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Karte der Region Fukushima in Japan, die die Ausbreitung der Strahlung nach der Atomkatastrophe im März 2011 im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zeigt.
© Daniel Müller / Greenpeace

Fukushima Reaktorkatastrophe

Die mehrfache Katastrophe in Japan

Der 11. März 2011 versetzte Japan in einen Ausnahmezustand, die Folgen sind bis heute zu spüren. Die dreifache Katastrophe von Erdbeben, Tsunami-Flutwelle und Super-GAU traf das Land bis ins Mark.

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Als einer der schlimmsten Schicksalstage Japans ging der 11. März 2011 in die Geschichte ein. Eine Dreifach-Katastrophe suchte das hochtechnisierte Industrieland heim: Ein Erdbeben in bisher nie dagewesener Stärke von 9.0, ein gewaltiger Tsunami und – dadurch ausgelöst – ein atomarer Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi mit fatalen Folgen.

Die bis zu 15 Meter hohe Tsunami-Welle überspülte einen 1000 Meter breiten Landstrich an der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu. Das Wasser brach auch über das AKW mit seinen sechs Atomreaktoren herein – der Beginn einer nuklearen Katastrophe.

Große Teile der japanischen Landesfläche wurde rund um Fukushima Daiichi kontaminiert. Mehr als 22.000 Menschen verloren durch Erdbeben und Tsunami ihr Leben, Hunderttausende mussten aufgrund der radioaktiven Verseuchung evakuiert werden. Die gesundheitlichen Folgen wiegen schwer: Viele Weitere leiden unter Traumata, bei Kindern treten zudem vermehrt Schilddrüsenerkrankungen auf. Im Oktober 2015 bestätigte das japanische Gesundheitsministerium offiziell den ersten Leukämiefall eines Arbeiters in der havarierten Atomanlage, der in direktem Zusammenhang mit dem Unglück steht. Unter den sozialen Folgen der Katastrophe leiden besonders Frauen und Kinder – und das zunehmend. 

Zunächst stellten Gerichte eine Mitschuld des Staates fest: Bekannte Tsunami-Risiken waren unterschätzt und notwendige Schutzmaßnahmen nicht angeordnet worden. Die Katastrophe galt daher als vermeidbar, da sowohl der Staat seine Aufsichtspflicht verletzte als auch der Betreiber Tokyo Electric Power Company trotz absehbarer Gefahren keine ausreichenden Vorkehrungen traf.

Im Juni 2022 entschied jedoch das Supreme Court of Japan, dass der Staat nicht für die Schäden der Atomkatastrophe von Fukushima haftbar gemacht werden kann. Viele Betroffene fühlen sich dadurch erneut im Stich gelassen. Unterstützungen wurden gekürzt und Evakuierungsanordnungen aufgehoben. Zwar sind die Strahlenwerte gesunken, doch die positive Darstellung des Wiederaufbaus überdeckt weiterhin bestehende Probleme: In vielen Orten fehlen soziale Infrastruktur und Versorgung, zahlreiche Häuser stehen leer oder sind verfallen. Die Opfer von damals bleiben auch die Opfer von heute.

Greenpeace-Strahlenmessung bei Fukushima 03/27/2011
Christian Åslund / Greenpeace

Fukushima: Chronologie der Atomkatastrophe

Überblick

Am 11. März 2011 erlitt Japan ein schweres Erdbeben, gefolgt von einem Tsunami und einem atomaren Unfall im Atomkraftwerk Fukushima. Diese Chronologie schildert den Ablauf der Atomkatastrophe.

