpeace-Jugendlichen (JAGs) Überzeugungsarbeit leisten, denn sie alle sind leidenschaftliche Meeresschützer – und sie fürchten, dass der von Australiens Regierung geplante Kohleabbau an der Nordostküste des Landes das gefährdete Korallenriff zerstören könnte.

Unterstützung von Riffschützern weltweit

Mit dieser Angst sind die Jugendlichen nicht allein, und deshalb kamen sie auch nicht mit leeren Händen. Sie überbrachten Prof. Dr. Maria Böhmer (CDU), Vorsitzende des Welterbe-Komitees, die Unterschriften von mehr als 170.000 Menschen. Die hatten weltweit innerhalb nur weniger Wochen für den Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes Great Barrier Reef unterzeichnet – die Petition erreichte nun symbolisch die Komitee-Vorsitzende.

Staatsministerin Böhmer war beeindruckt von der „tollen Zahl“ – und von dem mehrere Quadratmeter großen Graffiti des Great Barrier Reef, das Künstler anlässlich der Tagung angefertigt hatten. Es zeigt das Riff als artenreiches Naturwunder auf der einen und als sterbende Unterwasserwelt auf der anderen Seite.

UNESCO als Hüterin des Weltnaturwunders

Die UNESCO zeichnete das Riff bereits 1981 als Weltnaturerbe aus. Es ist das größte Korallenriff der Erde; seine Fläche entspricht etwa der Deutschlands. Und es ist Lebensraum unzähliger Meerestiere, darunter seltene und bedrohte Arten wie Dugongs oder Meeresschildkröten. Doch das empfindliche Ökosystem ist in einem schlechten Zustand. Allein in den vergangenen 30 Jahren schwand bereits die Hälfte der Korallendecke durch menschlichen Eingriff und Klimawandel. Dennoch will die australische Regierung Millionen Kubikmeter Meeresboden ausbaggern und unzählige Kohlefrachter durch das Riff schicken.

Wie die UNESCO den Schutz des Great Barrier Reefs sicherstellen will, muss sie in den nächsten Tagen entscheiden. Alle Kriterien, es auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen, sind bereits erfüllt. Und führende Wissenschaftler warnen: Riffschutz oder Kohleabbau – beides zusammen geht nicht. Das Welterbe-Komitee muss deshalb ein deutliches Signal für den Erhalt des Unterwasserjuwels abgeben.

Zwar hat die australische Regierung auf Druck der UNESCO bereits einen Nachhaltigkeitsplan für das Great Barrier Reef vorgelegt, doch der überzeugt Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meere, nicht: „Der Reef-2050-Plan ist nur ein Blendwerk mit vielen Hintertürchen; den zerstörerischen Kohleausbau wird er nicht verhindern“, sagt sie. Die UNESCO dürfe sich nicht täuschen oder hinhalten lassen. „Wenn Australien sein Kohleprojekt wie geplant durchsetzt, droht dem Riff eine ökologische Katastrophe.“

Die zu verhindern, ist auch die Herzensangelegenheit jedes einzelnen Greenpeace-Jugendlichen, der die Welterbe-Delegierten in Bonn per Handschlag begrüßte: ein Appell für den Riffschutz – „High-five“ für das Überleben von Korallen, Meeresschildkröten und Dugongs.

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