Greenpeace bewertet Fleischsiegel

Ein Schweineleben

Viele Verbraucher würden gerne Schnitzel vom glücklichen Schwein essen. Doch konventionelle Fleischsiegel helfen dabei nicht. Denn über Haltungsbedingungen sagen sie kaum was aus.

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„Wer ein Tier hält oder betreut, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.“ So steht es in Paragraph zwei des  Deutschen Tierschutzgesetzes. Außerdem, so sagt der Paragraph, darf die Bewegungsfreiheit des Tieres nicht derart eingeschränkt werden, dass es leidet. Aber für Schlachttiere gilt das irgendwie nicht so richtig. Selbst wenn auf dem Fleisch im Kühlregal Label wie „DLG-Gold“, „QS - Ihr Prüfsystem für Lebensmittel“ oder „Tierwohl“ kleben, ging es dem Schlachttier vorher nicht unbedingt gut. Der Siegel-Check von Greenpeace zeigt: Nur wenige Gütesiegel auf Fleisch geben wirklich Auskunft darüber, wie die Tiere gehalten wurden.

Beispiel Schwein: Nach der Nutztierverordnung soll ein 110 Kilo schweres Mastschwein mit 0,75 Quadratmeter Platz in der Schweinebucht auskommen. Kein Auslauf, keine Scheuermöglichkeiten, kein Beschäftigungsmaterial. Viele Schlachttiere fristen ihr Dasein auf Betonböden ohne Stroh, ohne Tageslicht, ohne frische Luft, eng zusammengepfercht und vollgepumpt mit Antibiotika.

Das Leiden der Sauen

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sagen: Zum Glück währt das Elend nicht lange. Denn die Tiere werden in sieben bis acht Monaten zum Schlachtgewicht von 120 Kilo gemästet. Eigentlich werden Schweine 20 Jahre alt. Diese Turbomast für billiges Fleisch hat leidvolle Folgen für die Schweine. Denn tägliche Gewichtszunahmen bis zu einem Kilogramm führen bei den Tieren zur Überlastung von Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf-System. Heißt: Zu Schmerzen und Krankheiten.

Mit „artgerecht“ und „Bewegung“ hat so ein Schweineleben wenig zu tun. Viele der Masttiere zeigen Verhaltensstörungen: Sie kauen an den Käfigstangen, hocken apathisch im Hundesitz oder neigen aus lauter Aggression dazu, sich gegenseitig anzufressen. Doch statt die Haltungsbedingungen zu verbessern, werden die Tiere für ihre traurige Lage zurechtgestutzt - den Schweinen wird der Ringelschwanz abgeschnitten. Schon sinkt die Zahl der Beißverletzungen.  

Fleisch ist viel zu billig

Und warum das ganze Elend? Damit das Fleisch in unseren Kühlregalen immer billiger wird. 500 Gramm Hack gibt es beim Discounter schon mal für 1,59 Euro, 700 Gramm Kotelett  kosten 3,19 Euro und 600 Gramm Schweinenackensteaks gar nur  1,79 Euro. Ein  Bauer erhält gerade einmal ein Euro fünfzig bis ein Euro sechzig für jedes Kilo geschlachtetes Schwein. Was der Handel den Landwirten zahlt, reicht vorne und hinten nicht aus, um die Tiere besser zu halten. Platz zum Wohlfühlen, Stroh, Gras, Luft und ein fröhliches Schweineleben sind bei solchen Fleischpreisen einfach nicht drin.

Trotz zahlreicher Qualitätssiegel auf konventionell erzeugtem Fleisch erfährt der Kunde im Supermarkt nur wenig darüber, unter welchen Bedingungen das Tier lebte, ob Gen-Futter und Antibiotika eingesetzt wurden. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Siegel-Check von Greenpeace.  Dabei wollen Verbraucher durchaus wissen, wie die Tiere gehalten werden, wie eine von Greenpeace beauftragte Forsa-Umfrage gezeigt hat. 89 Prozent der Verbraucher wünschen sich für Fleisch eine ähnliche Kennzeichnung wie für frische Eier. „Greenpeace setzt sich für eine gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung ein“, sagt Stephanie Töwe , Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Nur so kann der Verbraucher den Unterschied erkennen und entscheiden, was für Fleisch er essen will.“

Nur wenige Siegel bieten Orientierung

Bisher können Kunden allein beim Bio-Siegel im Supermarkt davon ausgehen, dass das verarbeitete Tier aus artgerechterer und umweltschonender Haltung stammt. Auch die Label vom Deutschen Tierschutzbund und von Vier Pfoten garantieren ein besseres Schweineleben. Allerdings sind Produkte mit diesen beiden Siegeln im Handel kaum erhältlich.

Unter den konventionellen Labeln bietet Neuland Fleisch die höchsten Standards für artgerechte Tierhaltung. Das ist zwar nicht im Discounter erhältlich, aber immerhin in Fleischfachgeschäften oder über Hofläden. Irreführend ist besonders die Initiative „Tierwohl“ des deutschen Einzelhandels, mit dessen Logo vor allem Lidl und Aldi massiv auf frischen Schweinfleischprodukten werben. Die so gekennzeichneten Produkte stammen nur zu einem kleinen Teil aus  Ställen der Initiative selbst. Zudem liegen die Ansprüche nur geringfügig oberhalb der gesetzlichen Mindeststandards. Ringelschwänze dürfen kupiert werden, Auslauf ist kein Muss und Gen-Futter ist erlaubt. Auch die weitverbreiteten konventionellen Siegel „QS“ und „DLG“ orientieren sich lediglich an den gesetzlichen Mindeststandards. Und die reichen eben leider nicht aus, um den Schweinen ein gutes Leben zu ermöglichen.

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