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Die Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zwang die Bäuerin Miyoko, ihren Mann und ihre Enkelin, in eine kleine Wohnung im Stadtzentrum zu evakuieren und die Landwirtschaft aufzugeben. Der Bauernhof liegt in der Zone zur Vorbereitung auf die Evakuierung, die 20-30 km vom Kernkraftwerk Fukushima Daiichi entfernt ist.
Noriko Hayashi / Greenpeace

Fukushima: Folgen für Frauen und Kinder

Nachricht

Frauen und Kinder leiden ganz besonders unter der Atomkatastrophe von Fukushima: körperlich, psychisch, finanziell und sozial. Das zeigt der Greenpeace-Report "Unequal Impact"

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Japans GAU- der Unfallablauf

Die Wucht der Tsunami-Welle ließ die Kühlung der Atomreaktoren im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ausfallen. Die Brennelemente im Reaktor erhitzten sich zunehmend, es kam zu Wasserstoffexplosionen. In den Blöcken 1, 2 und 3 kam es zu Kernschmelzen. Schließlich kam es in den drei Reaktoren zu Explosionen; große Mengen radioaktiver Strahlung traten aus. Mindestens 60.000 Menschen mussten ihre Häuser sofort verlassen, insgesamt verloren ca. 160.000 Menschen ihr Zuhause.

Der Atomkraftwerksbetreiber, die Tokyo Electric Power Company (TEPCO), hat in den vergangenen Jahren hunderttausende Arbeiter:innen eingesetzt, um die Lage in Fukushima unter Kontrolle zu bringen und die Region von der radioaktiven Kontamination zu säubern.

Aufräumarbeiten teilweise erfolglos

Die Aufräumarbeiten hatten nur einen gewissen Erfolg. Selbst auf dekontaminierten Flächen wurden bei Messungen von Greenpeace weiterhin Hotspots mit erhöhten Strahlenwerten festgestellt. Ein zentrales Problem besteht darin, dass angrenzende, nicht dekontaminierte Gebiete – insbesondere Wälder – durch Regen und Wind erneut radioaktive Partikel auf bereits gereinigte Flächen eintragen. Dass Familien mit Kindern unter diesen Umständen besorgt sind, ist daher nachvollziehbar. 

Ein weiteres Problem ist die unzureichende Haftung der Atomindustrie. Eine Greenpeace-Studie zeigt, dass die juristische Verantwortung für Atomkatastrophen nur teilweise den Verursachern zugeschrieben wird. Selbst wenn es Hinweise darauf gibt, dass ein Kernkraftwerk oder Bauteile fehlerhaft waren, haften nur die Kraftwerkbetreiber und nicht auch die Hersteller der Bauelemente. Nur selten sind die Betreiberkonzerne allein dazu in der Lage, die entstandenen Kosten zu übernehmen. Nach dem Unfall in Fukushima wurde das verantwortliche Unternehmen TEPCO von der japanischen Regierung verstaatlicht. Die finanziellen Schäden wurden damit auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Karte der beschädigten japanischen Kernkraftwerke

Karte der am 11. März beschädigten Atomkraftwerke in Japan.

Greenpeace misst Strahlung in Fukushima

Gleich nach dem Unfall fuhren im April 2011 erstmals Greenpeace-Expert:innen nach Fukushima, um die radioaktive Belastung der Häuser, Straßen, Dörfer, Wälder, Wiesen und Lebensmittel zu messen. Auf dieser Karte finden sich die genauen Orte und Ergebnisse der Probenahmen. Zahlreiche Messungen außerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone zeigten, dass die Strahlung an vielen Hotspots eine ernsthafte Bedrohung der Gesundheit darstellt. Das Greenpeace-Team fand nahe Tsushima, 30 Kilometer von der Atomruine entfernt, Strahlung bis zu 47 Mikrosievert pro Stunde. Bei solchen Werten ist die erlaubte maximale Jahresdosis in weniger als 24 Stunden erreicht. Die Behörden hatten von 32,7 Mikrosievert pro Stunde gesprochen. Greenpeace forderte, die Zone auf 30 Kilometer auszuweiten, doch erst Wochen später  reagierte die japanische Regierung auf die Warnungen. Viele Bewohner:innen der Region Fukushima fühlten sich von der Regierung und von TEPCO hinters Licht geführt.

