Klimawandel

Treibhaus Erde

Seit Beginn der Industrialisierung ist die Temperatur auf der Erde durchschnittlich um 0,85 Grad Celsius gestiegen. Dass menschliches Handeln dafür verantwortlich ist, gilt als belegt.

Erwärmung im Akkord

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, der sich die Menschheit derzeit stellen muss.

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Das massive Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle und Öl macht die Erde zum Treibhaus. Die Prognose der führenden Klimaexperten: Wenn die Industrie- und Schwellenländer ihren Treibhausgasausstoß nicht drastisch senken, könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um weitere vier Grad ansteigen. 

Das massive Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle und Öl macht die Erde zum Treibhaus. Die Prognose der führenden Klimaexperten: Wenn die Industrie- und Schwellenländer ihren Treibhausgasausstoß nicht drastisch senken, könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um weitere vier Grad ansteigen. Bereits das Jahr 2015 war im Mittel 0,9 Grad wärmer als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts und damit global das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen 1880. Mitschuld daran trägt der ungebremste Ausstoß industrieller Treibhausgase.

Allein der jährliche Ausstoß des Treibhausgases CO2 in den am schnellsten wachsenden Industrienationen China und Indien macht sämtliche Einsparungen in anderen Industrieländern zunichte. China hat mittlerweile sogar die USA überholt. Bei den Pro-Kopf-Emissionen aber liegen die USA immer noch vorn. Im Jahr 2014 kamen auf jeden US-Bürger 16,5 Tonnen CO2, auf jeden Einwohner Chinas nur 7,6 Tonnen. Der Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland betrug 9,3 Tonnen.

KLIMAWANDEL IN DER DISKUSSION

Noch in den 1990er Jahren diskutierten Wissenschaftler kontrovers über die Ursachen der schnellen Erwärmung. Klimaschwankungen durch natürliche Prozesse wurden in Betracht gezogen. Solch ein natürlicher Prozess wäre zum Beispiel Vulkanismus. Extreme Vulkanausbrüche können das Klima  verändern. In den zurückliegenden 150 Jahren war der Vulkanismus allerdings nicht ausgeprägter als in den Jahrhunderten zuvor. Ein weiteres Beispiel ist die Sonnenaktivität. Tatsächlich gibt es regelmäßige Sonnenzyklen mit stärkerer und geringerer Strahlungsintensität. Doch Satellitenmessungen zeigen, dass die Schwankungen zwischen Minimum und Maximum der Strahlung in den vergangenen Jahrzehnten viel zu gering waren, um den derzeitigen Klimawandel auszulösen.

Seit den 1950er Jahren wird regelmäßig die CO2-Menge in der Atmosphäre gemessen. Verglichen mit anderen Forschungsdaten zeigt sich, dass die Konzentration heute so hoch ist wie zuletzt vor 800.000 Jahren. Natürliche Schwankungen im Erdklima gab es immer, sie entwickelten sich jedoch über sehr lange Zeiträume. Die heutige Entwicklung geht rasant vor sich. Nachweisbar ist außerdem, dass das gemessene CO2 fossilen Ursprungs ist, also aus der Verbrennung von Kohle und Öl stammt. Dabei befindet sich nur etwa die Hälfte des Kohlendioxids  in der Atmosphäre, die andere Hälfte haben die Meere und die Erdbiosphäre aufgenommen.

Heute gibt es so gut wie keine Klimaforscher mehr, die von einer natürlichen Entwicklung ausgehen. Die Datenlage spricht für einen sogenannten anthropogenen, einen vom Menschen ausgelösten Klimawandel. Das bestätigt auch der UN-Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) - ein unabhängiges wissenschaftliches Gremium, in dem Hunderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt mitwirken. Seine Berichte erscheinen regelmäßig; der jüngste wurde 2014 veröffentlicht. Er fasst die aktuellen Erkenntnisse zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen, Risiken und Folgen sowie Minderungsmöglichkeiten des Klimawandels zusammen.

KLIMASKEPTIKER UND DIE KOHLE- UND ÖLINDUSTRIE

Dennoch gibt es nach wie vor eine Handvoll sogenannter Klimaskeptiker, die die These eines vom Menschen verursachten Klimawandels ablehnen. Sie sind vielleicht wirklich nicht von der Stichhaltigkeit der Argumente überzeugt. Oder sie sind nicht bereit, ihren Lebensstil in Frage zu stellen, auch wenn er den Planeten ruiniert. Oft aber stehen Lobbyisten aus Industrie und Wirtschaft hinter den Skeptikern, vor allem die Öl- und Kohleindustrie. Das überrascht nicht, denn diese beiden Industriezweige und ihr lukratives Geschäft stehen auf dem Prüfstand.

Die Rolle des Ölmultis ExxonMobil (Esso) in diesem Spiel ist längst belegt. In den USA leisteten die organisierten Lobbyisten in den Neunzigerjahren ganze Arbeit. Dass die Vereinigten Staaten das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichneten, geht nicht zuletzt auf von Exxon bezahlte Klimaskeptiker zurück.

Einer von ihnen ist der in konservativen US-Medien häufig zitierte Wei-Hock „Willie“ Soon, ein Wissenschaftler am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA). Im Februar 2015 berichtete die New York Times über Dokumente, die nachweisen, dass Soon über ein Zeitraum von mehr als zehn Jahren gut 1,25 Millionen Dollar von Konzernen, Lobbygruppen und Ölfirmen wie Exxon erhalten und diese Einnahmequellen verheimlicht hat.

