Ein Artikel von Anja Franzenburg

EU lässt nicht getestetes Gen-Futter zu

Dass gentechnisch veränderte Pflanzen in großen Mengen im Tierfutter landen, ist leider schon länger Praxis. 2011 hat die EU entschieden, dass sogar Gen-Pflanzen, die gar keine Sicherheitsprüfung in der EU durchlaufen haben - und somit illegal sind - im Futtertrog von Kuh, Schwein und Huhn landen dürfen.

  • /

Die EU hat für einen Grenzwert von 0,1 Prozent gestimmt - auch Deutschland hat sich im Vorfeld nicht dagegen ausgesprochen. Somit dürfen 0,1 Prozent in der EU nicht getestete gentechnisch veränderte Bestandteile im Tierfutter sein.

"Es ist unfassbar, dass hier vor einer Industrie wie der Futtermittelbranche, die so viel Dreck am Stecken hat, gebuckelt wird. Ministerin Aigner hätte die Chance gehabt zu zeigen, dass sie auf der Seite der Verbraucher steht. Stattdessen macht sie sich zum Hampelmann der Agrarlobby", sagt Stephanie Töwe, Gentechnikexpertin von Greenpeace. "Die Entscheidung verstößt einmal mehr gegen das Vorsorgeprinzip. Gen-Pflanzen, die nicht für den menschlichen Verzehr getestet wurden, haben nichts in unserer Nahrungsmittelkette zu suchen."

Seit Jahren redet die Futtermittelbranche davon, dass ein Tierfutternotstand drohe und schließlich sogar das Aus der Geflügel- und Schweinehaltung in Europa, wenn die EU nicht endlich ihre Importbestimmungen lockere. Hintergrund ist, dass in den USA, Argentinien und Kanada im großen Stil Gen-Futterpflanzen wie Soja angebaut werden, die zum Teil keine EU-Importzulassung haben. "Es besteht die Gefahr, dass Verunreinigungen mit nicht zugelassenen Gen-Pflanzen zunehmen werden, da die Industrie nun nicht mehr die Nulltoleranz, also das Reinheitsgebot beachten muss", vermutet Töwe.

"Das Argument, dass uns die Futtermittel ausgehen würden, ist eine Frechheit. Nie haben wir mehr Schweine- und Geflügelfleisch produziert als in den letzten Jahren", sagt Töwe. Das Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel in der EU verzeichnet zudem nur sehr wenige Fälle mit verunreinigtem Tierfutter - und wenn, kam es aus den USA, die bislang kein Trennungs- und Rückverfolgbarkeitssystem eingeführt haben. Und - mit der Entscheidung der EU - dies wohl auch nicht tun werden.

Kein anderes Land der Welt, nicht einmal die USA, duldet Bestandteile von Gen-Pflanzen, die nicht von den eigenen Behörden getestet worden sind. Die EU schlägt mit der Entscheidung weltweit einen einmaligen Weg ein.