Greenpeace schickte im Mai 2011 außerdem ein Team aus Expert:innen mit dem Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior in die Gewässer vor der Küste FukushimasDie Meeresalgen waren teils so hoch verstrahlt, dass eine Messung vor Ort nicht möglich war. Unabhängige Labore in Frankreich und Belgien bestätigten, dass die Verstrahlung der Algen teils mehr als 50-fach über den erlaubten Grenzwerten lag. Algen sind in der japanischen Küche ein Grundnahrungsmittel. Auch die meisten Proben von Fisch und Meeresfrüchten waren über die in Japan erlaubten Höchstwerte hinaus belastet.

Meer vor Kernkraftwerk Fukushima belastet

Im Februar 2016, fünf Jahre nach dem Atomunglück, untersuchte ein Greenpeace-Team drei Wochen lang mit Hilfe eines Unterwasser-Roboters (Remotely Operated Vehicle ROV) die radioaktive Belastung der Flüsse und des Meeresbodens vor der Küste Fukushimas. Das ROV ist mit einem hochsensiblen Gammastrahlen-Spektrometer und einem Probeentnahmegerät ausgestattet. 

Das Ergebnis: Der Meeresboden vor Fukushima wies eine Strahlenbelastung von 52 bis 120 Becquerel pro Kilogramm auf – vor dem Atomunglück waren es nur 0,25. Die Strahlung im Meereswasser ist weitgehend verdünnt, doch ist ungewiss, was die erhöhte Strahlung für das Ökosystem bedeutet, radioaktive Teilchen können sich etwa in Meerestieren anreichern. Auch die Flüsse wiesen in erhöhter Dosis radioaktives Cäsium-137 auf, welches noch jahrzehntelang in den Pazifik gespült wird.

Greenpeace hat viele Jahre lang in der betroffenen Region Radioaktivität gemessen und konnte oft deutlich höhere Strahlenwerte dokumentieren als die offiziellen Zahlen. Das liegt daran, dass bei Häusern von Betroffenen offiziell nur wenige Punkte vermessen wurden und zwar meist über dekontaminierten Stellen. Systematische Messungen mit hunderten oder tausenden Messpunkten, wie Greenpeace sie wiederholt vorgenommen hat, zeigten auch Hot-Spots und nicht dekontaminierte Stellen.

Dennoch konnten auch die Greenpeace-Messungen insgesamt einen deutlichen Rückgang der Strahlung feststellen.

Greenpeace-Strahlenmessung bei Fukushima 03/27/2011
Christian Åslund / Greenpeace

Fukushima: Strahlenmessungen von Greenpeace 2011 & 2012

Überblick

Schon die Messungen des Greenpeace-Strahlenteams in den ersten 12 Monaten in Fukushima zeigen: Bei den gemessenen Werten kommt in nur wenigen Tagen eine maximale Jahresdosis zusammen.

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Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior fährt fünf Jahre nach dem Unfall an dem zerstörten Kernkraftwerk Fukushima Daiichi vorbei. Die Umweltorganisation hat eine Unterwasseruntersuchung zu den Auswirkungen der radioaktiven Verseuchung des Pazifiks infolge der Atomkatastrophe von 2011 eingeleitet.
© Greenpeace

Fukushima: Strahlung im Meer

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Im März 2011 gingen vor dem AKW Fukushima gewaltige radioaktive Wolken auf den Pazifik nieder. Greenpeace-Messungen zeigen: Das Meer hat die Strahlung weitgehend verdünnt.

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Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital misst die Strahlung in der Region Fukushima
Christian Åslund / Greenpeace

Bericht aus Fukushima: Der Geschmack der Angst

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Seit dem Super-GAU reist Heinz Smital, Greenpeace-Experte für Atomkraft, jährlich für Strahlenmessungen nach Fukushima. Hier erzählt er von seiner Tour im vergangenen September.

