Patente in der Landwirtschaft

Keine Patente auf Leben

Greenpeace hat das internationale Bündnis "No Patents on Seeds" mitgegründet, das gegen die Patentierung von Saatgut, Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln kämpft.

Leben ist keine Erfindung

Den Patentämtern liegen Tausende von Patentanträgen auf Pflanzen und Tiere vor, doch die biologische Vielfalt ist Gemeingut.  

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Oft sind es global agierende Nahrungsmittelkonzerne, die die natürliche Fortpflanzung, Gene sowie die Lebewesen und Pflanzen selbst einer technischen Erfindung gleichsetzen und patentieren lassen wollen. Ihnen geht es um weitreichende Kontrolle über die Landwirtschaft, die Tier- und die Pflanzenzucht sowie die Lebensmittelproduktion – ein Milliardengeschäft mit unseren Lebensgrundlagen.

Greenpeace fordert eine Änderung des Patentrechts, um den Ausverkauf der natürlichen Lebensgrundlagen zu verhindern. Andernfalls werden neue globale Abhängigkeiten geschaffen; Landwirte und traditionelle Züchter geraten in den Würgegriff der Konzerne, die Lebensmittelpreise können steigen, und auch die Nahrungsmittelkrisen in Entwicklungsländern können sich verschärfen. Die Konzerne werden dann darüber entscheiden, was auf den Markt kommt und wie viel es kostet.

Patente versprechen Macht und Kontrolle

Ob Monsanto, Dupont, Syngenta, BASF oder Bayer, mit Patenten versucht sich die Industrie ein Monopol über die landwirtschaftliche Produktion und Ernährung zu verschaffen. Patente können exklusive Rechte über Saatgut, Ernte bis hin zu den Lebensmitteln beinhalten. Die Konzerne diktieren dann, wer was zu welchen Bedingungen und Preisen anbauen und verkaufen darf: vom Weizen bis zum Brot, vom Mais bis zum Popcorn.

Längst geht es nicht mehr nur um gentechnisch veränderte Pflanzen. Immer öfter werden Patente auf Saatgut und Pflanzen aus konventioneller Zucht beantragt. Ein Beispiel der US-Firma Monsanto: Der Konzern versucht sich Sojabohnen einer bestimmten Qualität als Eigentum zu sichern, unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Gentechnik produziert wurden. An diesen Sojabohnen hängt die gesamte Herstellung von Lebensmitteln inklusive Agrosprit.

Ähnliche Patente wurden in Europa bereits erteilt. Seit 2008 hat der Konzern Cargill ein  Patent auf konventionelle Pflanzen zur Ölproduktion, das die Pressung der Samen und die Verwendung des Öls als Schmiermittel umfasst. Großkonzerne beanspruchen inzwischen sogar Patente auf Nutztiere. So meldete Monsanto ein Patent auf die Zucht von Schweinen mit besserer Mastleistung an. 2008 wurde das Patent vom Europäischen Patentamt erteilt und erst nach heftigen Protesten widerrufen.

Trotz des Verbots auf die Patentierung von Pflanzensorten wurden in Europa fast 2000 Patente auf Pflanzen vergeben. Viele gehören Konzernen wie Monsanto, Dupont, Syngenta, BASF oder Bayer, die inzwischen gezielt andere Saatgutfirmen aufgekauft haben. Monsanto ist derzeit die Nummer eins im internationalen Saatguthandel, und die Geschäfte florieren: Neuestes Produkt des Konzerns ist ein patentierter Brokkoli aus traditioneller Zucht, der in Europa unter der Marke „beneforte“ verkauft werden soll. Monsanto kontrolliert das Geschäft vom Acker bis zum Supermarkt.

Patente gefährden die Welternährung

Die Vielfalt der pflanzengenetischen Ressourcen stand seit jeher der Allgemeinheit zur Verfügung. Bauern nutzen sie zur Zucht neuer Ackerpflanzen. Patente blockieren dagegen diesen freien Zugang zum Saatgut: Bauern sollen jetzt hohe Lizenzgebühren an die Industrie zahlen, die die Entwicklung neuer Pflanzen und Tiere zunehmend monopolisiert hat. Auf ein einzelnes Reiskorn können inzwischen einige Dutzend Patentansprüche fallen.

Traditionelle Pflanzensorten, die für die Konzerne keine Gewinne versprechen, verschwinden. Und mit ihnen das Wissen. Einst gab es in Indien etwa 30.000 Reissorten, heute spielen nur noch zehn eine Rolle. Genetische Vielfalt ist aber Ausgangsbasis für die Züchtung neuer, sich den wechselnden Umweltbedingungen anpassender Nutzpflanzen. Geht diese Vielfalt verloren, verschwindet die Grundlage zur Sicherung der Ernährung.

