Größtes Meeresschutzgebiet der Welt in der Antarktis eingerichtet

Erfolg für den letzten Ozean

Derart unberührt ist kaum noch ein Ozean auf der Welt, sagen Wissenschaftler über das Rossmeer. Und so bleibt es auch: Seit heute ist es das größte Meeresschutzgebiet der Welt!

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Heute wurde vor der antarktischen Küste, im Rossmeer, das größte Meeresschutzgebiet der Welt geschaffen. Das ist ein gewaltiger Erfolg für die Wale, Pinguine und Seehechte, die dort zuhause sind – und für die Millionen Menschen, die für den Schutz unserer Ozeane einstehen.

Das Rossmeer zu schützen fordert Greenpeace als Teil der Antarctic Ocean Alliance seit Jahren von der verantwortlichen Institution: der CCAMLR, der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis. Die Allianz fordert gemeinsam mit Millionen Menschen weltweit Regierungen auf, endlich das Richtige zu tun und die Meere zu schützen, stets überzeugt, dass es dieses Mal klappen wird. Doch Jahr für Jahr treibt irgendetwas quer, und der Prozess kommt nicht voran. Dieses Jahr waren sich alle Mitglieder des CCAMLR endlich einig – es ist an der Zeit, das Rossmeer zum Schutzgebiet zu machen.

Ein Schutzgebiet, viermal so groß wie Deutschland

Das Rossmeer wird damit zum größten Meeresschutzgebiet der Welt, rund 1.550.000 Quadratkilometer umspannend: Auf die Fläche würde ungefähr viermal Deutschland, dreimal Texas, zweimal Spanien oder einmal die Mongolei passen. Fast drei Viertel des Gebiets sind vollständig geschützt, das heißt Fischerei und andere menschliche Eingriffe ins Ökosystem sind streng verboten. Es ist ein atemberaubender Ort. Wissenschaftler beschreiben das Rossmeer als eines der unberührtesten Meeresgebiete der Welt, daher rührt auch der Name „der letzte Ozean“.

Damit es jedoch überhaupt zu einer Einigung zwischen den Ländern kommen konnte, enthält das Abkommen eine Zeit-Klausel. Das heißt, in 35 Jahren entscheiden die CCAMLR-Mitglieder erneut über die Zukunft des Gebiets. Meeresschutz, soll er richtig gemacht werden, ist allerdings ein noch längerfristiges Projekt. In den kommenden Jahren müssen die Grundlagen geschaffen werden, dass das Rossmeer-Schutzgebiet bei gegebener Zeit ohne Widerstände erneuert wird. Damit wäre die Entscheidung 2051 hoffentlich nur noch eine Formsache.

Ein großes Jahr für den Meeresschutz

Der Erfolg im Rossmeer folgt einer anderen wichtigen Entscheidung auf dem Fuße: Erst vor kurzem hat US-Präsident Barack Obama das Papahanaumokuakea National Marine Monument im Nordwesten Hawaiis ausgedehnt und es damit zum größten Meeresschutzgebiet der Welt gemacht – jedenfalls bis gestern: Nun steht das Rossmeer flächenmäßig auf Platz eins. Nur wenige Tage zuvor schrieb Obama Geschichte, indem er das National Marine Monument im Atlantik einrichtete, das Schluchten und Unterwasserberge schützt.

Auch andere Länder haben beim Schutz ihrer nationalen Gewässer nachgebessert: Chile hat zum Beispiel einen riesigen Nationalpark rund um die Osterinseln eingerichtet, und Großbritannien verpflichtet sich, „Blue Belts“ – blaue Gürtel – rund um seine Überseeterritorien zu schaffen.

Millionen Menschen für die Meere

So riesig diese Schutzgebiete auch sein mögen, das Meer ist weit größer. Trotz einer Zusage beim World Conservation Congress in diesem Sommer, 30 Prozent unserer Meere bis 2030 zu schützen, ist es noch ein langer Weg bis dorthin – und Greenpeace fordert mehr: Das Ziel muss lauten, 40 Prozent der Weltmeere vollständig vor menschlichen Eingriffen zu schützen.

Wissenschaftlich besteht kein Zweifel, dass Meeresschutzgebiete entscheidend sind, um die ökologische Vielfalt zu bewahren, Fischbestände wieder aufzubauen und die Widerstandsfähigkeit im Kampf gegen den Klimawandel zu erhöhen. Doch lange Kämpfe wie der, der nun für das Rossmeer gewonnen wurde, benötigen leider mehr als unwiderlegbare Fakten – sie brauchen Millionen Menschen, die sich für die Meere stark machen. Bleiben diese Stimmen stumm, reichen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht aus, um den kurzsichtigen Interessen der mächtigen Fischereiindustrie Paroli zu bieten.

Karte des Rossmeer-Schutzgebiets

(Ein Gastbeitrag von Willie McKenzie, Greenpeace UK)

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