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Fukushima 15 Jahre später 

Auch 15 Jahre nach dem Atomunfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi hat Japan mit den Folgen zu kämpfen. Vergangene Versuche, die Region von der Verstrahlung zu säubern, erzielten nicht die gewünschten Ergebnisse. Wird ein Dorf dekontaminiert, tragen Arbeiter:innen, dort, wo es möglich ist, eine fünf Zentimeter dicke Erdschicht ab und verstauen sie in Plastiksäcken. So gelingt es im Zentrum von Städten und Dörfern, an Straßen und ausgewählten Flächen die Strahlenbelastung deutlich zu reduzieren. Das Problem sind aber oft die angrenzenden hoch kontaminierten Wälder. Da es unmöglich ist, die verstrahlten Wälder, Landschaften, Berge und Flüsse auch wirklich zu säubern, sind auch die Dekontaminierungen der Städte und Dörfer nicht von Dauer. Immer wieder weht der Wind verstrahlte Partikel aus der umgebenden Natur in die bereits gesäuberten Gebiete und macht die bisher vorgenommenen Reinigungsmaßnahmen teilweise zunichte. 

Atommüll überall

Das abgetragene Material belastet die Anwohner:innen aber weiterhin. Viele solcher Atommülllager befanden sich oftmals mitten in Wohngebieten oder am Straßenrand. Inzwischen wurde ein zentrales Zwischenlager (Interim Storage Facility - IFS) eingerichtet. Über 14 Millionen Kubikmeter Atommüll wurden dort bereits eingelagert. Was dauerhaft mit ihnen passieren soll, ist bisher unklar. 

Dem Vorhaben der Regierung, die Region innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre zu säubern und wieder bewohnbar zu machen, liegt kein realistischer Plan zugrunde. Vielmehr ist es ein beständiger Kampf mit wenigen Fortschritten. 

Ausgetragen wird er von Arbeiter:innen aus ärmsten Verhältnissen, die oftmals keine andere Möglichkeit haben, um Geld zu verdienen. Teilweise rekrutieren die zuständigen Unternehmen Obdachlose auf der Straße, ohne dass diese darüber informiert werden, wie gefährlich die Arbeit ist. Vor Ort sind die Arbeitsschutzmaßnahmen oft unzureichend und die Arbeiter:innen werden nicht über ihre Rechte aufgeklärt. Im Jahr 2018 kritisierte die UN-Kommission für Menschenrechte die japanische Regierung für ihren Umgang mit den Dekontaminierungsarbeiter:innen.

Jahrestage in Fukushima:

Arbeiter beim Dekontaminieren der Strahlung auf einem Schulhof in Namie, Fukushima
© Shaun Burnie / Greenpeace

Acht Jahre nach Fukushima

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Die Region um das AKW Fukushima ist immer noch hoch verstrahlt, allen Säuberungsaktionen zum Trotz, so der aktuelle Greenpeace-Bericht. Im Fokus: das Leid der Aufräumarbeiter:innen.

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Luftbild vom Atomkraftwerk Fukushima
DigitalGlobe / CC BY-NC-ND 2.0

Fukushima: 10 Jahre danach

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Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

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Auswirkungen bis heute: kontaminierte Dörfer, Einleitungen ins Meer

Die Folgen der Katastrophe betreffen nicht nur die Menschen und Tiere auf dem Land, sondern auch die Meeresökosysteme des Pazifischen Ozeans vor der Küste von Fukushima. Noch immer müssen zur Kühlung der zerstörten Reaktoren täglich etwa 80 Tonnen Wasser in die Anlage gepumpt werden. Zusätzlich dringen rund 90 Tonnen Grundwasser in das beschädigte Kraftwerk ein – ein Problem, das unter anderem auf Konstruktionsmängel zurückgeführt wird.

Das radioaktiv kontaminierte Wasser wird gesammelt und in Tanks gelagert. Zwar konnte der Grundwasserzufluss durch Pumpensysteme und eine etwa 1,5 Kilometer lange Eiswand deutlich reduziert werden, dennoch befinden sich inzwischen rund 1,4 Millionen Tonnen belastetes Wasser auf dem Gelände des Betreibers Tokyo Electric Power Company. Die Reinigung erfolgt über eine große Prozessanlage, das Advanced Liquid Processing System (ALPS), das radioaktive Substanzen aus dem Wasser herausfiltern soll. Allerdings arbeitet das System weniger effektiv als erhofft: Rund 70 Prozent des bereits behandelten Wassers mussten erneut gereinigt werden.