Greenpeace hat zusammen mit anderen Organisationen das Netzwerk „no patents on seeds!“ ins Leben gerufen. Diesem gehören über 50 landwirtschaftliche Verbände und weitere hundert Organisationen an. Ziel ist, über die Machenschaften mit Patenten zu informieren und die Politik dazu zu bewegen, Patente auf Leben endlich zu verbieten:

Greenpeace hatte Erfolg mit Einsprüchen gegen Patente auf Maissorten aus Mexiko und Weizen aus Indien. Um das Patentrecht ad absurdum zu führen, hat Greenpeace selbst Patente angemeldet: so beispielsweise auf die Currywurst und die Auswahl von Politikern. Das Patent auf Politiker wurde abgelehnt, weil es „gegen die guten Sitten“ verstoße.

Zum Weiterlesen:

Merkwürdige Patente: Die tomatisierte Ananas
 

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Häufig gestellte Fragen

  • Wie können Pflanzen und Tiere als "neu" definiert und als Erfindung patentiert werden?

    Die unklaren Formulierungen des europäischen Patentrechtes ermöglichen derartige „Erfindungen“ – von Brokkoli, über Schweine bis zu Sonnenblumen. Oft wird nichts Neues erfunden, sondern nur gefunden. So melden Agrarkonzerne Tiere und Pflanzen als Patent an, die sie selber nicht gezüchtet, aber mit technischen Mitteln untersucht haben. 

  • Wieso steht nicht nur das Verfahren, sondern der ganze Brokkoli unter Patentschutz?

    Aufgrund der dehnbaren Patentgesetze gilt das Patent nicht nur für die beschriebene Zucht-Methode, sondern auch für die Pflanze und ihre Samen. Ähnliche Patente gibt es auf Kühe mit hoher Milchleistung und Sonnenblumen, aus denen sich besonders viel Öl gewinnen lässt.

  • Was hat die Kampagne von Greenpeace erreicht?

    Greenpeace legt seit 20 Jahren - immer wieder mit Erfolg - Einspruch gegen Skandal-Patente ein und engagiert sich mit kreativen Aktionen für ein Verbot. Im Herbst 2011 hat der deutsche Bundestag endlich parteiübergreifend beschlossen, Patente auf Nutztiere und Pflanzen zu verbieten. Die Bundesregierung will sich auch für eine Neufassung der EU-Patentgesetze einsetzen. 

  • Welche Auswirkungen hat die Monopolisierung von Lebensmitteln?

    Die Vereinten Nationen warnen, dass die Patentierung und die Durchsetzung der Konzerninteressen dazu führen, dass Lebensmittel-Preise steigen, Rohstoffe verknappt werden und der Hunger zunimmt. Konzerne kontrollieren mit Patenten auf Pflanzen und Tiere die Preise für Grundnahrungsmittel. Aktienkurse haben für solche Firmen oft höhere Relevanz als eine nachhaltige Landwirtschaft oder die Sicherung der Welternährung. 

  • Welche Konsequenzen haben Patente auf Leben für Landwirte?

    Der US-Agrarkonzern Monsanto ist mittlerweile die größte Saatgutfirma und kontrolliert 20 Prozent des weltweiten Marktes. Für die Landwirte bedeutet das neue Abhängigkeiten. Wer zum Beispiel eine patentierte Sonnenblume anbauen will, muss eine Lizenzgebühr an den Patentinhaber entrichten.

  • Forderungen

    • Verbot von Patenten auf Pflanzen, Tieren, deren Genen und Zuchtmaterial
    • Keine Patente auf Lebensmittel

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Der Brokkoli-Fall

    Ein Gemüse schreibt europäische Patentgeschichte: Im Jahr 2002 erteilt das Europäische Patentamt (EPA) der britischen Firma Plant Bioscience ein Patent auf Brokkoli. Unter das Patent fallen das Zuchtverfahren, Brokkoli-Samen und essbare Brokkolipflanzen.

    Europäische Patente auf Pflanzen und Tiere

    Europa steht vor einer wichtigen Entscheidung: Wird die Zukunft unserer Ernährung von Konzernen und der Patentindustrie kontrolliert oder wird es gelingen, Patente auf Tiere und Pflanzen zu verbieten? Derzeit sind etliche tausend solcher Patente beim Europäischen Patentamt (EPA) angemeldet.