Fukushima Reaktorkatastrophe
Die mehrfache Katastrophe in Japan
Der 11. März 2011 versetzte Japan in einen Ausnahmezustand, die Folgen sind bis heute zu spüren. Die dreifache Katastrophe von Erdbeben, Tsunami-Flutwelle und Super-GAU traf das Land bis ins Mark.
- Ein Artikel von Hannah Lüdert und Markus Atzl
- mitwirkende Expert:innen Heinz Smital
- Überblick
Als einer der schlimmsten Schicksalstage Japans ging der 11. März 2011 in die Geschichte ein. Eine Dreifach-Katastrophe suchte das hochtechnisierte Industrieland heim: Ein Erdbeben in bisher nie dagewesener Stärke von 9.0, ein gewaltiger Tsunami und – dadurch ausgelöst – ein atomarer Unfall im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi mit fatalen Folgen.
Die bis zu 15 Meter hohe Tsunami-Welle überspülte einen 1000 Meter breiten Landstrich an der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu. Das Wasser brach auch über das AKW mit seinen sechs Atomreaktoren herein – der Beginn einer nuklearen Katastrophe.
Große Teile der japanischen Landesfläche wurde rund um Fukushima Daiichi kontaminiert. Mehr als 22.000 Menschen verloren durch Erdbeben und Tsunami ihr Leben, Hunderttausende mussten aufgrund der radioaktiven Verseuchung evakuiert werden. Die gesundheitlichen Folgen wiegen schwer: Viele Weitere leiden unter Traumata, bei Kindern treten zudem vermehrt Schilddrüsenerkrankungen auf. Im Oktober 2015 bestätigte das japanische Gesundheitsministerium offiziell den ersten Leukämiefall eines Arbeiters in der havarierten Atomanlage, der in direktem Zusammenhang mit dem Unglück steht. Unter den sozialen Folgen der Katastrophe leiden besonders Frauen und Kinder – und das zunehmend.
Zunächst stellten Gerichte eine Mitschuld des Staates fest: Bekannte Tsunami-Risiken waren unterschätzt und notwendige Schutzmaßnahmen nicht angeordnet worden. Die Katastrophe galt daher als vermeidbar, da sowohl der Staat seine Aufsichtspflicht verletzte als auch der Betreiber Tokyo Electric Power Company trotz absehbarer Gefahren keine ausreichenden Vorkehrungen traf.
Im Juni 2022 entschied jedoch das Supreme Court of Japan, dass der Staat nicht für die Schäden der Atomkatastrophe von Fukushima haftbar gemacht werden kann. Viele Betroffene fühlen sich dadurch erneut im Stich gelassen. Unterstützungen wurden gekürzt und Evakuierungsanordnungen aufgehoben. Zwar sind die Strahlenwerte gesunken, doch die positive Darstellung des Wiederaufbaus überdeckt weiterhin bestehende Probleme: In vielen Orten fehlen soziale Infrastruktur und Versorgung, zahlreiche Häuser stehen leer oder sind verfallen. Die Opfer von damals bleiben auch die Opfer von heute.
Japans GAU- der Unfallablauf
Die Wucht der Tsunami-Welle ließ die Kühlung der Atomreaktoren im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ausfallen. Die Brennelemente im Reaktor erhitzten sich zunehmend, es kam zu Wasserstoffexplosionen. In den Blöcken 1, 2 und 3 kam es zu Kernschmelzen. Schließlich kam es in den drei Reaktoren zu Explosionen; große Mengen radioaktiver Strahlung traten aus. Mindestens 60.000 Menschen mussten ihre Häuser sofort verlassen, insgesamt verloren ca. 160.000 Menschen ihr Zuhause.
Der Atomkraftwerksbetreiber, die Tokyo Electric Power Company (TEPCO), hat in den vergangenen Jahren hunderttausende Arbeiter:innen eingesetzt, um die Lage in Fukushima unter Kontrolle zu bringen und die Region von der radioaktiven Kontamination zu säubern.
Aufräumarbeiten teilweise erfolglos
Die Aufräumarbeiten hatten nur einen gewissen Erfolg. Selbst auf dekontaminierten Flächen wurden bei Messungen von Greenpeace weiterhin Hotspots mit erhöhten Strahlenwerten festgestellt. Ein zentrales Problem besteht darin, dass angrenzende, nicht dekontaminierte Gebiete – insbesondere Wälder – durch Regen und Wind erneut radioaktive Partikel auf bereits gereinigte Flächen eintragen. Dass Familien mit Kindern unter diesen Umständen besorgt sind, ist daher nachvollziehbar.
