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Was wächst denn da? - Illegal angebauter Gen-Mais!

Erneut haben Greenpeace-Aktivisten einen Fall von illegalem Gen-Maisanbau entdeckt. Sie markierten ein Feld nahe dem brandenburgischen Ort Hohenstein östlich von Berlin mit Absperrband und steckten Gen-Maisfratzen zwischen die Maissprößlinge auf dem Acker. Zugleich errichteten sie einen rund sieben Meter hohen Stahlturm mit einer Fahne an der Spitze und machten das Feld so weithin sichtbar.

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Die Maßnahmen sollten darauf aufmerksam machen, dass dort widerrechtlich Gen-Mais angebaut wird. Sie stießen bei einem Ökobäcker und einem Bio-Bauern aus der Gegend auf viel Sympathie. Der Pächter selbst rief die Polizei.

Der Landwirt und Pächter des Ackers, Jörg Piprek, hatte den genmanipulierten Mais ausgebracht, ohne die Fläche den Behörden zu melden. Das sieht das das Gentechnikgesetz aber vor. Dabei ist es unerheblich, ob die Gen-Maisvariante zugelassen ist oder nicht. Die Aktivisten haben deswegen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Oder Strafanzeige erstattet.

Greenpeace fordert den Landwirt auf, die genmanipulierten Pflanzen sofort unterzupflügen. Denn laut Risikobewertung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz und Landwirtschaft (BVL) besteht bei dem hier angebauten Gen-Mais MON810 ein berechtigter Grund zu der Annahme, dass dieser eine Gefahr für die Umwelt darstellt.

Es ist der reinste Irrsinn: keiner kann mehr mit Gewissheit sagen, wo überall Gen-Mais wächst, sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. Wenn Landwirte einfach Gen-Pflanzen anbauen, ohne der Meldepflicht nachzukommen, können die genmanipulierten Pflanzen überall auftauchen. Von einem kontrollierten Anbau in Deutschland kann so keine Rede sein.

Landeigentümer untersagt den Anbau von Gen-Pflanzen

Brendel weist in diesem Fall auf einen weiteren Verantwortlichen hin: Landwirtschaftsminister Seehofer hat versäumt dafür zu sorgen, dass die Gesetze eingehalten und kontrolliert werden. Zudem will der Minister das Gentechnikgesetz verschlechtern und die Transparenz des Anbaus drastisch einschränken. Das Chaos ist dann vorprogrammiert.

Der Bauer verstößt aber nicht nur gegen das Gentechnikgesetz. Auch der Eigentümer eines der betroffenen Flurstücke fordert vom Pächter, den Gen-Mais unverzüglich abzuernten. Er hatte bereits vor der Aussaat im März 2007 Piprek den Anbau von Gen-Mais explizit untersagt.

Gen-Mais schadet Schmetterlingen

Dieser Gen-Acker ist kein Einzelfall: Nur wenige Kilometer entfernt wächst Gen-Mais in einem Naturschutzgebiet, dem Ruhlsdorfer Bruch. Dort leben gefährdete Schmetterlingsarten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das von dem Gen-Mais produzierte Bt-Gift auf zahlreiche Tiere, darunter Schmetterlinge, negativ auswirkt.

Zwar hat der Landkreis Märkisch-Oderland verfügt, dass der Gen-Mais im und in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes umgebrochen wird. Doch Gen-Bauer Piprek hat dagegen Widerspruch eingelegt. Brendel: Diese Fälle zeigen, dass der Anbau genmanipulierter Pflanzen nicht zu kontrollieren ist. Selbst bestehende Gesetze greifen nicht. Und dies ist vermutlich erst die Spitze des Eisberges.

Wenn Sie sich die Lage des Gen-Ackers einmal aus der Vogelperspektive anschauen wollen, nuzten Sie bitte den unten stehenden Link.

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