Erfolg im Kampf für den kleinsten Wal der Welt

Ein Schiff namens Hoffnung

Das Greenpeace-Schiff Esperanza schützt im Golf von Kalifornien die letzten Vaquitas. Die Besatzung spürte illegale Stellnetze auf, die den kleinsten Wal der Welt bedrohen.

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UPDATE 29. Juli 2016: Neue Hoffnung für den Vaquita, wenn auch keine Rettung: Vergangene Woche gab Mexikos Regierung bekannt, ab September die Stellnetzfischerei im oberen Golf von Kalifornien zu verbieten – denn in illegalen Netzen dieser Art können die seltenen kleinen Wale als Beifang verenden. Nach Schätzungen leben weltweitnur noch rund 60 Exemplare. Eine internationale Expertenkommission soll jetzt alternative Fangtechniken für die Fischer in der Bucht erarbeiten. Auch die Nachtfischerei soll noch dieses Jahr ein Ende haben. Die Maßnahmen sollen die Vaquitas vor dem unmittelbaren Aussterben bewahren und dem kleinen Bestand ermöglichen, sich zu erholen.

Auch Sie können sich aktiv für den Schutz der Meere und ihrer Bewohner einsetzen: Unterzeichnen Sie hier unsere Petition!

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Zehn Tage könnten das Schicksal des kleinsten Wals der Welt zum Guten gewendet haben. Die Besatzung des Greenpeace-Schiffs Esperanza hat zusammen mit der mexikanischen Umweltpolizei einen wichtigen Schritt für den Erhalt des Vaquita-Bestandes im Golf von Kalifornien getan: Illegale Stellnetze wurden entfernt, und mit den ansässigen Fischern hat ein Dialog über alternative Fangmethoden begonnen.

Der Vaquita, oder auch Kalifornischer Schweinswal, gehört zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Säugetierarten der Welt, zuhause ist er vor der Küste Mexikos. CIRVA, eine internationale Gruppe zum Schutz der Vaquita-Bestände, schätzte vergangenes Jahr, dass es nur noch 97 Tiere gibt; neuere Ergebnisse legen nah, dass es sogar nur noch 57 sein könnten.

Sein Verhängnis ist der Marktwert eines kostbaren Fisches. Im Lebensraum des Golftümmlers gehen Fischer mit Stellnetzen auf Totoaba-Fang: Die Blase des ebenfalls vom Aussterben bedrohten Fischs steht in China als Delikatesse hoch im Kurs, auf dem Schwarzmarkt werden bis zu 10.000 Dollar für das Kilo bezahlt. Für den ungewollten Beifang ist der Preis das Leben: Die Meeressäuger verfangen sich in den für Totoabas ausgelegten feinmaschigen Netzen und ersticken qualvoll unter Wasser.

Lokale Fischer suchen das Gespräch

In den vergangenen zehn Tagen, in denen die Esperanza vor der Küste Mexikos patrouillierte, setzte sie einiges in Bewegung. Dank der Zusammenarbeit mit der mexikanischen Umweltpolizei konnten zehn illegale Stellnetze entfernt werden, außerdem bot das Fischerei-Ministerium endlich seine Hilfe an – nach Monaten, in denen es keinerlei Anfragen erwidert hatte.

Die Einsicht, dass sich etwas ändern muss, wächst offenbar auch bei den lokalen Handwerksfischern: Sunshine Rodriguez, der Anführer der letzten Fischereiflotte, die sich gegen die Schutzpläne stellt, bat um ein Treffen mit Greenpeace, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Mit Fischern in San Felipe und Santa Clara kam Greenpeace in den vergangenen Tagen ebenfalls ins Gespräch. Zudem fassten die mexikanischen Behörden drei chinesische Schmuggler mit 247 Totoaba-Schwimmblasen in ihrer Ladung.

Illegaler Fischfang bleibt ein Problem

Es sind kleine Erfolgsmeldungen, die jedoch auf ein Einvernehmen von Fischerei und Umweltschutz sowie ein konsequentes Durchgreifen gegen Gesetzesbrecher hoffen lassen. Der wachsende öffentliche Druck auf Mexiko, unterstützt von einer Greenpeace-Petition, die eine halbe Million Menschen unterschrieben hatten, brachte im Frühjahr 2015 einen ersten Durchbruch im Kampf gegen das Aussterben des Meeressäugers: Im April richtete die mexikanische Regierung ein 34.000 Quadratkilometer großes Schutzgebiet ein, die Stellnetzfischerei wurde für zwei Jahre komplett verboten.

Das Problem bleibt die illegale Fischerei. „Sofern es keine ernsthaften Bemühungen gibt, den illegalen Fischfang vor Ort zu überwachen, ist der Vaquita 2018 verschwunden“, sagt Silvia Diaz, Expertin für Meere bei Greenpeace Mexiko. Die „Misión Vaquita“ im Golf von Kalifornien geht darum weiter.

Der kleinste Wal der Welt ist längst nicht gerettet, doch die Esperanza hat in den vergangenen Tagen ihrem Namen alle Ehre gemacht: Das Schiff heißt nun einmal nicht umsonst „Hoffnung“.

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