Ein weiteres Problem ist die unzureichende Haftung der Atomindustrie. Eine Greenpeace-Studie zeigt, dass die juristische Verantwortung für Atomkatastrophen nur teilweise den Verursachern zugeschrieben wird. Selbst wenn es Hinweise darauf gibt, dass ein Kernkraftwerk oder Bauteile fehlerhaft waren, haften nur die Kraftwerkbetreiber und nicht auch die Hersteller der Bauelemente. Nur selten sind die Betreiberkonzerne allein dazu in der Lage, die entstandenen Kosten zu übernehmen. Nach dem Unfall in Fukushima wurde das verantwortliche Unternehmen TEPCO von der japanischen Regierung verstaatlicht. Die finanziellen Schäden wurden damit auf die Allgemeinheit abgewälzt.
© Greenpeace
Karte der am 11. März beschädigten Atomkraftwerke in Japan.
Greenpeace misst Strahlung in Fukushima
Gleich nach dem Unfall fuhren im April 2011 erstmals Greenpeace-Expert:innen nach Fukushima, um die radioaktive Belastung der Häuser, Straßen, Dörfer, Wälder, Wiesen und Lebensmittel zu messen. Auf dieser Karte finden sich die genauen Orte und Ergebnisse der Probenahmen. Zahlreiche Messungen außerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone zeigten, dass die Strahlung an vielen Hotspots eine ernsthafte Bedrohung der Gesundheit darstellt. Das Greenpeace-Team fand nahe Tsushima, 30 Kilometer von der Atomruine entfernt, Strahlung bis zu 47 Mikrosievert pro Stunde. Bei solchen Werten ist die erlaubte maximale Jahresdosis in weniger als 24 Stunden erreicht. Die Behörden hatten von 32,7 Mikrosievert pro Stunde gesprochen. Greenpeace forderte, die Zone auf 30 Kilometer auszuweiten, doch erst Wochen später reagierte die japanische Regierung auf die Warnungen. Viele Bewohner:innen der Region Fukushima fühlten sich von der Regierung und von TEPCO hinters Licht geführt.
Greenpeace schickte im Mai 2011 außerdem ein Team aus Expert:innen mit dem Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior in die Gewässer vor der Küste Fukushimas. Die Meeresalgen waren teils so hoch verstrahlt, dass eine Messung vor Ort nicht möglich war. Unabhängige Labore in Frankreich und Belgien bestätigten, dass die Verstrahlung der Algen teils mehr als 50-fach über den erlaubten Grenzwerten lag. Algen sind in der japanischen Küche ein Grundnahrungsmittel. Auch die meisten Proben von Fisch und Meeresfrüchten waren über die in Japan erlaubten Höchstwerte hinaus belastet.
Meer vor Kernkraftwerk Fukushima belastet
Im Februar 2016, fünf Jahre nach dem Atomunglück, untersuchte ein Greenpeace-Team drei Wochen lang mit Hilfe eines Unterwasser-Roboters (Remotely Operated Vehicle ROV) die radioaktive Belastung der Flüsse und des Meeresbodens vor der Küste Fukushimas. Das ROV ist mit einem hochsensiblen Gammastrahlen-Spektrometer und einem Probeentnahmegerät ausgestattet.
Das Ergebnis: Der Meeresboden vor Fukushima wies eine Strahlenbelastung von 52 bis 120 Becquerel pro Kilogramm auf – vor dem Atomunglück waren es nur 0,25. Die Strahlung im Meereswasser ist weitgehend verdünnt, doch ist ungewiss, was die erhöhte Strahlung für das Ökosystem bedeutet, radioaktive Teilchen können sich etwa in Meerestieren anreichern. Auch die Flüsse wiesen in erhöhter Dosis radioaktives Cäsium-137 auf, welches noch jahrzehntelang in den Pazifik gespült wird.
Greenpeace hat viele Jahre lang in der betroffenen Region Radioaktivität gemessen und konnte oft deutlich höhere Strahlenwerte dokumentieren als die offiziellen Zahlen. Das liegt daran, dass bei Häusern von Betroffenen offiziell nur wenige Punkte vermessen wurden und zwar meist über dekontaminierten Stellen. Systematische Messungen mit hunderten oder tausenden Messpunkten, wie Greenpeace sie wiederholt vorgenommen hat, zeigten auch Hot-Spots und nicht dekontaminierte Stellen.
