Ein Artikel von greenpeace.de
Der Film Birdwatchers - das Land der roten Menschen startet diese Woche

Kampf um ein menschenwürdiges Leben im Urwald

Tropischer Regenwald - das klingt nach undurchdringlichem Dschungel mit einzigartigen Tier- und Pflanzenwelten. Und inzwischen auch nach einer Welt, die durch illegalen Raubbau bedroht ist und dem schnellen Profit durch Rinder oder Holz, Zuckerrohr oder Gen-Soja geopfert wird. Der Regenwald ist auch die Heimat zahlreicher Menschen. Wie sich das Volk der Guarani-Kaiowa zwischen Urwald und Steppe, zwischen den Attacken der Großgrundbesitzer und den Anforderungen ihrer Traditionen im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso del Sur behaupten, zeigt der beeindruckende Film von Marco Béchis. Er ist demnächst auch in Programmkinos in ganz Deutschland zu sehen.

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Touristen werden auf einem Boot einen Fluss entlang geführt. Sie sind gekommen, die buntschillernde Welt der Vögel zu beobachten. Dabei bekommen sie auch wild bemalte Indios vor die Kamera, die sich bedrohlich gebärden. Dass sie extra engagiert wurden, erfährt nur der Zuschauer. So beginnt der Film Birdwatchers, der im Jahr 2008 auf den Filmfestspielen in Venedig höchste Begeisterung hervorrief und von der UNESCO ausgezeichnet wurde.

Der Spielfilm inszeniert anschaulich die realen Nöte der Regenwaldbevölkerung: Während die Großgrundbesitzer ein angenehmes Leben mit einheimischem Dienstpersonal führen, hausen die Guarani-Kaiowa beengt im Reservat. Sie gelangen nur unter Lebensgefahr zu Jagdgebieten oder zu den angestammten Plätzen ihrer Vorfahren, denn das Land haben sich Plantagen- und Rinderweidenbesitzer illegal angeeignet.

Ihrer traditionellen Lebensweise können sie nicht mehr nachgehen. Etwas Geld können sich die Männer höchstens als Tagelöhner auf den Zuckerrohrplantagen verdienen - was sie als Verrat empfinden. Bis eine Gruppe von Kaiowa sich das nicht länger gefallen lässt: Sie bricht auf, ihr Land zurückzuerobern.

Dem chilenisch-italienischen Regisseur Marco Béchis ist das Kunststück gelungen, die existenzielle Not der Guarani-Kaiowa ohne klassisches Täter-Opfer-Schema in Szene zu setzen. Dazu gehört auch, dass die Einheimischen sich selbst spielen und dabei als gleichberechtigte Schauspieler erscheinen. Der Mut und die Tatkraft der Akteure zeigen, dass sich Widerstand lohnt - trotz aller Konsequenzen, die das mit sich bringt.

Dass die Lage in Mato Grosso del Sur für die Urbevölkerung dramatisch ist, machte die Akteurin Elena Juca da Silva auf einer Pressekonferenz deutlich. Sie schilderte die große Armut, die zu einer hohen Kindersterblichkeit führt und berichtete über Morde an religiösen Führern. Die Selbstmordrate von orientierungslosen Jugendlichen ist eine der höchsten der Welt.

All das ist die Folge des verantwortungslosen Umgangs mit dem Regenwald. Bis Juli 2008 wurden bereits 74 Millionen Hektar des Regenwaldes komplett vernichtet, das sind knapp 20 Prozent der ursprünglichen Fläche - die doppelte Fläche Deutschlands. Rund 80 Prozent der abgeholzten Urwaldfläche im Amazonasgebiet werden als Weideland für die Rinderzucht verwendet. Das Fleisch bleibt auf dem Kontinent, das Leder landet, verarbeitet im Markenschuh, auch in Europa.

Auf diese und andere Probleme der unkontrollierten Beanspruchung des Regenwaldes wird Greenpeace im Rahmen der Kinovorstellungen aufmerksam machen. Ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten die örtlichen Vorführungen von Birdwatchers mit Info-Ständen und stehen für Fragen zur Verfügung.