Um Platz zu schaffen, begann Japan 2023 damit, aufbereitetes Abwasser einfach mit Meerwasser zu verdünnen und über eine Pipeline im Meer zu entsorgen. Dieser Prozess soll sich über 30 Jahre erstrecken. Weil weiterhin neues kontaminiertes Wasser entsteht, verringern sich die insgesamt gelagerten Mengen nur langsam. Es gibt anhaltende Kritik und Proteste von Umweltorganisationen, von Nachbarstaaten sowie von der Fischereiindustrie. Kritiker befürchten langfristige ökologische Folgen für den Pazifik, denn das Meer ist keine Müllkippe. 

Dunkle Wolken über Fukushima
Christian Åslund / Greenpeace

Kontaminiertes Wasser bedroht Umwelt in Fukushima

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Mit bewussten Fehleinschätzungen wird der Plan gerechtfertigt, mehr als eine Million Tonnen radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer abzulassen. Greenpeace entkräftet diese Halbwahrheiten.

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Bereits am Anfang der Reaktorkatastrophe 2011 flossen ca. 520.000 Tonnen kontaminiertes Wasser direkt ins Meer. Teils durch Risse in der Anlage, teils durch kontrollierte Maßnahmen, um Platz zu schaffen für noch höher verstrahltes Wasser.

Im März desselben Jahres hatte der Wind den größten Teil der Strahlung aufs Meer hinausgeweht. Dieser Westwind war ein Segen – schützte er doch die Menschen an Land und vor allem in der Metropolregion Tokio vor noch größerer Verstrahlung. Die Küstenregion und das Meer jedoch wurden so radioaktiv belastet wie noch nie zuvor. Die Strömungen verteilten die Radioaktivität zwar im Pazifik, der Meeresboden wies dennoch eine erhöhte Strahlung auf. Auch danach floss immer wieder kontaminiertes Wasser ins Meer vor der Küste Fukushimas. Bis heute wäscht der Regen aus den umliegenden Bergen und Wäldern regelmäßig radioaktive Partikel in die Flüsse und schließlich in den Pazifik. Diese Belastung des Ozeans wird noch hunderte Jahre andauern. 

Keine Sicherheit mit Atomkraft

Die Situation in Fukushima macht noch einmal deutlich, wie unkontrollierbar die Auswirkungen von atomaren Katastrophen sind, auch über die ursprünglich betroffene Region hinaus. Insbesondere Wind, Regen, Flüsse und Meere können die Verseuchung noch tausende Kilometer weit tragen.

Zwei Arbeiter in einem Meer aus schwarzen Müllsäcken
Christian Åslund / Greenpeace

Radioaktive Müllberge in Fukushima

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Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Darauf reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

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Arbeiter und Greenpeace-Strahlenspezialisten in Namie, Präfektur Fukushima
Shaun Burnie / Greenpeace

Fukushima Report 2018: Rückkehr ins Ungewisse

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Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

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Mehrheit in Japan für erneuerbare Energien

Die Folgen des Super-GAUs sind noch lange nicht behoben. Daher ist es umso unverständlicher, dass die japanische Regierung seit dem Unglück im März 2011 insgesamt fünfzehn Reaktoren wieder hochgefahren hat:

Nach dem Nuklearunfall hatte Japan zunächst alle Atomkraftwerke abgeschaltet; fast zwei Jahre kam das Land sehr gut ohne Kernkraft aus. Dennoch ignoriert die japanische Regierung die Risiken für Mensch und Umwelt und hält an ihrem Atomkurs fest. Das ist besonders bedenklich, da Japan zu einem der am meisten von Erdbeben bedrohten Ländern der Welt gehört und aktive Vulkane in der Region nicht ungewöhnlich sind.  

Es gibt in der japanischen Bevölkerung auch Kritik an der bisherigen Atompolitik, weshalb die Inbetriebnahme vieler Reaktoren mit Protesten und Gerichtsverhandlungen einherging. Eine Mehrheit der japanischen Bevölkerung befürwortet den Ausbau erneuerbarer Energien. Dieser wäre aufgrund der geographischen Bedingungen in Japan problemlos möglich, da sie besonders gut für Wind- und Wasserkraft geeignet sind.