Dennoch konnten auch die Greenpeace-Messungen insgesamt einen deutlichen Rückgang der Strahlung feststellen.
Fukushima 15 Jahre später
Auch 15 Jahre nach dem Atomunfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi hat Japan mit den Folgen zu kämpfen. Vergangene Versuche, die Region von der Verstrahlung zu säubern, erzielten nicht die gewünschten Ergebnisse. Wird ein Dorf dekontaminiert, tragen Arbeiter:innen, dort, wo es möglich ist, eine fünf Zentimeter dicke Erdschicht ab und verstauen sie in Plastiksäcken. So gelingt es im Zentrum von Städten und Dörfern, an Straßen und ausgewählten Flächen die Strahlenbelastung deutlich zu reduzieren. Das Problem sind aber oft die angrenzenden hoch kontaminierten Wälder. Da es unmöglich ist, die verstrahlten Wälder, Landschaften, Berge und Flüsse auch wirklich zu säubern, sind auch die Dekontaminierungen der Städte und Dörfer nicht von Dauer. Immer wieder weht der Wind verstrahlte Partikel aus der umgebenden Natur in die bereits gesäuberten Gebiete und macht die bisher vorgenommenen Reinigungsmaßnahmen teilweise zunichte.
Atommüll überall
Das abgetragene Material belastet die Anwohner:innen aber weiterhin. Viele solcher Atommülllager befanden sich oftmals mitten in Wohngebieten oder am Straßenrand. Inzwischen wurde ein zentrales Zwischenlager (Interim Storage Facility - IFS) eingerichtet. Über 14 Millionen Kubikmeter Atommüll wurden dort bereits eingelagert. Was dauerhaft mit ihnen passieren soll, ist bisher unklar.
Dem Vorhaben der Regierung, die Region innerhalb der nächsten 30 bis 40 Jahre zu säubern und wieder bewohnbar zu machen, liegt kein realistischer Plan zugrunde. Vielmehr ist es ein beständiger Kampf mit wenigen Fortschritten.
Ausgetragen wird er von Arbeiter:innen aus ärmsten Verhältnissen, die oftmals keine andere Möglichkeit haben, um Geld zu verdienen. Teilweise rekrutieren die zuständigen Unternehmen Obdachlose auf der Straße, ohne dass diese darüber informiert werden, wie gefährlich die Arbeit ist. Vor Ort sind die Arbeitsschutzmaßnahmen oft unzureichend und die Arbeiter:innen werden nicht über ihre Rechte aufgeklärt. Im Jahr 2018 kritisierte die UN-Kommission für Menschenrechte die japanische Regierung für ihren Umgang mit den Dekontaminierungsarbeiter:innen.
Auswirkungen bis heute: kontaminierte Dörfer, Einleitungen ins Meer
Die Folgen der Katastrophe betreffen nicht nur die Menschen und Tiere auf dem Land, sondern auch die Meeresökosysteme des Pazifischen Ozeans vor der Küste von Fukushima. Noch immer müssen zur Kühlung der zerstörten Reaktoren täglich etwa 80 Tonnen Wasser in die Anlage gepumpt werden. Zusätzlich dringen rund 90 Tonnen Grundwasser in das beschädigte Kraftwerk ein – ein Problem, das unter anderem auf Konstruktionsmängel zurückgeführt wird.
Das radioaktiv kontaminierte Wasser wird gesammelt und in Tanks gelagert. Zwar konnte der Grundwasserzufluss durch Pumpensysteme und eine etwa 1,5 Kilometer lange Eiswand deutlich reduziert werden, dennoch befinden sich inzwischen rund 1,4 Millionen Tonnen belastetes Wasser auf dem Gelände des Betreibers Tokyo Electric Power Company. Die Reinigung erfolgt über eine große Prozessanlage, das Advanced Liquid Processing System (ALPS), das radioaktive Substanzen aus dem Wasser herausfiltern soll. Allerdings arbeitet das System weniger effektiv als erhofft: Rund 70 Prozent des bereits behandelten Wassers mussten erneut gereinigt werden.
