Erfolgschronik im Kampf für das kanadische Regenwaldgebiet

Great Bear – durch die Jahre

Der Großteil des kanadischen Great-Bear-Regenwaldes steht endlich unter Schutz vor der Abholzung. Bis dahin war es ein langer Weg – verfolgen Sie ihn anhand unserer Chronologie.
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Der Kampf um den Erhalt des Great-Bear-Regenwaldes begann in den Neunzigerjahren. Ein hartes Stück Arbeit, dass sich Anfang 2016 endlich auszahlte: British Columbia stellt 85 Prozent des bewaldeten Gebietes unter Schutz vor industriellem Holzeinschlag. Lesen Sie in unserer bebilderten Chronologie, wie das Schutzabkommen zustande kam, und welchen Anteil Greenpeace am Erfolg hat.

1993

Konflikt um Kanadas Wälder – wie alles anfing

Gerodeter Regenwald

Die seit einigen Jahren schwelenden Konflikte um Kahlschläge in den Urwäldern der kanadischen Provinz British Columbia spitzen sich zu: Bei Protesten und Blockaden werden im Waldgebiet Clayoquot Sound auf Vancouver Island mehr als 900 Menschen festgenommen – darunter auch der damalige Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Thilo Bode.  

1995

Der Great-Bear-Regenwald bekommt eine Stimme

Protestaktion: Menschenkette von Aktivisten und Indigenen

Die dramatische Abholzung des einzigartigen Great-Bear-Regenwaldwalds an der Westküste Kanadas beginnt Aufmerksamkeit zu erregen. Erstmals kommt es zu größeren Konflikten um die Landrechte dort. Den Chiefs der Nuxalk-First-Nations gelingt es, die Abholzung des Gebiets um Ista auf King Island zu verhindern.

1996

Internationale Aufmerksamkeit 

Deutsche Greenpeace-Aktivisten mit Totempfahl

Nur weniger als fünf Prozent des Great-Bear-Regenwaldes sind vor industriellem Holzeinschlag geschützt. Greenpeace informiert europäische, amerikanische und japanische Kunden über die katastrophale Situation vor Ort. Diese zeigen sich besorgt über die Abholzung der einzigartigen Küstenregenwälder.

1997

Offizieller Kampagnenstart 

Aktivisten mit Banner: Protect the Great Bear Rainforest!

Greenpeace und andere Verbündete beginnen offiziell die Kampagne zum Schutz des Great-Bear-Regenwaldes und werden gemeinsam mit den Nuxalk aktiv: Nach einer 21-tägigen Sitzblockade werden sechs Nuxalk und 18 weitere Demonstrierende für mehrere Wochen inhaftiert und erregen so internationale Aufmerksamkeit. Europäische Kunden beginnen daraufhin, Druck auf die Unternehmen auszuüben, die in die Zerstörung der Wälder involviert sind.

1998

Internationale Protestwelle 

Greenpeace-Aktivist vor dem Holzfrachter \"Saga Wind\" im Hafen von Brake.

Greenpeace protestiert bei deutschen Firmen, die Holz und Zellstoff aus dem Great-Bear-Regenwald einkaufen, sowie mehrmals bei der Entladung kanadischer Zellstoff-Frachter. Eine deutsche Greenpeace-Aktivistin wird aufgrund ihrer friedlichen Proteste im Vorjahr in Kanada zu mehreren Wochen Haft verurteilt.

1999

Kunden werden hellhörig  

Nuxalk schnitzen ein Totem bei einer Protestaktion bei VW

Nachdem deutsche Kunden Lieferverträge im Wert von insgesamt 600 Millionen Dollar kündigen und der öffentliche Druck wächst, beteiligen sich wichtige Holzeinschlagsfirmen an einem von der Regierung British Columbias initiierten Planungsprozess. Im selben Jahr reist eine Delegation des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sowie des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) gemeinsam mit Greenpeace nach Kanada, um die Einschlagsgebiete im Great-Bear-Regenwald zu besichtigen. Die Verbandsvertreter sind schockiert. 

2000

Allianzen entstehen und „wütende Großmütter“ protestieren

\"Raging Grannies\" protestieren gegen Regenwaldabholzung

Greenpeace und andere Umweltorganisationen tun sich zusammen und gründen das Rainforest Solutions Project  (RSP). Die wichtigsten Forstunternehmen aus British Columbia gründen die Coast Forest Conservation Initiative (CFCI). Die First Nations organisieren sich in zwei größeren regionalen Zusammenschlüssen. Ende des Jahres reisen die Raging Grannies (zu Deutsch: wütende Großmütter) durch Deutschland, um gemeinsam mit Greenpeace bei deutschen Papierherstellern und Holzfirmen zu protestieren. Ihre 72-jährige Mitstreiterin war zuvor wegen friedlicher Proteste gegen die Zerstörung des Great-Bear-Regenwaldes inhaftiert worden.  