Auch fünf ehemalige Staatschefs von Japan (Morihiro Hosokawa, Tomiichi Murayama, Junichiro Koizumi, Yukio Hatoyama und Naoto Kan) haben 2021 eine gemeinsame Erklärung (parteiübergreifend) für einen Atomausstieg für Japan abgegeben, weil Atomkraft in einem seismisch aktiven Land wie Japan zu gefährlich ist und nur ein kompletter Atomausstieg (Zero Nuclear) moralisch zu verantworten ist.

Greenpeace fordert von der japanischen Regierung – wie übrigens auch von Frankreich, Belgien und anderen Atomnationen –  aus der Kernkraft auszusteigen und sich vom Einfluss der Atomlobby zu befreien. Die Katastrophe in Fukushima hat erneut klargemacht, dass sie nicht zu kontrollieren ist. Durch den Wiederbetrieb gefährdet Japans Regierung unzählige Menschenleben und weite Teile der Umwelt. Auch Japan braucht eine Energiewende!

(Der Artikel wurde am 7. März 2025 veröffentlicht und am 10. März 2026 aktualisiert.)

Protest zum Fukushima-Jahrestag 2013 in Tokio
© Noriko Hayashi / Greenpeace

Japans Rückkehr zur Atomkraft nach Fukushima

Hintergrund

Zwei Jahre lang war Japan atomkraftfrei. Doch wenige Jahre nach dem Gau in Fukushima fährt das Land einen Reaktor nach dem anderen wieder hoch – gegen den Widerstand der Bevölkerung.

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AKW Gundremmingen
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

AKW in Europa sind schlecht gegen Naturkatastrophen geschützt

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Hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima zu mehr Sicherheit in europäischen Atomkraftwerken geführt? Offenbar nicht: Ein aktueller Greenpeace-Bericht belegt die Versäumnisse.

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Häufig gestellte Fragen zu Fukushima

Was genau passierte in Fukushima?

In der japanischen Region Fukushima ereignete sich am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9.0, das zu einer Tsunami-Welle führte, die über das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi hereinbrach. Durch die Wucht des Wassers fiel die Kühlung der Atomreaktoren aus, es folgte eine Kernschmelze. In den Reaktoren kam es zu Wasserstoffexplosionen, große Mengen radioaktiver Strahlung traten aus dem Reaktorgebäude aus und die Region um das AKW wurde je nach damals herrschender Wetterlage auch über 60 km Entfernung so stark kontaminiert, dass Umsiedlungen notwendig wurden. Die Schäden waren immens.

Wie viele Menschen starben in Fukushima?

Durch Erdbeben und Tsunami starben am 11. März 2022 in Japan 22.000 Menschen. Aufgrund der radioaktiven Verseuchung nach der Atomkatastrophe in Fukushima mussten außerdem 160.000 Menschen evakuiert werden. Bei den Überlebenden des Unfalls besteht ein erhöhtes Risiko an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, das trifft insbesondere auf Kinder zu. Auch tausende Dekontaminierungsarbeiter:innen in der Region haben regelmäßig entsprechende Beschwerden. Heute sind noch ca. 22.000 Menschen von der Katastrophe betroffen, obwohl es auch eine Dunkelziffer gibt, von Menschen, die ohne Anordnung nach dem Unfall weggezogen sind. Es waren sehr unklare Verhältnisse, ein Nachbar bekommt eine Anordnung zum Wegziehen, andere nicht. In der Folge waren viele Menschen verunsichert, wollten nicht bleiben und haben dann keine Hilfe bekommen.

Welche Folgen hatte die Atomkatastrophe in Fukushima?

Seit der Katastrophe ist die Region weiträumig kontaminiert, für wie lange ist unklar. Viele Dörfer und Städte mussten evakuiert werden, hunderttausende verloren ihre Heimat. Auch die umgebene Natur ist radioaktiv belastet: Felder, Wiesen und Wälder weisen oft hohe Strahlenwerte auf. An anderen Stellen kann auch wieder Nahrung angebaut werden. Die Verteilung von Radioaktivität durch Wind und Regen, bleibt ein akutes Problem.