Von Ölfirmen bezahlte US-Klimaskeptiker waren es auch, die 1996 das European Science and Environment Forum (ESEF) gründeten – eigens zu dem Zweck, eine effektive europäische Klimaschutzpolitik zu verhindern. Eine Studie von Greenpeace International aus dem Jahr 2011 belegt, in welchem Maße Konzerne auch heute noch versuchen, Klimaschutzgesetze zu verhindern.

AUSSTIEG AUS FOSSILEN ENERGIEN

Mit dem Pariser Klimaabkommen, das im April 2016  mehr als 170 Staaten unterzeichneten, hat sich nun jedoch die Weltgemeinschaft auf den Klimaschutz verpflichtet. Der internationale Beschluss soll dafür sorgen, dass die Vertragsstaaten die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit halten. Ihr Ziel: den weltweiten Temperaturanstieg auf ein Niveau von „weit unter zwei Grad Celsius“ zu begrenzen, bzw. „Anstrengungen zu unternehmen, einen Anstieg auf 1,5 Grad Celsius nicht zu überschreiten“.  In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts sollen die Treibhausgasemissionen auf null absinken. Faktisch bedeutet dies einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas bis zum Jahr 2050.

Dass eine globale Energiewende bis 2050 tatsächlich möglich ist, belegt der Greenpeace-Report „Energy [R]evolution“ aus dem Jahr 2015.  Eine weltweite Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien würde nicht nur den CO2-Ausstoß drosseln und das Zwei-Grad-Ziel erreichbar machen, sondern ist auch wirtschaftlich effizient: Alle für die Energiewende notwendigen Investitionen können durch die eingesparten Brennstoffkosten gedeckt werden. Dabei würden bis 2030 weltweit mehr als 20 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Es ist also an der Zeit, dem Klimawandel endlich entgegenzuwirken.

Die Aufzeichnung unseres Expertengesprächs zur Klimakonferenz in Paris sehen sie hier. Bei der Veranstaltung am 3. November 2015 diskutierten Martin Kaiser, Leiter internationale Klimapolitik bei Greenpeace, und Niklas Schinerl, Greenpeace-Experte für Erneuerbare Energien. Moderation: Tilo Jung, Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte


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Häufig gestellte Fragen

  • Ist der Klimawandel noch aufzuhalten?

    Nein, aufhalten können wir den Klimawandel nicht mehr. Doch die schlimmsten Folgen des Klimawandels können wir noch verhindern - wenn wir jetzt die Notbremse ziehen. Die weltweiten Treibhausgas-Emissionen müssen wir bis 2050 um mindestens 80% im Vergleich zu 1990 radikal reduzieren, dann kommen wir mit einem blauen Auge davon. 

  • Wer ist der Hauptverursacher des Klimawandels?

    Grund für die Erwärmung ist letztlich unsere Lebensweise in den Industriegesellschaften. Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas, die Abholzung von Wäldern und nicht zuletzt der steigende Fleischkonsum verursachen rasant zunehmende Treibhausgasemissionen. 

  • Was ist das 2 Grad-Ziel?

    Sollten die Temperaturen um mehr als zwei Grad Celsius ansteigen, befürchten Experten dramatische Schäden für die Ökosysteme und unumkehrbare Beeinträchtigungen des Klimasystems. Nur wenn wir es schaffen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen können wir die Folgen des Klimawandels umgehen. 

  • Was sind Kippelemente des Klimasystems?

    Das arktische Meereis, der Amazonas Regenwald oder das El Niño–Phänomen sind sogenannte Kippelemente: Sie sind besonders anfällig gegenüber dem Klimawandel. In diesen Regionen können in Folge der Klimaerwärmung sprunghafte und teilweise unumkehrbare Veränderungen angestoßen werden, die nicht langsam und linear wie in anderen Teilen der Erde verlaufen, sondern schnell und mit katastrophalen Auswirkungen für unser Gesamtklima.

  • Was macht der Weltklimarat?

    Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Berichte, die die wissenschaftliche Grundlage für die internationale Klimapolitik bilden. Die Berichte über die globalen Klimaveränderungen geben den wissenschaftlichen Stand der Klimaforschung wieder. Die nächsten Berichte werden 2014 publiziert.

  • Forderungen

    • Die globale Erwärmung ist auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen
    • Mindestens 40 Prozent weniger CO2 in Deutschland bis 2020 (gegenüber 1990)
    • Mindestens 55 Prozent weniger CO2-Ausstoß in Europa bis 2030 (gegenüber 1990)
    • Klimagerechtigkeit und finanzielle Hilfe für die ärmsten Länder der Welt

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Bildungsmaterial - Alles Verhandlungssache?

    Am 30. November beginnt die Weltklimakonferenz in Paris. Damit Lehrer das Thema im Unterricht begleiten können, veröffentlicht Greenpeace Bildungsmaterial zum internationalen Klimaschutz.

    Greenpeace-Kriterien für sauberen Strom

    Der einfachste Beitrag zur Energiewende ist, zu einem Anbieter von Ökostrom zu wechseln, um gefährlichen Atomstrom und klimazerstörenden Kohlestrom vom Markt zu verdrängen. Doch woran erkennt der Stromkunde, ob ein Anbieter wirklich für sauberen Strom steht?