Um Platz zu schaffen, begann Japan 2023 damit, aufbereitetes Abwasser einfach mit Meerwasser zu verdünnen und über eine Pipeline im Meer zu entsorgen. Dieser Prozess soll sich über 30 Jahre erstrecken. Weil weiterhin neues kontaminiertes Wasser entsteht, verringern sich die insgesamt gelagerten Mengen nur langsam. Es gibt anhaltende Kritik und Proteste von Umweltorganisationen, von Nachbarstaaten sowie von der Fischereiindustrie. Kritiker befürchten langfristige ökologische Folgen für den Pazifik, denn das Meer ist keine Müllkippe.
Bereits am Anfang der Reaktorkatastrophe 2011 flossen ca. 520.000 Tonnen kontaminiertes Wasser direkt ins Meer. Teils durch Risse in der Anlage, teils durch kontrollierte Maßnahmen, um Platz zu schaffen für noch höher verstrahltes Wasser.
Im März desselben Jahres hatte der Wind den größten Teil der Strahlung aufs Meer hinausgeweht. Dieser Westwind war ein Segen – schützte er doch die Menschen an Land und vor allem in der Metropolregion Tokio vor noch größerer Verstrahlung. Die Küstenregion und das Meer jedoch wurden so radioaktiv belastet wie noch nie zuvor. Die Strömungen verteilten die Radioaktivität zwar im Pazifik, der Meeresboden wies dennoch eine erhöhte Strahlung auf. Auch danach floss immer wieder kontaminiertes Wasser ins Meer vor der Küste Fukushimas. Bis heute wäscht der Regen aus den umliegenden Bergen und Wäldern regelmäßig radioaktive Partikel in die Flüsse und schließlich in den Pazifik. Diese Belastung des Ozeans wird noch hunderte Jahre andauern.
Keine Sicherheit mit Atomkraft
Die Situation in Fukushima macht noch einmal deutlich, wie unkontrollierbar die Auswirkungen von atomaren Katastrophen sind, auch über die ursprünglich betroffene Region hinaus. Insbesondere Wind, Regen, Flüsse und Meere können die Verseuchung noch tausende Kilometer weit tragen.
Mehrheit in Japan für erneuerbare Energien
Die Folgen des Super-GAUs sind noch lange nicht behoben. Daher ist es umso unverständlicher, dass die japanische Regierung seit dem Unglück im März 2011 insgesamt fünfzehn Reaktoren wieder hochgefahren hat:
- 2015 Sendai 1 und 2
- 2016 Takahama 3 und 4 sowie Ikata 3
- 2018 Genaki 3 und 4 sowie Ōi 3 und 4
- 2021 Mihama 3
- 2023 Takahama 1 und 2
- 2024 Onagawa 2 sowie Shimane 2
- 2026 Kashiwazaki-Kariwa 6, nach Problemen beim Wiederanfahren im Testbetrieb
Nach dem Nuklearunfall hatte Japan zunächst alle Atomkraftwerke abgeschaltet; fast zwei Jahre kam das Land sehr gut ohne Kernkraft aus. Dennoch ignoriert die japanische Regierung die Risiken für Mensch und Umwelt und hält an ihrem Atomkurs fest. Das ist besonders bedenklich, da Japan zu einem der am meisten von Erdbeben bedrohten Ländern der Welt gehört und aktive Vulkane in der Region nicht ungewöhnlich sind.
Es gibt in der japanischen Bevölkerung auch Kritik an der bisherigen Atompolitik, weshalb die Inbetriebnahme vieler Reaktoren mit Protesten und Gerichtsverhandlungen einherging. Eine Mehrheit der japanischen Bevölkerung befürwortet den Ausbau erneuerbarer Energien. Dieser wäre aufgrund der geographischen Bedingungen in Japan problemlos möglich, da sie besonders gut für Wind- und Wasserkraft geeignet sind.
Auch fünf ehemalige Staatschefs von Japan (Morihiro Hosokawa, Tomiichi Murayama, Junichiro Koizumi, Yukio Hatoyama und Naoto Kan) haben 2021 eine gemeinsame Erklärung (parteiübergreifend) für einen Atomausstieg für Japan abgegeben, weil Atomkraft in einem seismisch aktiven Land wie Japan zu gefährlich ist und nur ein kompletter Atomausstieg (Zero Nuclear) moralisch zu verantworten ist.
Greenpeace fordert von der japanischen Regierung – wie übrigens auch von Frankreich, Belgien und anderen Atomnationen – aus der Kernkraft auszusteigen und sich vom Einfluss der Atomlobby zu befreien. Die Katastrophe in Fukushima hat erneut klargemacht, dass sie nicht zu kontrollieren ist. Durch den Wiederbetrieb gefährdet Japans Regierung unzählige Menschenleben und weite Teile der Umwelt. Auch Japan braucht eine Energiewende!