2001

Der erste Meilenstein 

RSP und CFCI vereinbaren einen Stillstand der Auseinandersetzungen. Die Firmen stimmen zu, zunächst in mehr als 100 ökologisch intakten Gebieten in der Region vom Holzeinschlag abzusehen. Im Gegenzug setzen die Umweltorganisationen ihre Marktkampagne gegen Mitglieder des CFCI aus. Beide Parteien wollen an Lösungsansätzen arbeiten, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen basieren. Diese sollen der Regierung British Columbias und den First Nations vorgeschlagen werden.

Auch die First Nations haben einen Verhandlungsprozess ins Leben gerufen, der sich mit der Beteiligung an Entscheidungsfindungs- und Gewinnbeteiligungsprozessen beschäftigt. Dem vorangegangen waren Anfang des Jahres zahlreiche friedliche Greenpeace-Proteste in Europa, Nordamerika, China und Japan: Blockaden von Holzfrachtern sowie Proteste bei Botschaften, Großhändlern und Holzlagern sollten Investoren und Kunden davon überzeugen, gegenüber ihren Holz- und Papierlieferanten das Ende der Zerstörung des Great-Bear-Regenwalds zu fordern. 

2004

Wissenschaftliche Empfehlung 

Ein von allen Parteien anerkanntes Team unabhängiger Wissenschaftler (CIT – Coast Information Team) präsentiert die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Untersuchungen und empfiehlt darauf aufbauend eine Reihe von Schutzmaßnahmen für den Great-Bear-Regenwald: 70 Prozent der natürlichen Ökosysteme der Region sollen geschützt werden. Gleichzeitig werden Kriterien für eine nachhaltige Forstwirtschaft – das sogenannte Ecosystem Based Management – vorgestellt.  

2006

Schutzmaßnahmen nehmen Gestalt an 

Indigene feiern einen Teilerfolg

Am 7. Februar 2006 wird ein grundlegender Erfolg für den Great-Bear-Regenwald bekannt gegeben: Die Provinzregierung von British Columbia, Industrievertreter, mehrere First Nations sowie Greenpeace und andere Umweltorganisationen stimmen einem Schutzabkommen basierend auf den wissenschaftlichen Empfehlungen von 2004 zu. Dieses Abkommen ist der bisher größte Regenwald-Schutzplan in der Geschichte Kanadas. Über die Umsetzung des Abkommens wird jedoch weiter verhandelt. Durch das Abkommen sollen zunächst 1,8 Millionen Hektar Wald als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Damit sind erst einmal rund 30 Prozent des Waldes geschützt. Auf einer zusätzlichen Fläche von 300.000 Hektar soll jegliche Forstwirtschaft verboten sein. Die Umsetzung der Maßnahmen soll bis 2009 erfolgen. 

2007

Geburtsjahr des Coast Opportunity Funds

Ein 120-Millionen-Dollar-Fonds für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region wird auf einer Pressekonferenz angekündigt

Ein 120-Millionen-Dollar-Fonds (Coast Opportunity Funds) für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Schutzinitiativen für First-Nations-Gemeinden der Region wird etabliert.

2009

Weiteres Schutzabkommen

Ein weiterer wichtiger Meilenstein für den Schutz des Great-Bear-Regenwaldes ist erreicht: Bis zu 50 Prozent der Urwälder sollen geschützt werden. Die bereits 2006 beschlossenen Ziele und Maßnahmen werden für immer noch gültig erklärt und sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre weiter umgesetzt werden. 

2014 

Umweltverbände und Industrie einigen sich auf letzte Schritte

Greenpeace und die Umweltschutzverbände Forest Ethics Solutions sowie der Sierra Club BC und Holzeinschlagsfirmen entwickeln Empfehlungen zur endgültigen Implementierung der bereits 2006 beschlossenen Maßnahmen und reichen diese bei den First Nations und der Regierung des Staates British Columbia ein.

2015

Auf der Zielgeraden

Panorama Great Bear Rainforest mit Wasserfall

In finalen Verhandlungsrunden kommen First Nations, Greenpeace und andere Umweltschutzverbände sowie die Regierung British Columbias und Industrievertreter einer Einigung für ein endgültiges Schutzabkommen näher.  

2016 

Weltweit beispielhaftes Schutzabkommen 
 
Das endgültige Schutzabkommen wird öffentlich gemacht: 85 Prozent der bewaldeten Landfläche des Great-Bear-Regenwaldes sind ab sofort vor der Säge sicher. Das Schutzgebiet umfasst insgesamt mehr als drei Millionen Hektar – eine Fläche größer als Belgien. Diese weltweit beispielhafte Vereinbarung zum Waldschutz beinhaltet Maßnahmen, die den Erhalt des Ökosystems und damit des Lebensraums seltener Arten wie des Kermode-Bären (White Spirit Bear) oder Küstenwolfs sichern sollen. Die First Nations bekommen mehr Mitbestimmungsrechte in ihren Gebieten. 

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Großer Erfolg in Kanada: Mehr als drei Millionen Hektar des Great-Bear-Regenwaldgebietes sind endlich langfristig vor Abholzung geschützt – ein Gebiet der Größe von Belgien.

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Seit 1997 setzt sich Greenpeace für ein Schutzgebiet ein. Durch ein endgültiges Abkommen sind seit Februar 2016 nun 85 Prozent der bewaldeten Fläche vor der Säge sicher.