Kann man in Fukushima wieder leben?

Mittlerweile gibt es in Fukushima wieder viele Gebiete, in denen man wieder leben kann. Auch Landwirtschaft kann in manchen Teilen wieder stattfinden. Manche Gebiete sind zwar gesäubert, aber noch von stark kontaminierten Wald und Naturflächen umgeben. Regen und Wind kontaminieren sie erneut. Für manche Regionen ist es schwierig, zurückzukehren. Durch den Reaktorunfall wurde auch das soziale Leben in der Region zerstört, eine Rückkehr zur Normalität wird noch lange dauern.

Kann ein Reaktorunfall wie in Fukushima auch in Europa stattfinden?

Ja, wenn bei einem laufenden Reaktor ein totaler Stromausfall auftritt, oder wenn durch äußere Einwirkung ein total Versagen der Kühlung auftritt. Wenn Reaktoren schon seit längerer Zeit ( mehr als ein Jahr) abgeschaltet sind, bleibt viel mehr Zeit um eine Kühlung der Brennelemente wieder aufzubauen. In Deutschland sind die Atomkraftwerke zwar abgeschaltet, die abgebrannten Brennelemente müssen aber immer noch gekühlt werden. Doch noch mehr als von den deutschen geht derzeit die Gefahr von anderen europäischen Kraftwerken aus. Viele unserer europäischen Nachbarn, insbesondere Frankreich, setzen weiterhin stark auf Kernenergie. Daher fordern wir nicht nur von der japanischen Regierung, sondern auch von den europäischen aus der Atomkraft auszusteigen. Fukushima hat gezeigt, dass ein Weiterbetrieb zu gefährlich ist.

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Mehr Informationen über Fukushima:

The Nuclear Crisis at the Fukushima Daiichi Nuclear Plant Continues
© Christian Åslund / Greenpeace

Fukushima - alle Publikationen im Überblick

Überblick

Seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 hat Greenpeace zahlreiche Studien durchgeführt. Alle Publikationen sind hier aufgelistet.

mehr erfahren über Fukushima - alle Publikationen im Überblick
Fukushima Daiichi 2011-2021 (engl.)

Fukushima Daiichi 2011-2021 (engl.)

Der Mythos der Dekontaminierung und ein Jahrzehnt Menschenrechtsverletzungen

Anzahl Seiten: 47

Dateigröße: 7.8 MB

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Report: Stemming the Tide 2020 (engl.)

Report: Stemming the Tide 2020 (engl.)

Anzahl Seiten: 5

Dateigröße: 889.53 KB

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Fukushima-Report 2020

Fukushima-Report 2020

Anzahl Seiten: 40

Dateigröße: 8.83 MB

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Report: Kinder und Arbeiter in Fukushima

Report: Kinder und Arbeiter in Fukushima

Anzahl Seiten: 66

Dateigröße: 12.04 MB

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  • Collecting Sea Water Samples in East China Sea

    Mai 2011: Strahlenmessung im Meer

    Die Besatzung der Rainbow Warrior nimmt im Mai 2011 Meerwasserproben zur Messung der Strahlung vor der Ostküste Japans nahe Fukushima.

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  • Die Asakaze, ein japanisches Forschungsschiff, das von Greenpeace Japan gechartert wurde, führt vor der Küste der Präfektur Fukushima Strahlungsuntersuchungen durch.

    Strahlung im Meer

    Greenpeace-Mitarbeiter:innen aus Japan, Deutschland, Belgien und der Schweiz sammeln 2016 Proben vor der Küste Fukushimas.

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  • Jan van de Putte analysiert unter Wasser mit einem Gammaspektroskop

    Greenpeace-Mitarbeiter:innen nehmen mit Hilfe des Unterwasserroboters (Remotely Operated Vehicle ROV) Proben des Meeresbodens bei Fukushima.

