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Intensivierung der Aquakultur schafft gravierende Probleme

Während die Übernutzung der Weltmeere voranschreitet und die Fischbestände rapide abnehmen, bietet sich die Aquakultur als Patentmittel an. Sie soll den wachsenden Bedarf an Fischen und anderen Meeresprodukten decken. Doch mit dem massiven Ausbau der Aquakultur sind nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Umwelt sondern auch Menschenrechtsverletzungen verbunden. Dies hat ein am Montag vorgestellter Greenpeace-Report dokumentiert.

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Der von den Greenpeace Research Laboratories an der Universität Exeter (England) verfasste Report Challenging the aquaculture industry on sustainability benennt die Probleme der gegenwärtigen Form der Aquakultur.

Aquakultur befasst sich mit der kontrollierten Aufzucht von aquatischen, also im Wasser befindlichen Organismen. Dies sind nicht nur Fische, sondern auch Muscheln, Krebstiere und Algen. Im freien Meer wird sie oft mit Netzgehegen oder mittels abgesperrter Buchten betrieben - zum Beispiel bei den Lachskulturen in den norwegischen Fjorden.

Die Produktion von Fisch, Krebstieren und Muscheln in Aquakulturen gehört weltweit zu den am schnellsten wachsenden Lebensmittelsektoren. So geht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) davon aus, dass bereits jetzt 43 Prozent der konsumierten Fische und Meeresprodukte aus Aquakultur stammen. Hierzu zählen beispielsweise Garnele, Lachs, Thunfisch und Buntbarsch.

Druck auf wildlebende Fischbestände wächst

Mit ihrer zunehmenden Bedeutung geht jedoch auch eine Intensivierung der Aquakultur einher. Dies betrifft insbesondere die Zucht solcher Fische oder Meerestiere, auf deren Speiseplan wiederum andere Organismen stehen, sagt Greenpeace-Sprecher Jürgen Knirsch.

Die Folge: Der Druck auf die ohnehin schon geschädigten, frei lebenden Fischbestände wird größer. Denn zum einen werden sogenannte Müllfische (Trash Fish) gefangen, um sie - zum Teil als Fischmehl - an die in Aquakultur gehaltenen Tiere zu verfüttern. Zum anderen werden die Kulturen mit Jungfischen aus Wildbeständen bestückt.

Neben Fischen trifft dies auch auf die Garnelen zu. Laut dem Greenpeace-Report sind einige natürliche Garnelen-Bestände als Folge der Entnahme von Jungtieren für Aquakulturen bereits zusammengebrochen.

Ein weiterer negativer Aspekt ist der Nettoverlust an Proteinen. Denn es muss wesentlich mehr Biomasse als Nahrung für die Aquakulturtiere gefangen werden als am Ende wieder herauskommt. Hierzu ein Beispiel: Für jedes in Aquakultur produzierte Kilogramm Lachs oder Garnele werden 2,5 bis 5 Kilogramm wild lebender Fische als Nahrung benötigt. Für Thunfisch sieht diese Bilanz noch schlechter aus: 20 Kilogramm Fischnahrung für ein Kilogramm Aquakultur-Thunfisch.

Durch die Intensivierung der Aquakultur wird die Ernährungssituation der lokalen Bevölkerung verschlechtert, der nun auch noch der letzte Fisch weggefischt wird, kommentiert Jürgen Knirsch diese Entwicklung.

Ökologisches Desaster und soziale Folgen

Weitere ökologische Effekte reichen von der Zerstörung küstennaher Ökosysteme durch das Anlegen von Aquakulturbecken bis hin zur Erschöpfung von Frischwasserressourcen. Zudem entstehen Konflikte um den Zugang zu Land- und Küstenregionen. Im Report werden Beispiele aus elf Ländern aufgeführt, bei denen es durch Garnelen-Aquakulturen zu Menschenrechts- verletzungen gekommen ist. Allein aus Bangladesh werden über 150 Todesfälle gemeldet, die auf Konflikte um Aquakulturen zurückzuführen sind.

Fazit

Die Aquakultur-Industrie muss sich also weg von den zerstörerischen hin zu nachhaltigen Formen entwickeln. Bis dieser Weg erreicht ist, stellt Greenpeace die folgenden Forderungen auf:

  • die Fütterung der in Aquakultur gehaltenen Tiere sollte zunehmend über Pflanzen erfolgen
  • der Einsatz von auf Fischmehl und Fischöl basierenden Futtermitteln sollte unter einem Kilogramm pro Kilogramm Produkt liegen
  • auf den Einsatz von Jungfischen aus Wildbeständen ist zu verzichten
  • negative Auswirkungen auf die Natur sowie Risiken für lokale Wildbestände sind zu vermeiden
  • Aquakulturen müssen der lokalen Bevölkerung langfristig wirtschaftlich wie sozial Vorteile bringen
  • die Händler sollten nur Produkte aus nachhaltig betriebenen Aquakulturen verkaufen.

Über den unten stehenden Link können Sie den Greenpeace-Report herunterladen.

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