Ein Artikel von greenpeace.de
Kupferminen-Konflikt

Eskalation in Ecuador

Kolibris, Orchideen, einige Brillenbären und über allem thront der Vulkan Cotacachi: Die Rede ist von der Region Intag im Norden Ecuadors. Ein dichter Nebelregenwald und die unmittelbare Nähe zum Cotacachi-Cayapas-Naturreservat klingen nach perfekter Idylle. Und auch der Boden der Region wurde reich beschenkt. Unter den Bergregenwäldern verbergen sich möglicherweise tonnenweise kostbare Rohstoffe. Kupfer, Molybdänerz und Gold könnten hier zu finden sein. Und wecken großes Interesse bei internationalen Konzernen.

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Drei verschiedene Unternehmen versuchen derzeit an die kostbaren Schätze unter den Wäldern zu gelangen. Das berichtet die örtliche Umweltorganisation DECOIN. Die Region Intag ist ungefähr eineinhalb Mal so groß wie Berlin - und extrem dünn besiedelt: Nur 12.000 Menschen wohnen hier. Die meisten leben von Landwirtschaft und Viehzucht; der Boden ist sehr fruchtbar. Kleinere Siedlungen oder einzelne Fincas verteilen sich über das gesamte Tal. Um interessierte Unternehmen von den begehrten Bodenschätzen fernzuhalten, haben die Bauern inzwischen eine starke und wehrhafte Zivilgesellschaft gebildet - erfolgreich: Wenn es ernst wird, sperren sie schon einmal 60 Paramilitärs in ihre Dorfkirche. Mit Gummistiefeln und Flugblättern verteidigen die Bauern Intags ihren Regenwald. Doch mittlerweile nimmt auch die ecuadorianische Regierung selbst Untersuchungen in der Region vor.

Aufstand in der Idylle

Dabei haben sich die Bauern gegen einen transnationalen Kupferkonzern zur Wehr gesetzt. Die Journalisitin Elisabeth Weydt ist selbst in die Eskalation des Kupferminenkonflikts geraten und hat kurzerhand zur Kamera gegriffen. Sie war dabei, als Paramilitärs in das Gelände drangen und es zu Schießereien und gegenseitigen Geiselnahmen kam. Die Campesinos sperrten die Paramilitärs über mehrere Tage in ihre Dorfkirche. Das Ergebnis ihrer Beobachtung ist der Fotofilm Aufstand im Kupferwald.

Die Bauern Intags versuchen jetzt, ihr Recht vor den kanadischen Gerichten einzufordern und verklagen das kanadische Kupferunternehmen und die Börse von Toronto in einem milliardenschweren Prozess. In der ersten Instanz wurde die Klage abgewiesen. Als Beweismaterial dienen auch die Fotos von Elisabeth Weydt. Der Fall wird als Präzedenzfall gehandelt, da es kein internationales Recht gibt, das transnationale Konzerne in solchen Fällen in ihre Schranken weisen könnte. Zudem will nun auch die Regierung Ecuadors selbst an das Kupfer: Sie erklärte die Region Intag als eine der drei Bergbauregionen, in denen sie in naher Zukunft Rohstoffe abbauen will. Mit einer Entscheidung ist erst in einigen Wochen oder gar Monaten zu rechnen.