(Der Artikel wurde am 7. März 2025 veröffentlicht und am 10. März 2026 aktualisiert.)
Häufig gestellte Fragen zu Fukushima
Was genau passierte in Fukushima?
In der japanischen Region Fukushima ereignete sich am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9.0, das zu einer Tsunami-Welle führte, die über das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi hereinbrach. Durch die Wucht des Wassers fiel die Kühlung der Atomreaktoren aus, es folgte eine Kernschmelze. In den Reaktoren kam es zu Wasserstoffexplosionen, große Mengen radioaktiver Strahlung traten aus dem Reaktorgebäude aus und die Region um das AKW wurde je nach damals herrschender Wetterlage auch über 60 km Entfernung so stark kontaminiert, dass Umsiedlungen notwendig wurden. Die Schäden waren immens.
Wie viele Menschen starben in Fukushima?
Durch Erdbeben und Tsunami starben am 11. März 2022 in Japan 22.000 Menschen. Aufgrund der radioaktiven Verseuchung nach der Atomkatastrophe in Fukushima mussten außerdem 160.000 Menschen evakuiert werden. Bei den Überlebenden des Unfalls besteht ein erhöhtes Risiko an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, das trifft insbesondere auf Kinder zu. Auch tausende Dekontaminierungsarbeiter:innen in der Region haben regelmäßig entsprechende Beschwerden. Heute sind noch ca. 22.000 Menschen von der Katastrophe betroffen, obwohl es auch eine Dunkelziffer gibt, von Menschen, die ohne Anordnung nach dem Unfall weggezogen sind. Es waren sehr unklare Verhältnisse, ein Nachbar bekommt eine Anordnung zum Wegziehen, andere nicht. In der Folge waren viele Menschen verunsichert, wollten nicht bleiben und haben dann keine Hilfe bekommen.
Welche Folgen hatte die Atomkatastrophe in Fukushima?
Seit der Katastrophe ist die Region weiträumig kontaminiert, für wie lange ist unklar. Viele Dörfer und Städte mussten evakuiert werden, hunderttausende verloren ihre Heimat. Auch die umgebene Natur ist radioaktiv belastet: Felder, Wiesen und Wälder weisen oft hohe Strahlenwerte auf. An anderen Stellen kann auch wieder Nahrung angebaut werden. Die Verteilung von Radioaktivität durch Wind und Regen, bleibt ein akutes Problem.
Kann man in Fukushima wieder leben?
Mittlerweile gibt es in Fukushima wieder viele Gebiete, in denen man wieder leben kann. Auch Landwirtschaft kann in manchen Teilen wieder stattfinden. Manche Gebiete sind zwar gesäubert, aber noch von stark kontaminierten Wald und Naturflächen umgeben. Regen und Wind kontaminieren sie erneut. Für manche Regionen ist es schwierig, zurückzukehren. Durch den Reaktorunfall wurde auch das soziale Leben in der Region zerstört, eine Rückkehr zur Normalität wird noch lange dauern.
Kann ein Reaktorunfall wie in Fukushima auch in Europa stattfinden?
Ja, wenn bei einem laufenden Reaktor ein totaler Stromausfall auftritt, oder wenn durch äußere Einwirkung ein total Versagen der Kühlung auftritt. Wenn Reaktoren schon seit längerer Zeit ( mehr als ein Jahr) abgeschaltet sind, bleibt viel mehr Zeit um eine Kühlung der Brennelemente wieder aufzubauen. In Deutschland sind die Atomkraftwerke zwar abgeschaltet, die abgebrannten Brennelemente müssen aber immer noch gekühlt werden. Doch noch mehr als von den deutschen geht derzeit die Gefahr von anderen europäischen Kraftwerken aus. Viele unserer europäischen Nachbarn, insbesondere Frankreich, setzen weiterhin stark auf Kernenergie. Daher fordern wir nicht nur von der japanischen Regierung, sondern auch von den europäischen aus der Atomkraft auszusteigen. Fukushima hat gezeigt, dass ein Weiterbetrieb zu gefährlich ist.
Mehr Informationen über Fukushima:
Fukushima Daiichi 2011-2021 (engl.)
Anzahl Seiten: 47
Dateigröße: 7.8 MB
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