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  • Mylène Josset analysiert unter Wasser nukleare Strahlung

    Strahlenexpertin Mylène Josset vom unabhängigen französischen Labor ACRO, misst die Strahlung einer Probe des Meeresbodens bei Fukushimas.

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  • Fukushima-Bürger:innen und Greenpeace-Strahlenmessteam in einem kontaminierten Haus in der Sperrzone Namie, Präfektur Fukushima.

    Messung in der Evakuierungszone

    Greenpeace misst jährlich die Strahlung in Fukushima, auch 2017 in Namie. Trotz hoher Strahlung wollte die Regierung Menschen zurücksiedeln.

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  • Heinz Smital misst die Strahlung an einem Schrein innerhalb der hochgradig kontaminierten Sperrzone in Fukushima.

    Ein Greenpeace-Experte misst die Strahlung in der Geisterstadt Namie in Fukushima. Die Werte sind zu hoch für die Rückkehr der Menschen.

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Zum Weiterlesen

Kraftwerksblöcke und das Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja sind nachts beleuchtet
Ukrinform / Imago

Zur aktuellen Lage der AKW in der Ukraine

Hintergrund

Mit Sorge betrachten Expert:innen die Situation ukrainischer Atomkraftwerke im Krieg. Das instabile Stromnetz bedroht alle Reaktoren. Doch besonders gefährdet ist gerade das AKW Saporischschja.

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Aktion zum Fukushima-Jahrestag: Greenpeace Aktivist:innen, die Strahlenschutzanzüge und Masken tragen, ziehen durch einige der belebtesten Orte Jakartas, um auf die Gefahren der Kernenergie hinzuweisen. Sie halten auch schwarze Regenschirme mit Nuklearsymbolen in der Hand.
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Katastrophen und Beinahe-Katastrophen begleiten die Geschichte der zivilen Atomkraft. Ein Überblick.

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In einem Kindergarten liegen die Spielsachen so, wie sie nach der Katastrophe zurückgelassen wurden. Die Gasmaske eines Kindes neben einer Puppe ist nur ein weiteres grausames Paradoxon: Eine Woche vor dem Atomunfall wurden die Kinder darin geschult, die Sicherheitsausrüstung gegen die atomare Gefahr zu benutzen. Doch am Tag des Unfalls wurde auf Anweisung der Parteiführung keine einzige Gasmaske benutzt.
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Tschornobyl ist bekannt für die Katastrophe von 1986. Eine radioaktive Wolke verseuchte damals die Region und zog über Europa. Am 26. April jährt sich der Super-GAU zum 39. Mal.

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Der Bau des Kernkraftwerks Mochovce begann in den 1980er Jahren, wurde dann aber aus finanziellen Gründen eingestellt. Das Projekt wurde in den 1990er Jahren neu gestartet und die ersten beiden Türme (2 x 470 MW) wurden 1998/1999 in Betrieb genommen. Die nächsten beiden befinden sich derzeit im Bau (geplante Inbetriebnahme 2013/2014), verzögern sich jedoch. Die slowakische Regierung besteht darauf, dieses Projekt trotz alter Technologie und mehrerer Sicherheitsbedenken weiterzuverfolgen.
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Greenwashing durch EU-Taxonomie?

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Die Europäische Kommission hält an ihrem klimaschädlichen Plan fest, Gas- und Atomkraft als nachhaltig einzustufen. Der Bundesregierung bleibt ein Weg, das zu verhindern: Sie kann dagegen klagen.

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Heinz Smital, Atom-Experte
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Was ist Radioaktivität und wie wirkt sie?

Im Gespräch

Greenpeace-Atomphysiker Heinz Smital erklärt, wie radioaktive Strahlung entsteht, was sie im Körper bewirkt – und warum man sich bei einem Atomunfall nicht schützen kann.

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Im Inneren des Morslebener Lagers für abgebrannte Brennstäbe, einem ehemaligen Salzbergwerk.
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Atommüll: Es gibt weltweit kein sicheres Endlager

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Die Genehmigung von Atomkraftwerken ist an den Nachweis einer sicheren Endlagerung des strahlenden Mülls gebunden. Dieses Endlager gibt es bis heute nicht.

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